Die verschneite Bergwelt wird auf uns warten
6.03.2020
Die verschneite Bergwelt wird auf uns warten - nicht mit dem Kopf durch die Wand und um jeden Preis in die Berge.
Wenn der Großteil des Winters von einer bescheidenen Schneebedeckung und ungewöhnlich hohen Temperaturen geprägt war, sind die letzten Tage in den Bergen großzügig mit Schnee, sodass der Lawinengefahrengrad auf drei bzw. vier auf der fünfstufigen europäischen Skala gestiegen ist, also erheblich und stellenweise in den Julischen Alpen groß, was die Stufen sind, bei denen die meisten Unfälle in verschneiten Bergen passieren. Daher raten wir Bergwanderern vom Besuch des Hochgebirges ab und empfehlen ihnen, ihre Wünsche und Pläne anzupassen, niedrigere Ziele zu wählen und nicht mit dem Kopf durch die Wand und um jeden Preis in die Berge zu gehen.
„Es war zu erwarten, dass der Winter sich nicht verabschieden würde, ohne die Zähne zu zeigen. Wenn wir uns über die knappe Schneebedeckung und echte Herbsttemperaturen beschwert haben, hat er uns in den letzten Tagen endlich mit etwas Weiß belohnt. Auf dem nationalen Wetterportal ARSO kann man lesen, dass sich die Schneebedeckung in den Bergen allmählich ansammelt und seit Montagmorgen oberhalb rund 1600 Metern in den Julischen Alpen um 50 bis 100 Zentimeter dicker geworden ist, im östlichen Teil der Kamnik-Savinja-Alpen, östlichen Karawanken und auf dem Pohorje deutlich weniger, meist 5 bis 30 Zentimeter. Der Schnee ist leicht und weich und oberhalb ca. 1700 Metern trocken, tiefer ist zunächst nasser Schnee gefallen, tagsüber bei Abkühlung einige Zentimeter trockener Schnee. Die Schneebedeckung ist teilweise gefroren, es gibt viele Windhäuser, neue Platten sind entstanden. Windexponierte Grate sind stark vereist, dort besonders ist der Schnee hart und vereist“, beschreibt die aktuellen Verhältnisse Matjaž Šerkezi, fachlicher Mitarbeiter des Alpenvereins Slowenien und Bergrettungsausbilder.
Wie im Lawinenbulletin der Umweltagentur der Republik Slowenien veröffentlicht, beträgt die Lawinengefahr oberhalb ca. 1700 Metern über dem Meeresspiegel erheblich, dritter Grad, tiefer wo noch genug Neuschnee ist mäßig, zweiter Grad, während sie heute im Hochgebirge der westlichen Julischen Alpen auf den vierten Grad ansteigen wird, also große Lawinengefahr. Besonders gefährdet sind Stellen mit angewehtem Neuschnee, die durch den starken Südweststurm vor allem an den nördlichen und östlichen Seiten von Graten und Sätteln sind. Auf steileren Hängen können kleinere Nassschneelawinen ausgelöst werden, schon bei geringer Belastung der Schneebedeckung, besonders an Stellen mit angewehtem Schnee, können Sie eine Plattenlawine auslösen. Manche Lawine kann sich auch spontan von steileren Hängen lösen. Unter 1700 Metern über dem Meeresspiegel an ausgeprägten Nordhängen sind einzelne spontane Nassschneelawinen nicht ausgeschlossen. An windexponierten Lagen, wo Neuschnee bis zur alten Basis abgetragen ist, besteht Abrutschgefahr.
