Am selben Tag zwei Erstbegehungen...
15.12.2015
Am selben Tag zwei Erstbegehungen der Primorska- und Ljubljana-Teams in Patagonien.
Slowenische Alpinisten Dejan Koren (AO PD Vipava), Rok Kurinčič (Soški AO), Boštjan Mikuž (AO PD Ajdovščina), Domen Kastelic und Domen Petrovčič (beide Akademischer Alpinismus-Abschnitt) haben auf einer alpinen Expedition in Patagonien dafür gesorgt, dass die steile und exponierte Ostwand des Cerro San Lorenzo am selben Tag, 21. November 2015, nach mehreren gescheiterten Versuchen ausländischer Alpinisten, zwei Erstbegehungen erhielt – No fiesta und EXIT –, beide im alpinen Stil mit erstklassiger slowenischer Signatur. Kastelic und Petrovčič nutzten das kurze Wetterfenster gut und kletterten davor eine neue Route in der Südwestwand des Cerro Hermosa.
Die Ostwand des Cerro San Lorenzo war das Haupt- und interessante Ziel von mindestens sieben Expeditionen, blieb aber bis zum Eintreffen der slowenischen alpinen Expedition Patagonien 2015 – Cerro San Lorenzo, die im November 2015 stattfand und von der Planinska zveza Slovenije unterstützt wurde, unbezwungen. Das typisch patagonische schlechte und windige Wetter nahm den slowenischen Alpinisten nicht die Lust an Patagonien, und so brachen am 20. November beide Teams unter die Ostwand des Cerro San Lorenzo (3706 m) auf, die sie am nächsten Tag über zwei Erstbegehungen erstieg: No fiesta/Brez zabave (ED+, 1600 m) und EXIT/Izhod (ED, 1000 m).
Das Primorska-Team Dejan Koren - DeKo, Rok Kurinčič und Boštjan Mikuž begann am Abend des 20. November in der Ostwand des Cerro San Lorenzo in der Einschnittmulde des Hauptgipfels und erreichte in durchgehendem Klettern um 14 Uhr am nächsten Tag den Rand der steilen und objektiv gefährlichen Wand über eine neue Route und Anschluss an die Gratkante Sudafricana. Die Route No fiesta/Brez zabave, 1600 m lang, bewerteten sie als extrem schwierig ED+, das erhöhte höchste Niveau der französischen Sechstufen-Skala. Wegen sehr starkem Wind mussten sie auf den Gipfel über den sonst bereits begangenen Grat verzichten und kehrten ins Basislager zurück, das sie nach 40-stündiger durchgehender Aktion erreichten.
„Nach dem initialen Anstieg und Spurenlegen zur Wand kletterten wir die erste Hälfte der Route seilfrei mit durchschnittlicher Neigung 70°, stellenweise bis 80°. Als die Wand steiler wurde, sicherten wir uns bei Nacht und sicherten bis zum Ende der Route bzw. Wand. Es folgten steile Seillängen bis 90° Neigung und Bewertung WI5+, M4/5. Das Eis war sehr sehr hart und von Serak verdichtet. Das Klettern wurde hauptsächlich durch Wind behindert, der mit der Höhe zunahm und im Gipfelbereich in Böen über 100 km/h erreichte. Probleme hatten wir mit der Flüssigkeitszubereitung, unmöglich wegen steiler und exponierter Wand, vor allem wegen starkem Wind. Als wir den Wandrande und Anschluss an Sudafricana erreichten, zwang uns der Wind zum Abstieg über Grat und Nordwand. Dort machten wir ca. 40 Seilzüge und dann Marsch unter die Ostwand und weiter zur Basis Puesto San Lorenzo, erreicht nach 40-stündigem durchgehendem Anstieg, Klettern und Abstieg,“ beschrieb das Klettern Expeditionsleiter Dejan Koren, als Schlüssel zum neuen patagonischen Erfolg hob er die Mischung aus Erfahrung und günstigen Bedingungen hervor: „Entscheidend war ein ausreichend langes Fenster guten Wetters, fast ideale Verhältnisse beim Anstieg, in der Wand und beim Abstieg. Natürlich ausreichende physische und psychische Vorbereitung aller drei Kletterer, die steile Abschnitte seilfrei und ungesichert klettern konnten, da Geschwindigkeit bei solchem Aufstieg sicherlich der Schlüssel ist, was auch Sicherheit bedeutet, da man weniger Zeit in der objektiv gefährlichen Zone verbringt. Die Kilometerleistung war für alle drei entscheidend, um diese hohe und stellenweise gefährliche Wand in relativ kurzer Zeit zu bewältigen.“
Das Ljubljana-Team Domen Kastelic und Domen Petrovčič, das am 11. November bereits eine neue schwierige Route (TD-, 1100 m) in der bis dahin unbezwungenen Südwestwand des Cerro Hermosa erstieg, erreichte am 20. November in acht Stunden unter den äußersten linken Teil der sieben km breiten Ostwand des Cerro San Lorenzo und stieg nach Biwak am Gletscher am nächsten Tag in die Route zwischen dem Turm Pilar Sur und dem Ostgipfel Cumbre Sur ein. Wie die Alpinisten im Expeditionsbericht schrieben, waren Schnee-Eis-Verhältnisse zufriedenstellend und schwierigere Abschnitte meist in unterem und oberem Teil konzentriert, durch Ostorientierung der Wand auch weniger Lawinenexposition. Im technisch einfacheren Mittelteil schnelleres Vorankommen mit geringer Exposition. Der Routenausgang war wegen bröseligem Gipfelteil bis zu den letzten Metern Rätsel. Glücklicherweise vereist und nach 13 Stunden erreichten sie den Wandrande über neue 1000 m lange Route EXIT/Izhod, bewertet ED extrem schwierig. Am selben Tag rappelelden Abstieg auf die andere unbekannte Südseite des Berges und zweites Biwak im Tal am See, nächsten Tag ganztägiger Marsch zur Basis.
„Ein wichtiger Schritt ist die Erstbegehung der Ostwand des Cerro San Lorenzo. Die Routen geben mehr als Schwierigkeit Besonderheit die objektive Gefährdung,“ bewertete den Aufstieg des Primorska-Teams der Top-Alpinist Silvo Karo, Patagonia-Kletterkenner. „Im typischen patagonischen Wetter gelang es den Jungs, zwei Routen in der anspruchsvollen Ostwand des Cerro San Lorenzo zu begehen. Geduld hat sich ausgezahlt, um am Ende der Expedition diese schwierige und vor allem objektiv sehr gefährliche Wand zu begehen,“ kommentierte die alpinistischen Erfolge in Patagonien Miha Habjan, Leiter der Alpinkommission PZS.