| VanSims9. 09. 2013 23:21:15 |
HOCHSTAUFEN (1771 m) Für den letzten Tag meiner Urlaubsabenteuer war tagsüber schönes Wetter vorhergesagt, aber abends Gewitter. Da die Watzmann-Traverse (unter Slowenen ist wenig bekannt, dass unser Valentin Stanič, der auch den benachbarten Hoher Göll zuerst bestiegen hat, angeblich der Erste oder zumindest unter den Ersten war, der ihn bestiegen hat) einen langen Tag ohne Gewitter erfordert (10-12 Stunden ohne Pausen), musste ich diesen Unterfangen leider absagen. Im TC in Berchtesgaden habe ich im Netz nach einer kürzeren Alternativtour gesucht. Da das System nur auf wenige Berchtesgaden-Touristen-Seiten beschränkt war ohne detaillierte Tourbeschreibungen, habe ich eher zufällig gewählt. Nun, die mehr oder weniger zufällige Wahl hat sich als gut herausgestellt: Hochstaufen über Bad Reichenhall. Am Abend, als ich noch ein bisschen in Berchtesgaden spazierte, sah ich auf einer Werbetafel Seiten der lokalen Tageszeitung hängen. Meine Aufmerksamkeit erregte ein Artikel, in dem zwei Bergunfälle vom Vortag beschrieben wurden (beide tödlich) und genau einer am Watzmann und einer am Hochstaufen. Beide aber auf Wegen, die viel zu schwer für mich waren und ich nicht vorhatte, sie zu gehen. Der am Watzmann geschah in der Ostwand. Darüber verläuft der Berchtesgadener Weg (Freiklettern bis III). Dort ist ein Bergsteiger abgestürzt, der sich allein (ohne Seil) auf diesen Weg gemacht hat . Der Bergsteiger unter ihm (ebenfalls allein auf dem Weg ) hörte zuerst einen Schrei, dann Geröll. Als er höher kam, fand er den Rucksack des Bergsteigers und rief die Berchtesgadener GRS, die mit Helikoptereinsatz leider nur die Leiche fand. Der Helikopter war noch nicht richtig in der Basis gelandet, als er wieder starten musste. Diesmal zur Nordwand des Hochstaufens, wo der Unfall im berühmten Piddinger Klettersteig geschah. Auch hier konnte der Arzt nur den Tod feststellen. Dieser letzte Unfall war aber wirklich Folge nicht großer Fahrlässigkeit, sondern buchstäblich völliger Gleichgültigkeit, da sich das Opfer in eine der schwersten bayerischen Klettersteige buchstäblich ohne alles begab: ohne Helm, ohne Sicherung und in Sneakers! Am nächsten Morgen plane ich, zum Ausgangspunkt zu fahren. Der Weg soll am Padinger Alm beginnen. Wo ist das? In Bad Reichenhall finde ich auf dem Garmin Staufenerstrasse. Als ich hinkomme, sehe ich Wanderschilder, aber keines für Hochstaufen. Ich frage eine Einheimische, die mir den Weg zum Padinger Alm erklärt. Und tatsächlich, es war nicht weit. Dort war schon voll mit Autos, ich bekam gerade noch einen Platz. Also sehr beliebtes Ziel. Ich parke und gehe an der Schranke vorbei. Schon im Netz gesehen, dass von hier zwei Wege zum Gipfel gehen: Normalweg und "Steinerne Jäger" (Legende erzählt von zwei Jägern, die der Teufel in Stein verwandelt haben soll). Für letzteren stand im Netz: "anspruchsvoll", auf den Schildern vor Ort mit schwarzem Punkt markiert (schwerer Weg). Hmmm, wie schwer? Ich frage einen Wanderer und kurz darauf eine Wanderin, die am Abzweig vorbeikommen. Beide sagen, es gibt etwas Freiklettern, ungesichert, erfordert keine Höhenangst, beide betonen auch, dass es 'sehr schön' ist. Ihn frage ich noch nach dem Klettergrad? "Maximal erste!" Na, das sollte klappen. Zeit: ca. 3,5 Stunden. Am Abzweig gehe ich also Richtung schwierigerem Weg. Der Weg geht noch paar hundert Meter Straße, dann biegt ein Waldweg ab. Schöner Waldweg steigt moderat an und nach ca. 1,5 Stunden kommt er an den Sattel und Kreuzung. Auf die andere Seite Weg nach Pidding, links abbiegt zum Grat. Am Sattel öffnet sich auch Blick nach Norden auf die Autobahn, die man hörte, aber später nicht mehr, da der meiste Weg auf der Südseite des Grats verlief. Vom Sattel steigt der Weg schon ziemlich steil an, dann komme ich zu einer Stelle, wo der Blick zurück nach Bad Reichenhall aufgeht. Von dort zuerst eine Leiter hoch, und das war alles an Eisen. Der Weg wird dann interessanter. Langsam muss man anfangen, Felsen zu greifen, obwohl dazwischen noch etwas Gehweg war. Eigentlich geht so ein Weg bis zur Hütte unter dem Gipfel. Also teils Gehen und Klettern (eher I- als I), außer an drei, vier längeren Abschnitten, wo man fester greifen und ziehen musste (I), einer oder zwei davon ca. 20 m lang. Alles in allem im Rahmen leichten Kraxelns, das... hmmm bei uns grob der Schwierigkeit einer Gratkante am Prisojnik entspricht, wenn man die Drahtseile am Anfang weglässt. Natürlich fragt sich jetzt jemand (besonders bei den Bildern), wie auf ca. 1400 m bis zum Gipfel blanker Fels auftaucht. Und das auf der Südseite! Man muss sagen, 1921 brach auf dem Berg ein Feuer aus (wegen weggeworfener Zigarette) und die Vegetation ist seither nicht nachgewachsen. Auch die Normalroute bergab ist im oberen Teil mehr oder weniger kahl. Hat mich ein bisschen an Svinjak erinnert, wo ich mich entsinne, auch ein Feuer nahe dem Gipfel war. So komme ich bis kurz unter den Gipfel zur Hütte Reichenhaller Haus. Dort stärke ich mich etwas, dann noch ca. 5 Min. zum Gipfel. Auf dem Weg zum Gipfel steht eine schöne Kapelle. Davor Gedenktafel für das Ehepaar, das als Hüttenwarte hier arbeitete und 1993 hier ausgeraubt und ermordet wurde...  Vom Gipfel schöner Blick auf die ganze Kette der zentralen Berchtesgadener Alpen. Watzmann in Wolken, was eine vernebelte Traverse ohne Aussicht bedeutet hätte und (je nach Dichte) vielleicht gefährlich. Später am Abend klärte es etwas auf. Nach Norden sieht man neben der Autobahn bayerisches Hügelland, im Osten Salzburg gut sichtbar, irgendwo im Nordwesten Chiemsee. Ich halte mich lange auf dem Gipfel auf, dann absteigen zur Hütte und runter über Normalweg. Da ich Zeit hatte, ging ich die ganze Zeit langsam, was hieß, dass ich am Padinger Alm ankam, gerade als es langsam dunkel wurde. Gerade als ich am Tisch im Hof der dortigen Gaststätte saß und auf die Kellnerin wartete, um ein Bier zu bestellen, hüllte sich der Gipfel in schwarze Wolken, und es fing so stark an zu wehen, dass alles Tischdecken von den Tischen wehte und Stühle umkippte. Na, besser gehen, bevor es richtig losgeht. Wettervorhersage erfüllte sich... 
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