Ich knalle die Autotür zu und steige schon auf den Weg, der sich sofort aufstellt und ein interessantes Abenteuer verspricht. Bald öffnet sich der Blick auf die blendend funkelnden V Karnische und Z Julische Alpen. Nach weniger als einer Stunde vom Ausgangspunkt befinde ich mich auf dem ersten Gipfel, Monte Cuar (1478 m), über dem ruhig ein weißköpfiger Jastrab kreist. Ich fahre bergab und dann bergauf bis Cuel dai Poz (1377 m) und weiter zum Monte Flagjel (1467 m). Offiziell endet hier der markierte Weg, was bedeutet, dass das Abenteuer beginnen sollte. Vom Kreuz in Sprüngen von Fels zu Fels erreiche ich den Grat und starre ungläubig auf einen, auf dem etwas Gestreiftes zu sehen ist. Markierungen! Das hatte ich nicht geplant. Die alten Markierungen sind gut nachverfolgbar, aber die Zeit hat den Pfad verwischt. Bald gesellen sich Gelbe zu den Weiß-Roten. Der Grat ist so steil, dass ich mir Steigeisen wünsche. Links kann ich nicht, weil unter dem Grat steile Wiesen mit zahlreichen Rinnen sind, rechts durch den Wald auch nicht, da es nicht weniger steil ist, nur mehr Laub und noch rutschiger. Also bleibe ich, wo ich bin, und folge dem markierten 'contradictio in terminis' Weglosen. Ganz unbemerkt kreuze ich Cimo dai Laris (1315 m), immer noch balancierend auf dem anspruchsvollen und rutschigen Untergrund, bis ich zur Wand komme. Links bergab durch die Rinne sieht man keine Fortsetzung, rechts darf ich nicht, da ich auf die Nordseite des Berges käme, gerade hoch geht nicht und so entscheide ich mich trotz Verschwinden der Markierungen, unter der Wand weiterzugehen, wo plötzlich nicht nur ein Bach erscheint, sondern ein sehr gut sichtbarer Weg. Obwohl er wie eine ziemlich frequentierte Hauptstraße wirkt, ist es wohl Tierarbeit, da er nach etwa zwei Minuten verschwindet. Sicher hätte ich mich dem bröckeligen erdigen Schuttklettern gestellt, aber der Gedanke an den kurzen Tag hat mich abgeschreckt. Ich kehre um, steige etwa 30 Höhenmeter auf die Rippe und prüfe, wie der Wald dort ist, wohin ich vor wenigen Augenblicken nicht wollte, also auf der Nordseite. Er scheint 'genüsslich', zeigt aber schnell sein wahres Gesicht. Das Queren etwa auf der Höhenlinie ist anstrengend, Boden weich und Laub trocken, dass ich mich fortwährend wie ein tanzender Clown fühle, bis ich endgültig das Gleichgewicht verliere und wie auf einer Rutsche bergab rutsche. Es gelingt mir, den fauligen Stumpfrest anzusteuern, der senkrecht aus dem Boden ragt, und schon schüttle ich Laub, Dreck, vielleicht auch eine eingefrorene Zecke ab. Ich fahre etwa auf der Höhenlinie fort und erreiche serpentinartig die weiße Straße, die nach Malga Cuar führt, von wo ich auf Weg CAI 815 zum Ausgangspunkt zurückkehre.