5.7.2020: Sulzkogel (3016 m), Kraspesspitze (2954 m), (Finstertal) Schartenkopf (2855 m)
Diesmal bin ich auf meinen ersten Dreitausender in den Stubaier Alpen bzw. Umgebung Innsbrucks, den leicht und schnell erreichbaren Sulzkogel gestiegen. Ausgangspunkt für den Anstieg ist die hochgelegene Touristenansiedlung Kühtai (2020 m), von wo aus wir zum Gipfel nur 1000 Höhenmeter relativ bequemen Aufstiegs haben. Der Weg ist nirgends anspruchsvoll oder exponiert, sodass der Gipfel eine vorzügliche Wahl für den ersten Aufstieg über 3000 m ist: wegen der Wintersportnutzung ist die Straße nach Kühtai tadellos, komfortabel, und von Innsbruck braucht man weniger als eine Stunde Fahrt; der Weg ist technisch einfach - bei trockenen Bedingungen steiler Spaziergang, Länge nur ca. 3h30m, der Gipfel ist aber dementsprechend stark besucht. Wenn ihr also in diesen Gegenden seid, bietet Sulzkogel eine bequeme Perspektive für den ersten 3er, meiner Meinung nach bequemer als die bekannten leichten Dreitausender in den Hohen Tauern (Säuleck, Ankogel u.a.)
Diesmal waren die Verhältnisse noch größtenteils frühlingshaft und der Großteil des Anstiegs ab der Abzweigung am Ende der Traverse am Rand des Stausees Finstertal, das momentan in ziemlich elendem Zustand ist - obwohl Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen auf diesem Weg keinesfalls fehlte! - verlief auf ziemlich tiefem Schnee. Trotzdem habe ich die Winterausrüstung, die ich vorsichtshalber mitgenommen hatte, nicht benutzt, genau wie die Legion anderer Wanderer, die stellenweise in Kolonnen zum Panoramagipfel marschierten bei wirklich wunderbarem Wetter. Der letzte Anstiegsabschnitt führt über breitem Grat, der im Gegensatz zum Rest des Wegs trocken war, der Gipfel ist ausreichend geräumig, um trotz zahlreicher Besucher etwas Platz für sich zu finden; ziemlich exponierte Lage verspricht reichen Rundblick in alle Richtungen.
Bis zur Abzweigung in ca. 2400 m war ich im Nu über wirklich tollen Pulverschnee, und da der adrette Dreitausender definitiv nicht genug war, bin ich weiter zur Finstertaler Scharte und zum Beinahtristausender Kraspesspitze. Im Kessel unter dem Sattel öffneten sich schöne, meist noch völlig verschneite Flächen, Herrscher ist die Ruhe (im gesamten Nachmittag seit Rückkehr vom belagerten Sulzkogel nur vier Wanderer getroffen), obwohl der Weg gut ausgetreten war - daher brauchte ich auch keine Winterausrüstung. Der verschneite Übergang vor dem Sattel teilweise anspruchsvoll, vom Sattel eröffnet sich schöner Blick zur Kraspesspitze und stellenweise scharfem Grat dahin - trotz Verheißungen umgeht der markierte Weg den Grat meist auf südlicher Seite, einige Schneepassagen erforderten aber ziemliche Konzentration und Überlegung. In gutem halben Stunde vom Sattel stand ich auf Kraspesspitze, wo Ruhe, Stille und wunderbare Ausblicke zu den Riesen der Ötztaler Alpen, Sellrainer Bergen und nach Kühtai herrschten. Nach Rückkehr zum Sattel bin ich schnell und relativ unkompliziert über den Grat zum nahen Schartenkopf gekraxelt (I+, wenn sehr wählerisch und nicht den Markierungen folgend, auch mit etwas Kletterei).
Der anfangs kurze Aufstieg verlängerte sich so zu einer ganztägigen Schneetour, das Wetter war trotz Nachmittagsbewölkung fast optimal. Sehr empfehlenswerte Tour für jeden, der relativ adrett höher als der Triglav aufsteigen will.