Der Rucksack soll ein Rucksack sein und kein Schleppbeutel
5.09.2011
Die ersten Schultage liegen hinter uns, doch viele Eltern fragen sich, wie Kinder und Jugendliche so viele Hefte, Arbeitshefte, Bücher, Lehrbücher und Utensilien für schulische und außerschulische Aktivitäten tragen können. Die Belastung ist sehr hoch, und wenn Kinder ihren Rucksack dazu noch falsch tragen, fügen sie ihrem Körper zusätzlichen Schaden zu. Mit Hilfe von Bergsportwissen und jahrelanger Erfahrung beim Einsatz von Rucksäcken in den Bergen beantworten wir zwei Fragen – wie man einen guten Rucksack richtig auswählt und wie man ihn richtig benutzt:
Bergsport können wir uns ohne Rucksack nicht vorstellen, eine bergsportliche Ausrüstung ähnlich einem Sack mit Schultergurten zum Transport von Last auf dem Rücken. Jeder erfahrene Bergsteiger wird Ihnen sagen, dass es großes Glück ist, einen bequemen und nach eigenen Maßen ausgewählten und angepassten Rucksack zu haben. Erst ein solcher stärkt uns mit seiner gleichmäßig verteilten Lastgewicht im reinen Einsatz.
Gerade der Rucksack hat aufgrund seiner Praktikabilität (er ermöglicht freie Hände), breiten Einsatzmöglichkeiten (Schulgebrauch, Sporttraining, tägliche Einkäufe ...) und Preis-Zugänglichkeit in großer Zahl die Rolle und Aufgaben der Schultasche übernommen. Und wenn irgendwo, dann können wir jeden Tag auf der Straße beobachten, dass diese Schulrucksäcke zu schwer sind und viel zu oft nicht an den Rumpf des Kindes angepasst, sodass sie mit sogenannten Schleppbeuteln zur Schule kommen und gehen. „Schulrucksäcke, fast da runter bis zu dem Hinterteil, werden im weichen Körper-Schlurfen zur großen Pause gezogen“, hat Ula Furlan die Schleppbeutel kürzlich sehr bildhaft in einem der Medien beschrieben.
Angesichts dessen, dass Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen von Rucksäcken unterschiedlich sind (geschweige denn den Betrag, der für den Kauf zur Verfügung steht), ist die Frage angebracht, wie man einen wählt, der unsere Bedürfnisse optimal erfüllt? Im Bergsport gilt der Rucksack als komplexe Differentialgleichung, die aus vier voneinander abhängigen Faktoren besteht: Zweck, Form, Volumen und Anpassungsfähigkeit der Belastung an den Rumpf.
Der erste Faktor bei der Auswahl ist die vorherrschende Tal-Nutzungsform: Schule, Sportaktivitäten oder Einkäufe im Laden. Wenn wir einen Rucksack für die Schule kaufen, in dem wir täglich vor allem kantige Bücher und Materialien transportieren, muss er anders sein als der, in dem wir Badezeug und Handtücher tragen. Vor allem muss er ein festeres Rückenlehnenteil und Boden haben, gefertigt aus robusterem Stoff, der auch Witterungsfeuchtigkeit abweist.
Der nächste Faktor ist die Körpergröße des Kindes bzw. Jugendlichen – von der Länge seines Rumpfs hängt die Höhe des Rucksacks ab. Menschen gleicher Körpergröße können sehr lange Beine und kurzen Rumpf haben (brauchen niedrigeren Rucksack) oder kurze Beine und langen Rumpf (ihr Rucksack kann höher sein). Ein wirklich exzellenter Rucksack passt sich gut Hüften, Schultern und Rücken an und erleichtert so die Anstrengungen beim Gehen und Tragen. Daher müssen wir besonders auf die Teile des Rucksacks achten, die direkt mit dem Körper in Berührung kommen. Das sind die Schulterträger, die Hüftgurt und das Rückenpanel. Die Schulterträger sollen breit auf den Schultern liegen, da sie nicht rückwärts ziehen, den Hals berühren oder in die Haut schneiden dürfen. Das erreichen wir mit Entlastungsgurten an Schultern und Hüften. Spann Gurte verhindern, dass der Rucksack nach links-rechts schwingt. Den Rucksack müssen wir vollständig an den Träger anpassen und nicht nur aus dem Laden mitbringen, befüllen und benutzen.
Den Großteil des Gewichts (bei Kindern sollte das Rucksackgewicht nicht mehr als ein Zehntel ihres Körpergewichts betragen) verlagern wir von den Schultern auf die Hüften. Bei richtiger Einstellung des Rucksacks muss der Hüftgurt zwei Drittel des Gewichts in der Mitte des Beckens übernehmen und verteilen. Deshalb müssen wir beim persönlichen Anpassen des Rucksacks immer zuerst den Hüftgurt anlegen. Nur das verbleibende Gewicht (also etwa ein Drittel) soll aktiv „ruhen“ auf den Schultern, während das Gesäß unbelastet bleiben muss. Andernfalls wird der Rucksack zum Schleppbeutel.
Das Gewicht des Rucksacks, besonders wenn wir ihn täglich zur Schule und zurück tragen, ist auch entscheidend für die Wirbelsäulengesundheit und richtige Haltung. Besonders empfindlich ist die Phase des beschleunigten und raschen Wachstums bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 12 Jahren. Gerade in dieser Altersstufe treten oft auch Fehlhaltungen durch langes Sitzen auf (z. B. in der Schulbank oder vor Computer und Fernseher), Überlastungen durch zu schwere Schultaschen oder das Tragen von Sportausrüstung auf einer Schulter, sowie unzureichende Ernährung und mangelnde körperliche Aktivität. In diesem Jahr besuchen rund 160.000 Kinder und Jugendliche slowenische Grundschulen, Haltungprobleme haben dabei 14,2 % bis 15,9 % der in systematischen Untersuchungen geprüften Grundschüler. Nimmt man die untere – optimistische – Grenze, haben somit mehr als 22.700 Kinder verschiedene Wirbelsäulenprobleme.
Angesichts all des Gesagten ist klar, was ein guter und geeigneter Rucksack ist. Doch Kinderaugen haben ihre ganz eigene Vorstellung. Sie fixieren sich auf etwas Niedliches, Buntes und Modernes. Wenn es uns als Eltern gelingt, dem Prinzip zu folgen, dass wir nicht so reich sind, billig zu kaufen, haben wir viel erreicht – sowohl für die Gesundheit der Kinder als auch für die Gemeinschaft, in der wir leben.
Zusammengestellt von Borut Peršolja