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Neuigkeiten / Aleš Česen auf einem noch unbestiegenen Sechstausender im Karakorum

Aleš Česen auf einem noch unbestiegenen Sechstausender im Karakorum

20.08.2025
Der slowenische Spitzenalpinist Aleš Česen hat Ende Juli in Seilschaft mit dem österreichischen Kletterpartner Lukas Wörle die Erstbesteigung des bisher noch unbestiegenen Berges Cherireen Sar (6224 m) im Karakorum durchgeführt. Sie erreichten den Gipfel am 29. Juli nach der Erkletterung einer 2400 Meter langen Erstbegehungsroute Chicken Hunt oder Hühnerjagd auf der Westseite des Berges über dem selten besuchten Khurdopin-Gletscher in Pakistan. Gerade wegen der Abgelegenheit bewertet der Empfänger zweier Goldener Eispickel diese alpinistische Expedition als einen vollständigen Ausflug ins Unbekannte und betont, dass das Wesen des Alpinismus Abenteuer ist. Die größte Herausforderung der Expedition nach Pakistan war nach seinen Worten, eine akzeptable sichere Route zu finden und ein kurzes Wetterfenster zu erwischen.

Weniger als ein Jahr nachdem er mit dem britischen Alpinisten Tom Livingstone eine Erstbegehungsroute entlang des Westgrats auf den Gasherbrum III (7952 m) geklettert hatte, kehrte einer der erfolgreichsten slowenischen Alpinisten Aleš Česen (Alpiner Bergsteigerclub) erneut in den Karakorum zurück. In Seilschaft mit dem Österreicher Lukas Wörle entschieden sie sich diesmal für ein viel weniger bekanntes Gebiet südöstlich von Shimshal. Es gelang ihnen die Erstbesteigung des Berges Cherireen Sar (6224 m) über dem selten besuchten Khurdopin-Gletscher, und zwar auf der Westseite des Berges, wo sie eine 2400 Meter lange Route Chicken Hunt oder Hühnerjagd kletterten, die sie mit D auf der französischen Skala bewerteten. "Als wir das Basislager erreichten, vermissten wir frisches Hühnerfleisch. Auf einer Akklimatisationstour mit Lukas im Lagergebiet bemerkten wir etliche Bergküken und so versuchten wir mehr im Scherz als im Ernst, etwas frisches Fleisch zu fangen. Ich denke, ich muss nicht erklären, dass die Jagd ziemlich weit vom Erfolg entfernt war," erklärt Česen lachend, wie sie den Namen der Erstbegehungsroute erdachten.

Ihr ursprünglicher Plan war es, den höchsten Berg über dem Khurdopin Sar-Tal (6310 m) zu besteigen, aber sie gaben die Idee wegen gefährlicher Bedingungen sowohl im unteren Teil des Berges als auch großer Schneewächten im oberen Teil schnell auf. Sie konzentrierten sich auf das Ersatzziel - ebenfalls noch unbestiegenen Berg Cherireen Sar, auf dessen Gipfel sie am 29. Juli 2025 standen. "Nach der Akklimatisation bis 5000 Meter drehte sich das Wetter und es regnete fast jeden Tag. Nach einer Woche starteten wir am 27. Juli bei fantastischer Wettervorhersage vom Basislager zum Westgrat des Cherireen Sar. Nach weniger als zwei Stunden Gehen brachte der Wind aus dem Süden Niederschläge. Nach etwas Warten im Windschatten eines Findlings entschieden wir uns abzusteigen, ließen aber den Großteil der Ausrüstung in den Felsen auf etwa 4700 Metern. Uns blieb nichts anderes übrig, als am nächsten Tag dasselbe zu versuchen, obwohl es morgens im Basislager noch regnete. Diesmal hielt das Wetter einigermaßen und bei gelegentlichem leichten Regen bivakierten wir zwischen Findlingen auf dem Grat auf knapp 5000 Metern. Um halb drei Uhr morgens starteten wir in eine bewölkte Nacht. Bei Sonnenaufgang auf etwa 5400 Metern erwischte uns ein kleiner Schneesturm. Unser Optimismus zahlte sich etwa eine Stunde später aus, als es aufzuklaren begann und das Wetter für den gesamten restlichen Aufstieg fantastisch blieb. Wir kletterten delikates felsiges Gelände mit geringeren technischen Schwierigkeiten (bis IV) bis auf etwa 5500 Meter. Oberhalb dieser Höhe erreichten wir Schnee und Eis und die Kletterbedingungen waren mehr oder weniger ideal. Im Schnee kletterten wir Steilhänge bis 80 Grad. Obwohl das Klettern im alpinen Sinne nicht sehr anspruchsvoll war, war vor allem beim Abklettern vollständige Konzentration nötig, da die eisigen Westflanken keinen Fehler erlaubten," beschreibt Aleš Česen den Aufstieg.

Nach den Worten des Empfängers zweier Goldener Eispickel und des erfolgreichsten slowenischen Alpinisten in den Jahren 2017, 2018 und 2024 war die größte Herausforderung dieser Expedition, eine akzeptable sichere Route zu finden und ein kurzes Wetterfenster zu erwischen: "Obwohl wir regelmäßig professionelle Wettervorhersagen erhielten, waren sie völlig unbrauchbar, weil das Wetter auf seine Weise Wolken und Niederschläge formte. Ähnliche Probleme hatten auch Expeditionen im guten hundert Kilometer entfernten Baltoro. Wir hatten das Glück, dass der Berg 'nur' gute 6000 Meter hoch war und wir uns Versuche hintereinander leisten konnten und auch nur ein Tag gutes Wetter reichte, was man sich auf Gipfeln über 7000 Metern nicht leisten kann."

