| VanSims3. 07. 2013 20:08:40 |
BOSRUCK Sonntagmorgen (23.6. - direkt nach dem Ausflug zum Kamniten Lovec) fahre ich über die Tauernautobahn nach Radstadt und weiter auf der Straße Richtung Graz vorbei an Schladming und durch Liezen in die Ennstaler Alpen, die hauptsächlich im oberen Steiermark (Teil auch in Oberösterreich) liegen. Da ab Montag schlechtes Wetter angesagt war, breche ich gleich am ersten Tag trotz Radioankündigung von ''Gewittermöglichkeit'' zur Tour auf, die eigentlich der Hauptgrund meines Hierseins war. Es handelt sich um den Aufstieg auf den 1992 m hohen Bosruck bzw. die Gratüberschreitung von Arlingsattel bis Kitzstein über den sogenannten Wildfrauensteig. Warum ''wilde Weiber'', weiß ich nicht... Bosruck bildet den Grenzgrat zwischen Steiermark und Oberösterreich. Unter dem Berg verläuft die Pyhrnautobahn durch den Bosrucktunnel, die sehr laut ist und deren Röhren ich beim Aufstieg ''genossen'' habe.  Ca. 5-10 km hinter Liezen liegt das Dorf Ardning, wo man für den Einstieg den Beschilderungen ''Ardningalm'' bzw. ''Bosruck Südportal'' folgen muss (ein weiterer Einstieg ist von Norden aus Spital am Pyhrn auf Oberösterreichischer Seite, von wo man zur Bosruckhütte fährt - weiß aber nicht, wie man dort eine Rundtour macht). Zur Ardningalm führt noch eine gute Schotterstraße, wo ich unter der Hütte parke, dort sind auch Schilder. Ich folge dem Schild nach Bosruck bzw. Arlingsattel. Da ich nicht genau weiß wo oder es zwei Wege gibt, nehme ich den schlechter markierten an einer Hütte durch den Wald vorbei (für den direkten am Abzweig links oben die Forststraße). Rote Punkte sind etwas schwer zu folgen, dann führt auch dieser zur Forststraße, wo er sich mit dem ersten vereint. Ab da sind Markierungen normale österreichische ''Tafeln''. Der Weg steigt ziemlich steil über die Wiese zum Sattel hinauf. Vom Sattel sieht man auf der anderen Seite die Bosruckhütte, von dort ist es offensichtlich auch nicht weit. Ich überschreite den Weidezäune. Das Schild am Einstieg zum Grat erschreckt mich etwas, da es stellenweise Klettern bis III- ankündigt. Wo sie das herhaben weiß ich nicht, vielleicht bedeutet es Klettern ohne Halten an Seilen (nur Selbstsicherung) am Schlüssel schwersten Stelle am Anfang. Vielleicht steht es zweideutig, um Unerfahrene abzuschrecken. Noch das: Die Klettersteig ist auf vielen Portalen (auch z.B. auf dem sehr zuverlässigen bergsteigen.at) als A/B oder B bewertet. Ohne Anfangsteil stimmt das. Der pure Start ist etwas schwerer. Bis zu diesem Start vom Sattel weniger als eine Stunde Gehzeit, die u.a. an der ''Wildfrauenhöhle'' vorbeiführt. Hier bietet der Weg schon erste konkrete Blicke auf die Ennstaler Alpen. Am markantesten ist der benachbarte Grosser Pyhrgas, auf den angeblich trotz Spitze über die Normalroute nicht so schwer zu kommen ist (Wandern mit etwas leichterem Klettern 1. Grades - Einstieg Bosruckhütte). So gehend komme ich zum Einstieg in den Klettersteig. Der Anfang ist der schwerste. Bewertet mit B/C, manche Portale sogar C. Das Seil steigt steil fast senkrecht den Grat hinauf. Gut, dass der Fels ziemlich gut strukturiert ist, hier und da wird die ''Lockerheitsregel'' typisch für fremde Steige missachtet, so dass man es manchmal greifen kann. Ich wusste, dass dieser Teil schwer sein würde, aber er überrascht mich doch etwas. Nach ca. 5-10 Min. Klettern legt sich der Grat langsam ''ab'' (Schwierigkeit sagen wir nur noch gutes B) wird aber enger und exponierter. Ich treffe jemanden, der daran absteigt - ohne Sicherung. Auch er sagt mir, das sei der schwerste Teil, danach wird's leichter. Als er weg ist, noch gute fünf Minuten und - Schlimmstes ist vorbei!  