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Neuigkeiten / Bergsport-Infrastruktur - Unterstützung für Tourismusentwicklung oder nur Stiefkind?

Bergsport-Infrastruktur - Unterstützung für Tourismusentwicklung oder nur Stiefkind?

4.02.2019
Bergsport-Infrastruktur - Unterstützung für Tourismusentwicklung oder nur Stiefkind?



Der Alpenverein Slowenien (PZS) in Zusammenarbeit mit der Hütten- und Wegekommission des Clubs der Alpenvereine (CAA) hat auf der internationalen Konferenz Bergsport-Infrastruktur - Unterstützung für die Tourismusentwicklung oder nur Stiefkind? am 31. Januar auf der Alpe-Adria-Messe in Ljubljana darauf hingewiesen, dass trotz blühendem Tourismus in Slowenien die Wartung der meisten slowenischen Hütten und Wege noch immer auf den Schultern von Freiwilligen lastet und dass es ohne systematische Regelung der Unterstützung zu einem schrittweisen Absinken des Standards der Pflege von Bergwegen und Hütten kommen wird. Wie wichtig der Bergsport-Infrastrukturanteil am Tourismus und an der staatlichen Finanzierung in Österreich und Südtirol ist und wie sie den Entwicklungsboom des Mountainbikens in Bayern lenken planen, beleuchteten Vertreter der Alpenvereine Österreichs, Südtirols und Deutschlands.



Mit dem zunehmenden Touristenbesuch in Slowenien wächst auch die Zahl der Besucher in den Bergen, sowohl Bergsteiger als auch Mountainbiker, und nach den neuesten Daten besuchen jährlich 1,7 Millionen Besucher die slowenischen Berge. „Rund 350.000 slowenische Bergsteiger gehen in die Berge, von denen nur 60.000 PZS-Mitglieder sind, also ist nur jeder sechste Bergsteiger auf unseren Wegen auch unser Mitglied, die Last der Wartung liegt jedoch vollständig auf unseren Schultern. Die PZS kann nicht mehr genügend Mittel für Materialkosten der Wartung bereitstellen, auch die notwendige Freiwilligenarbeit auf den Wegen können die Markierer kaum noch bewältigen. Der immer größere Besucherandrang auf Bergwegen bedeutet größere Belastung des Bodens, was auch viel mehr Arbeit für die Markierer bedeutet, da die Wege zusätzlich mit Erosionsschutzmaßnahmen und Stufen gesichert werden müssen“, hob PZS-Präsident Jože Rovan hervor und ergänzte, dass Hochgebirgshütten aufgrund kurzer Saison und harter Hochgebirgsbedingungen neben den Kosten für Gastgewerbedienleistungen und Übernachtungen kaum die Kosten der grundlegendsten Hüttenwartung decken: „Für die Modernisierung der Hütten, ökologische und energetische Sanierung benötigen wir dringend zusätzliche Quellen. In Zukunft erwarten wir großzügige finanzielle Hilfe vom Staat, lokalen Gemeinden und der Tourismuswirtschaft, da unsere Hütten und Wege ein wichtiger Teil der Touristeninfrastruktur sind, die wir kostenlos allen bieten, sowohl Einheimischen als auch immer zahlreicheren Ausländern.“



In der angenommenen Strategie für nachhaltiges Wachstum des slowenischen Tourismus 2017–2021 werden Bergsport, Wandern und andere aktive Formen des Erlebens der Berge als eine der Hauptaktivitäten in alpinen Destinationen definiert, aber „Bergsport-Hütten und -Wege als Grundlage für die Durchführung nachhaltiger Aktivitäten in den Bergen bleiben noch immer im Bereich der Freiwilligenarbeit zahlreicher Bergsportvereine bzw. ihrer Mitglieder. In diesem Zustand können wir kaum behaupten, dass die zuständigen Behörden Bergsport-Hütten und -Wege als Teil der Touristeninfrastruktur anerkennen, die unter besonders erschwerten Bedingungen arbeitet und operiert“, betonte PZS-Vizepräsident Miro Eržen und erläuterte: „Heute stehen die Erwartungen der Besucher in umgekehrtem Verhältnis zu den tatsächlichen Möglichkeiten, denen Hütten folgen können, darüber hinaus wachsen die Erwartungen der Menschen mit der Technologieentwicklung. In den Medien entsteht oft sogar der Eindruck, dass es sich um eine gewinnbringende Tätigkeit handelt, aber unter Berücksichtigung der Freiwilligenarbeit deckt der Betrieb nur laufende Betriebskosten ab. Es gibt keine angesparten Mittel für Ausschreibungen, Spenden- und Sponsoringmittel sind praktisch versiegt, finanzielle Hilfe auf lokaler Ebene hängt von der persönlichen Wahrnehmung der Bürgermeister und dem Standort der Bergsport-Hütten ab.“