Die slowenisch-österreichische Seilschaft begab sich bewusst in ein sehr (alpinistisch) unerforschtes Gebiet. Informationen über die dortigen Berge hatten sie sehr wenige. "Die meisten haben wir von Satellitenbildern erhalten, und als wir diese Gruppe während des dreitägigen Zustiegs zum ersten Mal sahen, konnten wir nicht einmal eindeutig identifizieren, welcher Gipfel welcher war. Das war auch der Hauptgrund und die Motivation, warum wir dorthin gingen. Ein vollständiger Ausflug ins Unbekannte," erklärt der Alpinist aus Gorenjska, der angibt, dass nach Informationen der Einheimischen über dem Khurdopin-Gletscher bisher nur ein niedrigerer Gipfel am Anfang dieser Kette bestiegen wurde, alles andere war (noch) unberührt. Wie fühlt es sich an, irgendwo zu klettern, wo wirklich noch niemand war? "Ausgezeichnet. Das Wesen des Alpinismus ist Abenteuer. Und obwohl man immer noch nie wirklich weiß, was genau einen der nächste Meter erwartet, gibt es immer mehr Informationen über verschiedene Berge und diese sind heutzutage immer leichter zugänglich. Es finden sich jedoch noch unerforschte Gebiete, von wo es unmöglich ist, im Voraus nützliches Bildmaterial zu bekommen. Und öfter sollten wir auch zu solchen Zielen gehen. Wo man nicht gut weiß, was man finden wird. Wir wussten nicht einmal, wo wir das Basislager aufstellen würden.

Der Abgelegenheit entsprechend war auch ihre Verbindung zur Welt, ähnlich wie in allen entlegeneren Orten, wie Česen sagt: "Es gibt keine, außer unpraktischen Satellitenverbindungen, obwohl sich das vor allem mit Starlink drastisch ändert, das in Pakistan noch nicht verfügbar ist. Auch die Möglichkeiten zur Rückkehr, außer natürlich über den umgekehrten Weg wie man zum Berg zugang, sind sehr begrenzt. Es gibt zwar seltene Hubschrauberrettungen in den unteren Teilen jener Berge, aber im Vergleich zum System, das wir in den Alpen haben, ist das lächerlich. Wenn wir bei uns die Reaktionszeit des Hubschraubers in Minuten zählen, zählen sich dort im besten Fall Tage. Also kann man auf Hilfe von außen keinesfalls rechnen, obwohl wir immer alle notwendigen Versicherungen für Rettung bezahlt haben."

Weil der 43-jährige Kranjer Anfang April seinen Knöchel brach, stand die diesjährige Expedition in den Karakorum - geplant für Mai - unter einem großen Fragezeichen, aber er führte sie mit zweimonatiger Verzögerung erfolgreich durch. Nach zwei Monaten auf der Couch und Krücken machten er mit dem Physiotherapeuten Primož Hostnik genug Fortschritte, dass er ihm Mitte Juli grünes Licht für die Abreise zur Expedition gab. Obwohl es enormes Gelände gab, das einer solchen Verletzung extrem unfreundlich war, war das Bein außer kleineren Schmerzen und Schwellungen vollständig funktionsfähig und verursachte ihm keine Probleme, ist Česen zufrieden.

Der Spitzenalpinist und Bergführer Aleš Česen beschäftigt sich mit Klettern seit der Kindheit, später zog ihn auch der Alpinismus an. Auf seiner ersten größeren Expedition in Kirgisistan (Tien Shan) war er 2003. Mit seinem Bruder Nejc kletterten sie 2004 im Yosemite Park (USA) in großen Wänden: El Capitan und Half Dome. 2005 nahm er an einer Expedition in den Himalaya teil, auf den Kula Kangri (Tibet), dann war er auf Expeditionen im Karakorum - Trango Towers (2006) und Charakusa (2008). 2015 erhielt er den Preis Goldener Eispickel für die Erstbesteigung in der Nordwand des Hagshu (2014, 6657 m) im indischen Himalaya mit Luka Lindič und Marko Prezelj und mit Lindič auf einer Expedition nach Alaska kletterte drei Routen in großen alaskischen Wänden. 2016 stieg er mit Lindič auf den Broad Peak (8047 m) und den Nordgipfel des Gasherbrum IV (7900 m) im Karakorum, das Jahr 2017 begann er im Rocky Mountains in Kanada, dann im indischen Himalaya mit Urban Novak und Marko Prezelj kletterte eine Erstbegehungsroute in der Westwand des Arjuna (6250 m). 2018 schrieben sich Česen, Luka Stražar und der Brite Tom Livingstone in die Geschichte mit der ersten erfolgreichen Besteigung des Karakorum Latok 1 (7145 m) von der Nordseite und erhielten für die Besteigung den Goldenen Eispickel. 2019 erreichte er entlang des Südwestgrats den Gipfel des Ama Dablam (6812 m) im nepalesischen Himalaya. 2022 unternahm er mit Tom Livingstone einen Versuch in einer neuen Route auf der Nordwestseite des Gasherbrum III (erreichte Höhe: 7800 m), 2024 gelang es ihnen, eine 2000 Höhenmeter lange Erstbegehungsroute entlang des Westgrats auf den Gasherbrum III (7952 m) zu klettern.
         
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