Ab da ist der Weg sehr ''abwechslungsreich'', wie man dort sagt. Also Mischung aus Wandern, freiem Klettern, Steig... Schwierigkeit freies Klettern meiner Meinung nach stellenweise max. II, lieber II-, sonst immer im I-Bereich, Steigteile nach dem Schwersten überschreiten kein B. Aber Grat wie Grat exponiert, stellenweise tief in Abgründe schauen,... Erfordert also Fehlen jeglicher Höhenangst und sicheren Tritt! Nach ca. einer Stunde vom Schwersten erreiche ich das erste ''Kreuz'' - Gipfel Frauenmauer. Das Kreuz steht hier zur Erinnerung an einen verunglückten Bergsteiger und entlang des Wegs treffe ich mehrere Gedenktafeln. Zur Warnung und Mahnung. Von hier sieht man schon das Kreuz des Hauptgipfels - Bosruck! Ich gehe weiter. Der Weg geht wie auf einem Grat rauf und runter und eigentlich ist am meisten freies Klettern. Im Endanstieg ist der Weg schlechter markiert bzw. Markierungen fast verblasst und man muss aufpassen, nicht falsch einzusteigen. Daher muss man selbst optimale Übergänge suchen, was mir momentan nicht immer gelang. Na, endlich komme ich zum Punkt, wo zum zweiten Kreuz i.d. Hauptgipfel Bosruck nur noch ca. 10 Min. Gehens sind. Erreicht! Vom Gipfel eigentlich gute Aussicht, na Wolken haben sich etwas gesammelt, Nebelschwaden jagen etwas,... Tatsächlich sah ich beim Klettern fast immer den Gipfel im Nebel und er lichtete sich erst jetzt. Glück, sonst hätte ich mit mangelnden Markierungen oben noch mehr Orientierungsprobleme gehabt. Vom Gipfel sieht man den Großteil der Ennstaler Alpen, inkl. Hochtor (höchster Gipfel, auf dem ich leider nicht stand). Zu Dachstein zu bewölkt, Hohe Tauern sichtbar aber zu neblig zum Erkennen. Eine Bergsteigerin, die etwas später ankam, erklärt mir benachbarte Gipfel. Nach ca. halber Stunde Pause und Brotzeit gehe ich weiter. Ab hier zum Kitzstein (letztem ''Kreuz'') noch exponiert aber technisch viel leichter (das ist also der zweite leichtere Anstieg von Ardningalm für die, die den Steig vermeiden wollen). Noch zwei Seile, etwas freies Klettern sonst Gehen. So komme ich zum Kitzstein, drittes Kreuz. Von dort zweigt der Weg zurück zur Ardningalm ab (weiter über Grat zum Pyhrnpass). Der Abstieg zur Ardningalm im oberen Teil bis zur Forststraße teuflisch steil und steinig und Stöcke helfen sehr. Der markierte Weg nach Anschluss an Straße über Wiesen aber leider verliere ich Markierungen und muss die Straße zur Hütte schleppen. Dort beim Bier sagt die Hüttnerin, kein Platz mehr zum Übernachten und schickt mich in eine Privatpension in Ardning, wo ich dann übernachte. Nachts gießt es und kühlt ab und das war der Beginn schlechten Wetters, das mir in den nächsten Tagen einige Pläne kreuzte. Aber die ''Highlight''-Tour meines Aufenthalts ist voll geglückt! 
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