Vorvorigem Tag bin ich direkt vom Fuße zum Gipfel aufgebrochen, also von Malga Ciapele in ca. 1440 m Höhe, wie es der Königin der Dolomiten gebührt. Mit Skiern (an einer Stelle auch mit Fellen) bin ich bis Passo Fedaia (2057 m) und am See zuerst auf der Sträßchen, dann auf der Spur durch das Geröll bergauf (hier und da mit roten Punkten oder Strichen markiert). Die Spur durch das Geröll war wegen zu wenig Schnee im unteren Teil ziemlich fies, wegen Niederschlägen vor zwei Tagen auch vereist, die Skier sind ausgerutscht. Ca. 150 m über dem See besserte sich das Gelände, ich machte eine kurze Pause am rif. Pian dela Fiacconi 2626 m. Dort endet die Bahn von der Westseite Fedaias, die statt Sitze interessante Stehplätze in Käfigform hat.
Von da weiter immer noch auf Skiern über den Gletscher bis ca. 3150 m, wo ich die Skier ablegte. Im Sommer beginnt hier eine gut ausgestattete Via ferrata, die über eine steile Felsenstufe zum Nordgrat führt, jetzt aber fast komplett verschneit. Für dolomitische Verhältnisse bescheidene 100 m Höhe waren teuflisch steil (meine Schätzung 50° oder mehr), der Grat zum Gipfel glücklicherweise viel einfacher, breit und ziemlich flach.
Auf dem Gipfel (Punta Penia, 3343 m) war ich allein, Himmel überall wolkenlos, kein Lüftchen, großartige Ausblicke.
Zurück auf derselben Route, der Blick vom Grat zum Gletscher den Hang hinunter, wo im Sommer die Ferrata ist, war ganz gruselig. Schnee komplett windkrustig, darunter Eis und hier und da Fels, deswegen sehr vorsichtig abgestiegen. Drahtseile guckten aus dem Schnee nur an zwei oder drei Stellen je ein bis zwei Meter raus. Zwei Eispickel und Steigeisen waren mir sehr nützlich.
Die Abfahrt der ersten 600 Höhenmeter war pure Pulverfreude (ca. 20 cm, gefallener und angeweht in diese Windschutzhaltung). Die nächsten 600 m runter vom Pian dela Fiacconi etwas schlechter, vor allem ragten wegen der diesjährig miserablen Schneebedeckung Felsspitzen aus dem Schnee. Scheinbar klein, schlecht sichtbar aber sehr gefährliche Steine mit festem Grund können dich beim Skifahren stoppen, drehen, umkippen... Über die Buckelpiste im Skigebiet die letzten 600 m runter von Passo Fedaia lohnt kein Wort.
GPS-Höhenmesser zeigte (wegen kleinerer Zwischenspuren auf und ab) 1970 m Aufstieg bzw. Abfahrt und 24 km Strecke. Bei traumhaftem Wetter und wundervollen Dolomiten war das ein Tag, den man nie vergisst!