In Slowenien gibt es 161 bewirtete Bergsport-Hütten, davon 31 erster, 49 zweiter und 81 dritter Kategorie sowie 17 Bivaks, insgesamt stehen in diesen 178 Objekten 7400 Betten und über 10.000 Sitzplätze zur Verfügung. Zwölf Bergsport-Hütten werden per Helikopter versorgt, 14 per Güterseilbahn, nur ein Drittel ist mit einer kleinen Kläranlage ausgestattet und nur zwei sind ans öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen, was eine große Herausforderung für die Zukunft bleibt. Slowenien durchziehen über 10.000 Kilometer Bergsport-Wege, für deren Wartung etwas mehr als 770 Markierer sorgen, was bedeutet, dass ein Markierer für 13 Kilometer Bergsport-Wege zuständig ist, für die jährlich über 30.000 Freiwilligenstunden aufgebracht werden. Der Alpenverein Slowenien erhielt 2018 von der Sportstiftung (FŠO) 12.500 Euro für die Pflege von Bergsport-Wegen, was etwa einen Euro pro Wegkilometer entspricht, was nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Die PZS hat aus eigenen Mitteln für die Wartung sehr anspruchsvoller Bergsport-Wege 16.000 Euro hinzugefügt und in den Jahren 2017 und 2018 aus eigenen Quellen 20.000 Euro an Wegepfleger für Materialkosten verteilt. Für Bergsport-Hütten erhält die PZS keine direkten staatlichen Mittel, die FŠO hat jedoch letztes Jahr der Vojak-Hütte am Nanos 15.000 Mittel für den Bau einer Kläranlage zugewiesen. Die PZS hat eine Vereinbarung mit dem slowenischen Heer und der Polizei für kostenlose Helikoptertransporte von Ausrüstung für energetische und ökologische Sanierung von Bergsport-Hütten sowie Wartung und Rekonstruktion von Bergsport-Wegen; letztes Jahr flog das Heer 35 Stunden und die Polizei zwei Stunden, für dieses Jahr gilt die Vereinbarung für 30 Stunden mit dem Heer und 10 mit der Polizei. Ein zusätzlicher Euro in der Mitgliedschaftsgebühr 2019 für alle Mitglieder von Bergsportvereinen und -clubs, außer Vorschul- und Grundschulkinder, wird von der PZS für den Bau einer neuen Hütte am Korošica verwendet, die 2017 durch Feuer zerstört wurde.



Auch in Österreich wacht der Dachalpenverein über die Wartung der Bergsport-Infrastruktur, unter dem in neun Ländern zwölf Landesalpenvereine tätig sind, die insgesamt 545.000 Mitglieder haben und für 50.000 Kilometer Bergsport-Wege und 475 Bergsport-Hütten mit fast 25.000 Betten sorgen. Die Finanzierung ist auf Bund-, Landes- und Gemeindeebene sowie über EU-Mittel geregelt, teilweise auch aus Mitgliedsbeiträgen, erläuterte Peter Angermann vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV), der die Finanzierung am Beispiel des ÖAV Kärnten Landesvereins und der wirkungsvollen Petition Für Hütten und Wege darstellte: „Mit dieser Petition haben wir 2013 den staatlichen Beitrag für Wartung und Erneuerung der Bergsport-Infrastruktur von 1,5 Millionen Euro auf 3,6 Millionen Euro jährlich steigern können. Würden wir einen Vergleich mit Slowenien ziehen, müsste Slowenien nach diesem Schlüssel jährlich zwei Millionen Euro vom Staat erhalten. Die Erhaltung der Bergsport-Infrastruktur fördert auch die Landesregierung Kärntens, die 2018 sechs kärntnerischen Alpenvereinen insgesamt 150.000 Euro zuwies. Österreich ist sich bewusst, dass Bergsportvereine ein wichtiger Teil des Tourismus sind und dass Tourismus und Bergsport Hand in Hand gehen.“



