| bagi23. 09. 2020 13:42:41 |
Am letzten Tag unseres diesjährigen Urlaubs in den Dolomiten haben wir wegen der Heimfahrt einen kürzeren, aber äußerst interessanten Weg entlang der Spuren des Ersten Weltkriegs oberhalb des Falzarego-Passes gewählt. Solche Dinge begeistern mich immer wieder, daher ist meine Bewertung dieses Weges ... kurz und süß . Geeignet fast für jeden, besonders bei Zeitmangel für Längeres oder bei schlechter Wettervorhersage. Etwas Geschichte ... Der Falzarego-Pass war in WW1 die Frontlinie, wo Kämpfe zwischen Österreichern, Verteidigern des Passes, und Italienern stattfanden, die nach Tirol durchbrechen wollten. Da die Österreicher auf dem Gipfel Piccolo Lagazuo und dem benachbarten Sasso di Stria parkten, wischten sie den Gegner leicht wie Fliegen weg. Die erbitterten Kämpfe dauerten volle 3 Jahre. Die Österreicher versorgten sich über den Rückweg Kaiserjäger, den der 4. Infanterieregiment baute und ausrüstete. Der Wert dieses Weges war so groß, dass der Kaiser dem Regiment als einzigem in der gesamten k.u.k Armee seinen Titel verlieh ... Kaiserjäger. Über diesen Weg lieferten sie täglich ca. 70 kg verschiedene Ausrüstung pro Soldat an die Stellungen, und es waren viele. Die Italiener saßen natürlich nicht untätig. Um den strategischen Berg Piccolo Lagazuo zu erobern, gruben sie sechs Monate eifrig Tunnel in die Südwand. In ihren Eingeweiden höhlten sie einen unglaublichen Spiralstollen 1 km lang mit fast 500 m Höhenunterschied aus. Daneben bauten sie die kühne, in Fels geklammerte Position Cengia Martini. Das gesamte Tunnelsystem ist eines der längsten im gesamten Ersten Weltkrieg. Den Spiralstollen gruben die Italiener direkt unter der österreichischen Basis auf dem Vorgipfel Anticima (2668 m). Die Basis sprengten sie im Juni 1917 mit 33 Tonnen Sprengstoff. Taktik, auch von unserer Batognica bekannt. Der große Knall zerstörte den Posten, verschickte die damalige Besatzung in die Wolken, brachte aber keine Eroberung des Hauptgipfels. Im November 1917 zogen sich die Italiener wegen Niederlagen an anderen Fronten strategisch auch aus diesem Gebiet zurück, und die sinnlosen Kämpfe hier endeten. Wie wir gingen ... Zum Gipfel Piccolo Lagazuo stiegen wir über den mustergültig gepflegten Kaiserjäger-Weg mit Markierung M3 auf. Schwierigkeiten nirgends zu groß, vielleicht am lästigsten die Masse *Wanderer*, der man mit frühem Start ausweichen kann. Die meisten sind Italiener und Sonne plus gutes Frühstück bringen sie auf die Beine. Oben herrliche Ausblicke ringsum und etwas Grübeln, wo wir schon waren, wo noch nicht und was kommt, entging uns natürlich nicht . Es folgte Abstieg zur schönen und gepflegten Hütte Rifugio Lagazuoi. Rundherum sogar breite Plattformen für Rollstuhlinvalide, genau für sie richteten sie eine echte *Autobahn* zum genannten Gipfel ein. Lobenswert extrem, für uns völlig neu. Abgestiegen natürlich über die genannten Lagazuoi-Tunnel. Start direkt unter der Gondelstation und eine Weile offen durch Schützengräben. Beim Eintritt in den Stollen geht's richtig los. Ohne Helm und Lampe gar nicht, Kletterhandschuhe empfehlenswert. Länge und Steilheit der Stollen überraschten uns beide, obwohl wir schon einige ähnliche gemacht haben. Sicherheit top, Drahtseile und Holztreppen von Anfang bis Ende ... Tourismus eben. Am Ausgang noch attraktive Details, dann beruhigt sich der Weg und führt sanft zum Ausgang am Falzarego-Pass. Fazit ... Weg jeden Moment wert . Auch umgekehrt voll geeignet. Gesamtlänge 6 km, alle Höhenmeter ca. 700 m. Wo starten ... Auf dem höchsten Parkplatz am Passo Falzarego ... 46.519501, 12.008644
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