Endlich kam die Zeit für eine der Großtouren des Jahres und am Donnerstag sind mein Kollege, ebenfalls Portalnutzer, und ich Richtung höchstem Berg Nordtirols aufgebrochen.
Aufgrund Stress im Job hab ich nachts kein Auge zugemacht, wollte den vereinbarten Aufstieg aber nicht verschieben, daher bin ich nachts von Innsbruck nach Sölden aufgebrochen, von wo wir nach Vent gefahren sind. Im nebligen und kalten Morgen sind wir schnell zum Breslauer Hütte hochgestiegen, wo wir schon die erste Gruppe trafen, die wegen ungünstiger Bedingungen umkehrte; es gab noch ein paar solche. Nach langem Aufstieg durch die unangenehm überfüllte Tal zwischen Brochkogel und Wildspitze kamen wir bei dichter Nebel zum Ende der Schneezunge, wo wir den Einstieg in die Ferrata finden sollten, stießen aber auf Gruppen, die suchend umherirrten auf dem vereisten Gelände. Nach anspruchsvollem Aufstieg auf der vereisten Flanke, zusätzlich behindert durch meine Probleme mit Steigeisen an den (sonst hervorragenden) neuen Schuhen, stiegen wir zum Klettersteig auf und problemlos zum Mitterkarjoch (3470 m).
Schon beim Klettern der nicht besonders anspruchsvollen Ferrata klärte es sich, in der Scharte fing es an zu braten, Ausblicke wurden ausgezeichnet. Wegen unerwarteter Verzögerungen starteten wir relativ spät über den Gletscher, wo Hitze, Höhe und Erschöpfung durch schlaflose Nacht viel mehr Einsatz als erwartet verlangten. Das Überqueren des Gletschers ist an sich nicht besonders schwierig, es gibt relativ wenige Gletscherlöcher und die sind ziemlich offensichtlich.
Unter dem felsigen Gipfelgrat Wildspitze haben wir uns entseilt; der Aufstieg zum Gipfel außer dem Sprung direkt darunter ist nicht besonders technisch anspruchsvoll, aber Umstände und schwerer Rucksack haben gewirkt und mit beachtlichem Aufwand hab ich den lang ersehnten Ziel erreicht.
Ausblicke vom Gipfel unglaublich, der vergangene Regen hatte den Himmel reingewaschen, sodass der Aufenthalt oben verdientermaßen lang war.
Ursprünglicher Plan war Rückkehr über den Nordscheitel von Wildspitze auf alternativer Route über Rofenkar-Gletscher, aber wegen ungünstiger Abendprognose (glücklicherweise falsch), später Stunde und Steigeisenproblemen haben wir nicht gewagt und schnell über Gletscher, Ferrata und jetzt viel leichter weichgewordene Schneeflanke zur Hütte abgestiegen, wo wir abends ankamen. Dort gab's riesige Portionen, die die Stimmung hoben, dann zurück nach Vent im Dunkeln. An dem Tag hatte ich keine Kraft mehr als zum Schlafen im Auto.
Als Eintagestour ist der Aufstieg zum Wildspitze, zweithöchstem Berg Österreichs, ein harter Brocken. Technisch nicht übermäßig schwer, aber langer und abwechslungsreicher Weg mit fast 2000 m Höhenunterschied; diesmal erschwert durch subjektive und objektive Umstände (Wetter von morgendlichem Frost, Eis und Nebel bis nachmittäglicher starker Hitze, Steigeisenprobleme, durch die ich viel Energie verloren hab, und Schlafmangel). Das alles hat den Erfolg noch mehr bereichert und die prächtigen Ausblicke vom Gipfel, die nur durch Erdkrümmung begrenzt sind, haben den Einsatz belohnt.
Wundervolle Tour in guter Gesellschaft in wirklich schöner Umgebung inmitten weiten Gletschern der Ötztaler Alpen.