Aostatal - Nördlicher Teil des Gran-Paradiso-Parks
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| VanSims2. 08. 2012 19:01:13 |
Für den zweiten Teil meiner Wanderung im Aostatal gehe ich auf die andere Seite in die Graischen Alpen. Meine Basis war hier das Städtchen Cogne für drei Tage und drei schöne Touren, wieder mit Hilfe des Lonely Planet. Als Kuriosum sei die enorme Temperaturdifferenz zwischen dem Aostatal selbst (ca. 300-500 m ü. M., offen zur mediterranen Po-Ebene) und Dörfern in einer Seitentalebene 1000 m höher (konkret Cogne ca. 1500 m) mit bereits rein alpinem Klima (Taleschluß und dadurch weniger Sonneneinstrahlung) erwähnt. Differenz ca. 10-15 Grad. Nachts sinken auch im Sommer oft die Temperaturen unter 7,8 Grad. Auch Unterschied in der mediterranen, italienischen Architektur von Aosta selbst und z.B. Gressoney und Cogne (letzteres nur 20-30 km von Aosta entfernt), die völlig typische Alpendörfer sind. Na, ersten Tag von Cogne ins Dorf darüber - Gimillan. Mit Auto! Spart mir eine Stunde Marsch. Dort parken und in Grauson-Tal. Ziele: Laghi di Lussert, Lago Money, und Colle di Laures. Tour ist lang...ca. 9 Std. (Hin- und Rückweg), aber trotz Demanding in LP finde ich sie nicht so konditionell anspruchsvoll außer Anstieg vom ersten zum dritten und letzten Lussert-See. Und der ist im Vergleich zu Pinter (siehe meinen vorherigen Beitrag) nicht so schwer. Weg von Gimillan über zwei Almen (Alpe Grauson und Alpe Tsesere) zu Lussert-Seen (unterer, mittlerer und oberer), auf ca. Triglav-Höhe. Weg bis hier ohne technische Schwierigkeiten. Vom oberen See noch gute halbe Stunde zum Colle di Laures, höchster Punkt meines Wanderns ums Aostatal (3036 m). Dieser Weg konditionell nicht zu fordernd, erinnert aber an ähnlichen Weg in Hohe Tauern (Ankogel, Säuleck, Hafner) über wackelnde Platten und Felsen. Auch hier drauf achten. Graische Alpen sind ebenfalls gneisig. Dann absteigen wieder zu Seen. Auf Rückweg rechne ich, ob Zeit für Abstecher (ca. Stunde) zum Lago Money, damit mich Dunkelheit nicht erwischt. Schnell hin, aber dieser See hat mich nicht so beeindruckt wie die drei oben genannten. Dann zurück nach Gimillan und mit Auto nach Cogne, dort teures Bier (aber muss sagen, ihr lokales valdostanisches Bier ist ganz lecker). Noch Fotos 
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| VanSims3. 08. 2012 17:21:40 |
Am zweiten Tag habe ich eine Tour gemacht, die mir von allen ums Aostatal am meisten im Gedächtnis bleiben wird (neben der Qual auf Colle di Pinter ). Es geht um die Überquerung Sella - Herbetet. Lonely Planet beschreibt den Weg als klassische Tour im Gran-Paradiso-Park, teilweise exponiert und mit hervorragenden Ausblicken. Genug, um mich zu begeistern!  Dafür muss man am Anfang etwas anstrengen. Von Valnontey (ca. 5 km von Cogne mit Auto - großer Parkplatz) muss man zum Rifugio Sella kommen. Weg steigt an, konditionell etwas anstrengend aber nicht zu sehr. Lohnt sich aber, denn ab Rifugio fängt der echte Genuß an. Zuerst auf ziemlich ebenem Weg an kleinem See vorbei und durch weitere wunderschöne gneisige Felslandschaft bis ganz an den Rand des Grats vom Bec du Vallon (schöner Blick auf Valnontey und gleichnamiges Tal bis hin zu Cogne und Gimillan) wo dann das Richtige anfängt. Von hier an haben Schwindelfreie leider nichts mehr zu suchen... Gerade der Anfangsteil mit einigen Seilen und Holzrampe ist psychologisch am schwersten und am exponiertesten. Ist aber kurz, nur ca. 50m. Von hier an ist Weg noch immer exponiert und absturzgefährdet aber wenigstens schöner Pfad, wenn auch eng und nur stellenweise etwas breiter, hier und da noch Schutz aber nichts Besonderes. Fast alle Sicherungen auf diesem Weg sind nur zum Sichern nicht zum Fortkommen. Na, damit nicht alle Schwierigkeiten