| bagi26. 05. 2022 06:52:04 |
Camino Olvidado ist zusammen mit dem Camino del Norte und dem Camino Primitivo einer der ursprünglichen Wege, die Pilger aus atlantischer Richtung um das 10. Jahrhundert zur Wanderung nach Santiago de Compostela nutzten. Mit dem Rückzug der Mauren aus der Iberischen Halbinsel wurden bequemere Wege ihn ersetzt, weshalb er allmählich vergessen wurde. Vor einigen Jahren haben sie ihn wiederbelebt und ihm den Namen Camino Olvidado gegeben, auch Camino Viejo, oder Vergessener Weg. Er ist 530 km lang und hat 11.000 Höhenmeter. Er ist nun vollständig markiert, teils besser, teils schlechter. Beginn ist in der Stadt Bilbao, Ende auf dem Französischen Weg im Dorf Villafranca del Bierzo neben Ponferrada. Dieser Weg ist jedoch eine Herausforderung für jeden und keinesfalls der erste, den man in Spanien wandern möchte . Er leidet vor allem unter dem Mangel an Infrastruktur für Peregrinos, daher muss man auf private Unterkünfte und günstige Hotels setzen. Die Längen der einzelnen Etappen hängen oft von ihnen ab und können erhebliche Distanzen erreichen. Auch Zwischenstopps in Gaststätten und Geschäften sind nicht selbstverständlich. Es gibt wenige davon, und sie arbeiten nach dem Prinzip sehr lockerer spanischer Arbeitszeiten. Vielleicht geöffnet, vielleicht nicht . Dieser alte Weg sollte bereits 2020 gewandert werden, was uns die Covid-Geschichte für eine Weile verhinderte. Sie hat sich endlich genug beruhigt, dass wir heuer wieder mit einem Spanienbesuch rechnen konnten. Der Weg ist wenig bekannt, daher war vor der Abreise Hausaufgaben mit Planung grober Etappen nötig. Sie umfasste eine Liste aller potenziellen Übernachtungen, Distanzen zwischen den Orten und wo man Vorräte auffüllen könnte. So viel Zeit für Logistik habe ich noch bei keinem anderen Weg investiert. Zur Sicherheit habe ich noch einen Reservetag hinzugefügt, dann mal sehen. Und es hat geklappt. Die Beine haben uns fleißig gedient, das Gewicht der Rucksäcke spürten wir nach den ersten Tagen nicht mehr. Das Wetter hat ausgezeichnet mitgewirkt mit kalten und meist trockenen Tagen. Nur gelegentlicher leichter und kurzer Tau zwang uns zur Belüftung der Regenausrüstung. Zum Glück gab es nie richtigen Regen. Den Poncho haben wir mehrmals als effektive Zusatzbekleidung in kalten Morgenstunden bei Temperaturen um null genutzt. Die ersten zwei Tage auf Asphalt, später war der Untergrund freundlicher. Der Weg steigt ehrlich über Kilometer an, da der Großteil über 1000 m verläuft. Zahlreiche Landschaften wechseln sich ab, es gibt unzählige abgelegene Dörfer, auch kleinere Städte tauchen auf. Die Leute sind extrem freundlich, kennen aber meist kein Wort Englisch. Helle Ausnahmen könnte man an einer Hand abzählen. Trotzdem haben wir alles geregelt . Weiterhin gibt es zwei Varianten des Weges. Eine führt über Gebirgspässe zwischen 1400 und 1600 m Höhe, die andere umgeht über niedrigere Bereiche. Wir haben eine Kombination gemacht. Der erste Tag über die Pässe war ein tolles Erlebnis, am zweiten mussten wir den höchsten Punkt wegen Neuschnee und stürmischem Wind auslassen. Die Bergvariante darf man auf keinen Fall verpassen. Die Reise wurde zur Routine. Morgens mal so mal so ein Frühstück, manchmal gar keins, Rucksäcke packen und ab in den neuen Tag. Und jeder Tag war eine neue Geschichte. Wir wussten weder den Wochentag noch das Datum. Man wandert Kilometer um Kilometer, beobachtet die Welt um sich herum und genießt vor allem. Es hat uns gelehrt, jeden Tag in der ersten offenen Gaststätte zu halten. Die nächste gibt es vielleicht nicht, auch nicht für Dutzende Kilometer. Alle paar Stunden haben wir die Schuhe gründlich gelüftet, Pflicht auf so langen Wegen. Abends Unterkunft gesucht und ganz unspanisch mit den Hühnern ins Bett. So vergingen Tag um Tag, Kilometer zählten wir schon lange nicht mehr. Man fühlt Frieden in sich, wichtig ist nur der Moment, den man lebt. Unbezahlbar . Noch ein paar abschließende Worte… Camino Olvidado ist immer noch extrem unbekannt, da wir auf dem gesamten Weg nur zwei Peregrinos getroffen haben. Das ist zugleich sein Vorteil für die, die keine Massenwege mögen. Man braucht aber genügend Erfahrung für einsames Reisen und vielfältige Improvisationen. Unterkünfte sind teurer, um Ostern herum oft ausgebucht. Spanier feiern ja alle möglichen Feiertage schon eine Woche vorher und noch Tage danach. Wir haben das vom Camino Lebaniego erlebt, als wir wegen Feiertagen zwei Tage in Potes festsaßen. Diesmal waren wir besser vorbereitet. Camino Olvidado trifft auf seinem Weg auch mehrere andere Wege, nämlich Camino del Norte (KLIK), Camino Lebaniego (KLIK), Camino Vadiniense (KLIK), Camino del Salvador (KLIK) und Camino Frances (KLIK). Wie immer verging es zu schnell, daher sind wir am Ende auf einem weiteren tollen Weg weitergelaufen... Camino Invierno (KLIK). Ein kleiner Eindruck von der Reise auf dem Camino Olvidado folgt in der Fotostory. Wer weitere Infos braucht, kann sich gerne melden. Buen Camino .
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