„Die Wartung von Hütten und Wegen ist umfangreich und mit hohen Kosten verbunden, auch wegen der abgelegenen Lage und Versorgung per Güterseilbahn und bei einigen Hütten per Helikopter, aber die Bergsport-Infrastruktur wird hier als Voraussetzung für blühenden Tourismus wahrgenommen, weshalb sie große Unterstützung der lokalen Gemeinschaft genießt. Zusammen mit weltbekannten Alpinisten und Kletterern aus Südtirol, die Jüngere für Bergaktivitäten inspirieren, dient sie als Art Visitenkarte unseres Landes“, ergänzte Martin Niedrist vom Alpenverein Südtirol (AVS), der 70.000 Mitglieder hat und jährlich 250.000 Euro für Wartung und Erneuerung von 12 Bergsport-Hütten und 14 Bivaks und Schutzhütten ausgeben kann. Darüber hinaus besitzt das Land Südtirol 25 Bergsport-Hütten, für deren Modernisierung 15 Millionen Euro vorgesehen sind. Für das Netz von 16.000 Kilometern Bergsport-Wege stehen alle Beteiligten jährlich 900.000 Euro zur Verfügung. Im Gegensatz zu Slowenien, wo sehr anspruchsvolle Bergsport-Wege von Freiwilligen gewartet werden, übernehmen im Ausland meist Profis.



In der Schweiz funktioniert ein Modell, das in Slowenien teilweise schon früher umgesetzt wurde, als Mittel in einen Sonderfonds auf Basis verkaufter Speisen, Getränke und Übernachtungen in Bergsport-Hütten gesammelt wurden. In den schweizerischen Fonds fließt ein bestimmter Prozentsatz von in Hütten verkauften Speisen, Getränken und Übernachtungen, Vereine ohne eigene Hütten zahlen ein, es kommen Spenden der Mitglieder hinzu. Darüber hinaus tragen Bund, Kantone und Tourismusorganisationen zur Wartung der Bergsport-Infrastruktur bei, erläuterte noch Eržen, Leiter der CAA Hütten- und Wegekommission und PZS-Vizepräsident.



An der Konferenz nahm auch die Staatssekretärin im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Technologie Eva Štravs Podlogar teil, die hervorhob, dass Aktivitäten in der Natur zu den wichtigsten Produkten des slowenischen Tourismus gehören und dass Lösungen in integralem Sinne gesucht werden, da das Problem der Bergsport-Infrastruktur mit mehreren verschiedenen Ressorts verknüpft ist.



In den benachbarten Alpenländern stoßen sie auch auf einen starken Anstieg des Anteils von Mountainbikern und anderen Radfahrern, was auch in Slowenien zu erwarten ist, überlastete Radwege und Pfade in der Natur stellen Herausforderungen für die Infrastruktur dar. Wie Nicolas Gareis vom Deutschen Alpenverein (DAV) beleuchtete, hat die Ausrüstungsentwicklung große Veränderungen gebracht – mit Hilfe von E-Bikes, die in Deutschland bereits fünf Millionen Menschen besitzen, können auch solche radeln, die körperlich sonst nicht dazu fähig wären, durch Stirnlampen verlängert sich die Zeit, in der man radeln kann, und die Aktivität erleichtert auch der veränderte Antrieb. Immer mehr Radfahrer bedeuten auch immer größeren Druck auf die Naturumwelt, da die Natur für verschiedene Interessengruppen interessant ist, können Konflikte entstehen. Damit Mountainbiker nicht mehr als Eindringlinge in den Naturraum gesehen werden, haben sie in Bayern das Projekt im Wert von 250.000 Euro Mountainbiken – nachhaltig in die Zukunft gestartet: „Im Vordergrund steht nachhaltige Entwicklung, wichtig sind Fragen der Verantwortung im Unglücksfall, einheitliche Beschilderung und Übertragbarkeit des Modells auf andere Länder sowie Kooperation mit Schulen, da Kinder unsere Zukunft sind. Wir haben auch ein Merkblatt mit Richtlinien für Mountainbiken herausgegeben, dessen Ziel Aufklärung und Etablierung von Verantwortung unter den einzelnen Beteiligten ist. Wir wollen nicht, dass Menschen wegen technischer Möglichkeiten die Nacht in den Bergen verbringen, sondern jene ansprechen, die sich nicht auskennen, und negative Auswirkungen auf die Natur verhindern.“



Auch die PZS-Kommission für Tourenradfahren hat Empfehlungen für Tourenradfahren herausgegeben und die Haltung der CAA zu Elektrofahrrädern veröffentlicht sowie seit über einem Jahrzehnt Tourenradführer ausbildet und über das Zusammenleben beim Sport in der Natur aufklärt. Ein wichtiger Schritt nach vorn ist der Slowenische Tourenradweg, eröffnet im Juni 2016, der ein breites Spektrum von Radfahrern anspricht und ein klares Beispiel für Beitrag zur nachhaltigen Mobilität ist, eines der größeren Projekte im Bereich Radfahren in Slowenien und der längste seiner Art in Europa, gleichzeitig webt er ein umfangreiches Netz von Verbindungen zwischen Bergsportvereinen, lokalen Gemeinden und anderen Organisationen im Bereich Bergsport, Tourismus und Gastgewerbe.
         
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