zu früh enden sorgt ein Problem ganz anderer Art - Überquerung eines etwas tückischeren tosenden Baches (nach starkem Regen wohl ziemlich schwer). Stöcke (ach, hab noch nicht gesagt daß ich sie am ersten Tag irgendwo um Colle di Nana verloren hab ) sind hier sehr nützlich. Sobald Bach hinter mir ist endet Exponierung vorübergehend und wieder über gneisige Felsen zum Plan di Ressello von wo sich toller Blick auf Talende von Valnontey und Gran-Paradiso-Massiv öffnet, obwohl Gran Paradiso selbst hier nicht zu sehen (kommt nächsten Tag). Aber wieder einer der schönsten Ausblicke meines Wanderns hier. Weiter wird Weg wieder stellenweise leicht exponiert, bis nach ca. halber Stunde zu Casolari dell'Herbetet wo der Spaß endet, nur noch Abstieg ins Tal und zurück nach Valnontey. Aber es hat sich gelohnt. Auf dem Rückweg erwischt mich noch schwaches Gewitter aber ich war schon unter Baumgrenze (ca. 1800 m), die übrigens hier durch mediterranen Einfluß deutlich höher ist als bei uns gewohnt. Einzelne Bäume noch auf ca. 2300 m, kahle Felsen erst ab Triglav-Höhe oder höher. Weg ist in LP als Demanding markiert, nicht so wegen benötigter Kondition (die ist eigentlich nur bis Rifugio Sella nötig) sondern wegen Exponierung (Schwindelfreiheit nötig) und leichter technischer Anforderung (natürlich nichts Besonderes für jemanden gewöhnt an Exponiertes und einige Sicherungen z.B. wie steile auf Nanos und Ähnliches also mittelschwer).
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| Irina3. 08. 2012 17:36:53 |
Bravo. Ich beneide dich richtig. Und zwei Daumen hoch für die Mühe, alles auf "Papier" zu bringen.
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| VanSims6. 08. 2012 19:13:58 |
Am dritten Tag bin ich noch zum Aussichtspunkt Alpe Money auf der gegenüberliegenden Seite des Valnotney-Tals gegangen. Schon als ich am Vortag auf dem Talweg zurückkehrte, stand an der Abzweigung zu Alpe Money, dass der Übergang zum Talende wegen eingestürzter Brücken nicht möglich ist. Ich schloss daraus, dass man zum Aussichtspunkt selbst noch kommen kann. So bin ich morgens zur Abzweigung und hoch. Der Weg steigt zuerst steil an - für einen wunderbaren Blick auf den höchsten Berg Italiens, der nicht an der Grenze zu einem anderen Land liegt, muss man sich anstrengen. Aber es ist nicht so schlimm. In weniger als zwei (oder guten eineinhalb Stunden) bin ich oben. Oben wirklich majestätischer Blick auf die zentrale Gruppe des Parks mit dem namensgebenden Berg, Piccolo Paradiso, dem Zwischenpass und anderen Bergen, unter denen z.B. Herbetet hervorsticht. Vom Weg und vom Aussichtspunkt selbst konnte ich auch den Weg des Vortags beobachten bzw. mir vorstellen. Für den Nachmittag waren Gewitter angesagt, so dachte ich mir, vielleicht doch auch wenn der Weg weiter gesperrt ist, aber das Wetter hielt bis abends, als ich von Cogne (natürlich obligatorisches Bier und Eis) ins Tal fuhr, wo ich zur Erholung zwei Tage noch etwas durch Talsstädte und Burgen wanderte (Aosta, Fenes, Issogne, Courmayeur), bevor ich weiter nach Frankreich ging.
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| puma6. 08. 2012 19:26:03 |
Ausgezeichnet! Schöne Beschreibungen, Fotos und wie Irina, beneide ich dich auch ein bisschen! Sieht aus wie das echte Gran Paradiso  Also erwarten wir Beschreibungen aus Frankreich 
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| VanSims6. 08. 2012 19:37:49 |
Irina, puma, danke! Auf jeden Fall ohne Lonely Planet, der offensichtlich wirklich weiß, wie man schöne Wege wählt (letztes Jahr z.B. Stelvio und vor vier Jahren Dolomiten) gäbe es nichts.
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| BibaS8. 08. 2012 14:07:41 |
Ich beneide auch dieses Umherstreifen! 
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