| pg18. 07. 2021 15:00:37 |
Zum Abschluss meiner Streifzüge bei kurzer Rückkehr nach Innsbruck – wo diesmal das Hauptziel das Abholen des Fahrrads war – stieg ich einen Tag nach dem Ende der Karwendel-Durchquerung auf den ziemlich bekannten Dreitausender Nederkogel, der trotz erfolgreicher Saison letztes Jahr noch unbestiegen blieb und sich hoch über dem berühmten Skigebiet Sölden erhebt. Trotz Müdigkeit, langer Abend vor dem EM-Finale Fußball und morgendlichen Verpflichtungen in der Stadt, die einen nachmittäglichen Aufstieg diktierten, musste ich den letzten Vorbereitungstag vor Wetterverschlechterung nutzen – Spaziergänge um die Tiroler Hauptstadt sind halt nicht dasselbe ohne Aufstieg auf einen Dreitausender in Stubai oder Ötztaler Alpen; letztes Jahr rund zwanzig, Nederkogel ist der erste heuer. Da ich die Stubai Alpen letztes Jahr gut kennengelernt habe, die Ötztaler aber ausser Wildspitze, Similaun, Fineilspitze und Hoher Geige weitgehend gemieden, nach zweistündiger Zug- und Busfahrt – wegen Fahrradtransport diesmal ohne Auto in Tirol – um 11 Uhr von den Randbereichen des Dorfes Zwieselstein bei Sölden zum 1500 m höheren Gipfel aufgebrochen. Vom Startpunkt an der Bushaltestelle Zwieselstein Sahnestüberl erreichte ich in unter einer halben Stunde über angenehmen Waldweg die Aussichtsalm Lenzenalm, trank dort Kaffee und setzte den Weg auf noch immer leichten Pfad fort, wo – o so tirolisch! – die Kühe Vorrang beim Durchlass beanspruchten, sodass ich oft umgehen musste. Bei immer besseren Ausblicken vor allem auf Berge über dem Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl kam ich nach angenehmem Pfad in etwas über einer Stunde von der Alm zum Abzweig zu Neder-See und Nederkogelgipfel. Den Fünf-Minuten-Umweg zum netten See nutzte ich, um unnötige Sachen für den Endanstieg dort zu deponieren und den weiteren Verlauf zum ca. 700 m höheren Gipfel zu begutachten, der durch das enorme Kreuz oben täuschend kurz wirkt. Kurz vor 14 Uhr ging's zum Gipfel, der sich zunächst durch Schuttlandschaft windet, dann steil zum aussichtsreichen Nordgrat des Nederkogels hochzieht. Hier führt der noch etwas anspruchsvolle Weg über typische Granitblöcke immer höher über das Seental östlich des Berges. Unterwegs kreuzte ich einige harmlose Schneeflächen, ca. 100 m unter'm Gipfel auf Rat eines Trios Vorübergehender, um sommerlichen problematischen Schnee am Westgrat zu umgehen, wohin der exzellent markierte Weg steil abbiegt, querte ich zu den bröckeligen Hängen am Ostflanke. Über ziemlich bröckliges Gelände stieg ich zu alten Markierungen der ansonsten unmarkierten Route über die Ostwände des Nederkogels und über Platten bei schönem Klettern im II. Grad direkt zum grossen Gipfelkreuz (dem Endklettern kann man weitgehend ausweichen, doch der bröcklige Untergrund unter'm Gipfel, wo einst die Ostroute führte, ist deutlich gefährlicher als der solide Fels, den ich nahm). Da der Nederkogel als steile Wache über dem Zentralen Ötztaler Gebirge thront, sind die Gipfelblicke prächtig: Es war eine Freude, hinauszublicken und Erinnerungen an letztjährige Touren zu Wildspitze, Hohe Geige, Similaun und Zuckerhütl aufzufrischen, die klar im wundervollen Panorama erkennbar sind, herrlich auch die Tiefblicke nach Sölden, Nedersee und Skizentrum Obergurgl-Hochgurgl. Nach längerer Gipelpause gegen 16 Uhr vorsichtig zum markierten Querweg abgestiegen, wo ich im Sinne der Kameradschaft, die mir die Vorsteiger erwiesen, einem Jungen mit Rat zum Endanstieg half, dann Abstieg über Gipfelaufbau und Nordgrat des Nederkogels fortgesetzt. Kurz nach 17:30 Uhr zurück am See auf 2436 m, wo ich längere Pause machte und Plan für die Nacht schmiedete – wie ich sie verbrachte, vielleicht über andere Kanäle  Morgens im Zentrum von Zwieselstein, über dem sich der 1700 m höhere Nederkogel markant erhebt, ersten Morgenbus nach Ötztal Bahnhof genommen und von da Zug nach Innsbruck, desselben Abends Zug auf Nachtfahrt nach Ljubljana. Der fünfte Tag in Folge meiner Tiroler Streifzüge führte mich so am höchsten, wenngleich die Tour nicht zu lang oder übermässig anspruchsvoll war; solange am Westgrat kein Schnee (ich hatte volle Winterausrüstung, aber durch weichen Sommer-Schnee wäre Aufstieg über vereisten Grat riskant) und das Kletterfinal ausfällt, handelt es sich um mässig anspruchsvollen Aufstieg, für den vom Start ca. 4 Stunden Gehens brauchen. Vielleicht nicht der einfachste oder bequemste Dreitausender in der Umgebung – Sulzkogel, Zischgeles oder gar Rinnenspitze in den Stubaiern bieten sich dafür an – aber bei trockenen Bedingungen kann ich den Aufstieg ruhig auch Anfängern dieser Höhen empfehlen.
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