| suhy17. 10. 2022 23:03:29 |
Da die Bergwanderkumpanei, mit der wir in alten Zeiten in den Bergen rumgelaufen sind, nicht auf die freundliche sonntägliche Einladung reagiert hat, die Gruppe den Grat zwischen Vrata und Kot anzugreifen und die Promenade über Črna gora, Požar und RM auf der aussichtsreichen PM zu finalisieren, hab ich die Tour im Solo-Stil etwas wagemutiger geplant. Ja, sag ich mir klug, stehend beim Auto im Lengarjevem Rovt, Aufstieg aus Kot entlang dem berühmten, aber wie sich später auf dem Gelände herausstellte, fast imaginären PP-Weg (Planica - Pokljuka) durch die Südost-Wand der Požgana Mlinarica wird genau der richtige Challenge für einen Mann sein, der nicht in verbrannter Suppe geschwommen ist. Gesagt und mit Haufen Mühe kaum geschafft. Schon der Anfang, als der PP-Ableger von der markierten Jakijeva-Steige gefunden werden musste (nach PZS-Karte (https://mapzs.pzs.si/home/trails) sollte das bei Koordinaten N 46.399235, E 13.883354 und Höhe 1478 m passieren), endete äußerst kläglich in undurchdringlichem Schuttgebüsch. Der Ableger ist sicher nicht richtig eingezeichnet auf der Karte, denn nach Domens Beschreibung (https://jestov.wordpress.com/2010/06/23/pozgana-mlinarica/) sollte er gut markiert sein, davon führt ein leicht nachverfolgbarer Steiglein durch spärlichen Wald zu Schutt am Beginn der Bänder. Dieser spärlichen Wald, wenn man den Augen mit +3 Dioptrien traut, ist vom unglücklichen Ableger ziemlich höher. Nach hartnäckigem Durchkämmen des zugewachsenen Geländes gelingt es mir endlich, einen Ziegenpfad zu finden, der sicher nicht PP ist, da er mehrmals ziemlich tief absteigt und dann hochsteigt, aber die vierbeinigen Hausgenossen haben ihn so gut ausgetreten, dass ihn auch der zweibeinige Bergwandern-Immigrant problemlos schafft. Ziegen-Autobahn, die anfangs nicht verspricht, den Berggänger zum Ziel zu bringen, endet glücklicherweise im unteren Schuttteil unter den Bändern bzw. Wand der Požgana Mlinarica. Und nach so verlorener Stunde Herumirren in V Gubah kann endlich die Orientierungs-Roulette im vertikalen Labyrinth aus Bändern, Kaminen, Gräben und überhängenden Schuttfeldern starten. Muss zugeben, dass ich auf dem ganzen Weg vom Einstieg ins erste Band bis zum Gipfel drei Fragmente von Steinmännchen und zwei rötlich verblasste Picke gesehen hab, was mich wenigstens ein bisschen beruhigt hat, dass ich vielleicht auf dem richtigen PP bin. Alles deutet darauf hin, dass sich auf diesem Weg nicht viele Abenteurer zurechtfinden. Die Suche nach der richtigen Richtung basierte auf Mix aus reichen Erfahrungen, mehr oder weniger zuverlässigen Gefühlen, Steigspuren-Forensik, intensiver Nutzung von Navi-Elektronik, Versuchen und Fehlern, tiefgehender Untersuchung von Resten menschlicher Aktivität (zugeschnittenes Gezweig, Gesteinabrieb, Gummisohlen-Spuren, weggeworfener Müll, Stoffwechselprodukte usw.), mehrmaligem Durchlesen von Domens Bericht, Vergleich des gelaufenen Wegs wie Garmin ihn in der Wand zeichnen konnte mit dem PP-Weg auf PZS-Karte und letztlich auch Glück. Und nach drei Stunden vertikalem Herumwinden, wo nie sicher war, ob hinter dem nächsten Felseneck der Weg weitergeht, war ich oben mit himmlisch gezuckerten Herbstlandschaften belohnt. Nach Gratkamerasession, wo man bei all dem schwarz-schönen Zeitgefühl verliert, folgt im Dämmerlicht nur noch Rückkehr auf klassischem Jägerpfad zum Lengarjev Rovt im Kot. Kurzum, starkes Erlebnis.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
| (+12) |  | |
|
|