| suhy28. 10. 2024 23:59:14 |
Der Verbrecher kehrt zum Tatort zurück. Nun, kein echter Verbrecher, um präzise zu sein, er ist nur ein passionierter Berggänger, der sich wieder sehnsüchtig die Požgana Mlinarica gewünscht hat. Genau wie vor drei Jahren und fast am selben Tag. Ja, er liebt diese einsamen, abgelegenen und wilden Winkel über alles. Und da diese Winkel nach dem 4. November, wenn laut verlässlichen Gerüchten aus den Kneipen und anderen offiziellen Quellen auf Befehl der Bürgermeisterin von Kranjska Gora eine gebührenpflichtige Schranke am Eingang zu den Vrata in Betrieb gehen soll, für normale Sterbliche viel weniger zugänglich werden, grübelt der Mann, der bis ins Mark von Volksweisheit durchdrungen ist, nicht lange über sein Tun nach. Er weiß nämlich: Verpasste Gelegenheit kommt nie wieder, und besser Spatz in der Hand als Taube aufs Dach, und außerdem: Schieb nicht auf den 4. November, was du eine Woche vorher erledigen kannst. Und so plant er in diesem frühen Morgen, sein Velo zur Turkov rov zu fahren, von wo aus Winter-Skitourengeher bergauf zum Cmír starten, und es dort am Wegweiser anzuketten. Der Mann beabsichtigt eine Rundtour, die nach Bergsteigerlogik nicht alltäglich ist, sondern ziemlich besonders, denn es wird teils zu Fuß, teils mit pedaliert werden. Etwa so, nur ein bisschen weniger hektisch als unsere Helden Pogi und Rogla, die mit Freude, Lust und Siegesrausch die Herzen des Volkes südlich der Alpen füllen. Dann fährt der Mann mit dem Auto zurück nach Mojstrana und Richtung Radovna zum Abzweig Kot, von wo er zu Fuß die Steilheit zur Črna gora angeht. Die eingestürzte Hütte bei ca. 1200 m, wegen der von der Spur nichts übrig ist, stört den in Weglosem gestählten Mann nicht viel. Wissend, dass alle Wege nach Rom führen, und von der Ewigen Stadt nicht weit zu heimischen Wiesen, und dass das alles nur gewöhnlicher Katzenhusten ist, blickt er in alle sieben Himmelsrichtungen und bricht rechts an der traurigen Holzr ruinierenden Szene vorbei fast senkrecht zum Biwak durch wie im Scherz. Dort die Überraschung. Fest überzeugt, am heutigen Arbeit-Montag in seliger Einsamkeit und Stille den ganzen Grat solo bis Požgana Mlinarica und talabwärts zum angeketteten Velo zu laufen, überrascht ihn – na so was, verdammt, wo kommt der her – ein Bergsteiger, der wohl dasselbe dachte. Wie es unter Berggängern schöne Sitte ist, Wort auf Wort, und aus der Wortflut erraten die Männer schnell, dass sie ganz ähnliche Absichten haben. Darum regen sie sich und marschieren gemeinsam in dieselbe Richtung. Zumal der eine Roman heißt, der andere Miha. Da beide unabhängig vom Namen offene Köpfe haben, dazu noch schwatzhafte Naturen und die Zungen nicht schonen, auf dem Weg über Črna gora, Predelov vrh, Lengarjeva glava, Požar und über Rušnata Mlinarica zur Požgana, wie es sich für echte Kerle gehört und nur sie es draufhaben, diskutieren sie mannhaft über alles für Leben und Dasein allgemeinnützlich Wichtige. Für leeres Geschwätz, beliebtes Futter dort, wo Federn und Schnäbel sich tummeln, interessiert sie herzlich wenig. Der Gratweg ist lang wie eine Frühlingsnatter, hier und da braucht's ein bisschen Klettergeschick am Fels, damit der Bergsteiger nicht versehentlich ins traurige Verderben kullert, doch in so angenehmer Gesellschaft ging der Weg schnell vorbei. Obwohl die Männer anfangs von der Požgana Mlinarica jeweils ihren eigenen Abstieg planten, einigten sie sich am Ende auf denselben (Planica – Pokljuka) ins Vrata. Nach anderthalb Stunden erreichen sie die Straße, wo das Velo auf einen wartet, der andere muss leider noch nach Mojstrana laufen. Bevor sie auseinandergehen, reichen sie sich die Hände und verabschieden sich. Miha schwingt sich aufs Velo und nach gut halb Stunde am Auto pinnelt er die Wurst, die sich zu 21 km Länge und stolzen 1587 m Höhenmeter aufgehäuft hat. 
| (+14) |  | |
|
|