Aljaž-Turm feiert 120 Jahre
4.08.2015
Der Aljaž-Turm, ein außergewöhnliches Kulturdenkmal und unersetzliches Symbol Sloweniens, thront seit 120 Jahren auf dem Gipfel des Triglav, 2864 Meter über dem Meeresspiegel. Zum 120. Jahrestag der Errichtung des „Blechs mit Seele“ auf dem höchsten Punkt Sloweniens finden mehrere Veranstaltungen zur Feier dieses historischen Ereignisses statt. Am Freitag, den 7. August 2015, um 9 Uhr neben dem Aljaž-Turm auf dem Triglav-Gipfel eine Gedenkfeier und um 18 Uhr vor dem Slowenischen Bergbaumuseum in Mojstrana eine feierliche Akademie Oj, Triglav, moj dom. Herzlich eingeladen!
Die Berg- und Alpinistik-Aktivitäten in den slowenischen Alpen standen im 19. Jahrhundert unter starkem deutschen Einfluss, den auch der Pfarrer aus Dovje, Jakob Aljaž, erkannte und sich entschieden gegen eine weitere Germanisierung wehrte. Er fasste den kühnen Gedanken, auf dem Triglav-Gipfel einen kleinen Turm zu errichten – als Bergsport-Schutzhütte und Bollwerk der Slowenentum. Von den Gemeinden Dovje und Mojstrana kaufte er für einen Gulden die „Spitze“ des Veliki Triglav, insgesamt 16 Quadratmeter Land, und begann mit dem Bau des Turms. Im Planinski vestnik, der in diesem Jahr ebenfalls 120 Jahre feiert, schrieben sie im Mai 1895: „Manchem mag der gesamte Plan undurchführbar erscheinen, doch der eiserne Ausdauergeist und die Selbstaufopferung des Herrn Pfarrers wird sicherlich den Bau dieses wunderbaren Bauwerks gelingen. Der Aljaž-Turm wird das höchste Gebäude nicht nur in Slowenien, sondern überhaupt in der slawischen Welt sein.“
Jakob Aljaž vertraute den Bau des Turms seinem Freund, dem Blechschlosser-Meister Anton Belc an, der ihn aus dickem verzinktem Blech und Eisenpfeilern, vergossen mit Beton, fertigte und mit drei Gehilfen am 7. August 1895 errichtete. Aljaž erinnerte sich: „Es war dichter Nebel. Deshalb bin ich morgens nicht auf den Triglav-Gipfel gegangen, sondern blieb in der Dežman-Hütte, von wo aus ich hörte, wie sie die einzelnen Teile des Triglav-Turms zusammenhämmerten.“ Die bescheidene Eröffnung des Turms fand am 22. August 1895 statt, als vom Triglav das Lied Oj, Triglav, moj dom widerhallte. Aljaž schenkte den Turm und das Grundstück auf dem Triglav-Gipfel dem Slowenischen Bergsportverein, dem Vorgänger des Alpenvereins Sloweniens.
Die slowenischen Berge waren ein wichtiges Gebiet und zugleich ein symbolischer Raum, in dem der Kampf um die Vorherrschaft zwischen Deutschen, später auch Italienern, und Slowenen stattfand, und der Aljaž-Turm blieb in allen Jahrzehnten ein Bollwerk des Slowenentums. Zur Geburt des slowenischen Staates am 25. Juni 1991 wehte symbolisch auch auf dem Aljaž-Turm die neue slowenische Flagge. Im Oktober 1999 wurde der Aljaž-Turm zum Kulturdenkmal nationaler Bedeutung erklärt und einen Monat später verstaatlicht. Die Idee von Jakob Aljaž, dass ein zylindrisches Metallgebäude mit Flagge auf der Spitze einen Meilenstein darstellt, der slowenisches Eigentum am Gipfel des slowenischen Berges markiert, wurde endgültig verwirklicht. Der Aljaž-Turm hat aufgrund seiner kulturellen, landschaftlichen, historischen und anderer außergewöhnlicher Eigenschaften eine besondere Bedeutung für die Republik Slowenien. Triglav mit dem Aljaž-Turm ist für uns alle ein außergewöhnliches Landschaftsmotiv und unersetzliches Symbol Sloweniens.
Im Jahr 1895 ließ Jakob Aljaž auch die Aljaževa koča in den Vraten errichten und erwarb das Grundstück auf der Kredarica. In den Vraten wurde 1904 der Aljažev dom gebaut, der fünf Jahre später von einer Lawine zerstört wurde, doch der bewusste Slowene wählte einen neuen Standort in den Vraten und im Juli 1910 wurde der heutige Aljažev dom in den Vraten eröffnet. Auf Aljažs Grundstück auf der Kredarica baute der Slowenische Bergsportverein (SPD) 1896 eine bescheidene Hütte, die am 10. August eröffnet wurde. In den Jahren 1909 und 1910 wurde sie erweitert und in Triglavski dom na Kredarici umbenannt, die er ebenfalls auf den SPD überschrieb. Direkt unter dem Triglav-Gipfel ließ er noch eine Höhle in den Felsen sprengen, das sogenannte Staničevo zavetišče, damit sich Bergsportler bei Gewitter dort unterstellen konnten.
Quelle: Monografie Slovensko planinstvo (Autoren: Peter Mikša und Kornelija Ajlec) und Ausstellung des Nationalmuseums Slowenien Aljažev stolp – Ta pleh ima dušo! (Autoren: Gorazd Lemajič und Iztok Lemajič)