„Allen, die diesen Wochenendende das Hochgebirge besuchen möchten, raten wir, ihre Wünsche zu ändern und niedrigere Bereiche aufzusuchen, wo kein bzw. weniger Schnee ist. Der dritte Grad auf der europäischen fünfstufigen Skala bedeutet für den Unerfahrenen ein hohes Risiko, dass ihn eine Lawine überrascht oder er eine Platte auslöst, die wie eine Falle auf ihr Opfer lauert. Platten sind nämlich schwerer vorherzusehen und zu erkennen, da es sich um angewehten, harten und verdichteten Schnee handelt, der schon bei geringer Belastung nachgibt, und wenn wir auf einer solchen Platte landen, endet es meist mit schweren Verletzungen – durch Sturz über die Wand, Felsabbrüche, Kopfverletzungen durch Schläge und hohe Geschwindigkeit – und Tod“, warnt Šerkezi und fügt hinzu: „Der Rat gilt auch für begeisterte Skitourengeher und sogenannte Puderjäger. Aktuell herrschen im Bergwelt Bedingungen, deren Gefahren selbst die Erfahrensten wie Bergretter, Bergführer und Alpinlehrer kaum vorhersagen können. Die Verhältnisse werden sich in naher Zukunft – abhängig von Temperaturen und Niederschlägen – langsam stabilisieren und für Bergbesuche wird es noch viel Zeit und Gelegenheit geben.“
Das Besuchen der Berge im Winter ist geprägt von niedrigeren Temperaturen, kürzerem Tag, geschlossenen Hütten und spezifischen Schneebedingungen, wofür wir angemessen vorbereitet sein und geplant und richtig ausgerüstet in die Berge gehen müssen. Pflichtausrüstung jedes Berggängers im Winter ist auch das Lawinen-Dreierpack, bestehend aus Lawinenpiepser zur groben Ortung des Verschütteten, Lawinensonde zur feinen Ortung des Verschütteten und Lawinenschaufel für schnelles und effektives Ausgraben, da die Überlebenschance in einer Schnee-Lawine in den ersten 15 Minuten nach der Verschüttung am höchsten ist. Vor jeder Tour Status der Ausrüstung und Schneeverhältnisse im Gebiet prüfen, wohin wir gehen. Neben technischer Ausrüstung für Winterberggehen (Steigeisen und Eispickel) brauchen wir alle Ausrüstung wie für sommerliche trockene Bedingungen, zusätzlich gute winterliche Bergschuhe, Gamaschen zum Schutz vor Schneeeintritt in die Schuhe, hochwertige Kleidung, die vor Wind, Kälte und Feuchtigkeit schützt und gute Isolierungseigenschaften hat. Auch Sonnenschutz gegen starke Sonne nötig, nicht vergessen Ersatzkleidung und Stirnlampe sowie wegen geschlossener Hütten mehr warme Flüssigkeit und Essen im Rucksack.
„Auch wenn die Zeit günstiger für Bergbesuche wird, vergessen Sie nicht die vollständige Winterausrüstung – Lawinen-Dreierpack, Eispickel, Steigeisen und Helm. Für häufige Winterbergbesucher und begeisterte Skitourengeher empfehlen wir Rucksack mit Airbag, ein Hilfsmittel, das wir nie benutzen wollen. Wenn uns eine Lawine erwischt, ist es hochwillkommen, da es mit seiner Struktur dafür sorgt, dass wir oben auf der Lawinenkegel bleiben. Es darf aber keine Nachlässigkeit herrschen, mehr zu riskieren oder über Grenzen zu gehen“, legt der fachliche Mitarbeiter des PZS und Bergrettungsausbilder den Bergbesuchern ans Herz und betont, dass für Hochgebirgsbesuche die einzig richtige Wahl 12-Zacken-Bergsteigersteigeisen sind: „Halten Sie sich an den Rat, dass Wanderstöcke und Steigeisen nicht zusammenpassen und dass durch diese Kombination jedes Jahr mehr Bergwanderer sterben oder verletzt werden. Steigeisen an den Füßen, Eispickel in der Hand, an den Händen obligatorisch Handschuhe. Beachten Sie, dass Steigeisen ein ausgezeichnetes Hilfsmittel sind, aber ihre Grenzen haben und damit fast jeder Gipfel erstiegen werden kann, aber damit viel riskiert wird.“
Und zum Schluss das Wichtigste: „Bergwanderer und alle Bergbesucher – diese wunderbare Bergwelt wird auf uns warten. Manchmal ist der Charme auch, sie aus der Ferne zu betrachten und die Sehnsucht nach dem Besuch langsam in uns brennen zu lassen. Nicht mit dem Kopf durch die Wand und um jeden Preis in die Berge.“
Mehr Informationen zum Winterbergbesuch finden Sie auf der Website des Alpenvereins Slowenien unter dem Reiter Sicherer in die Berge:
Sicherer in die Berge,
Wie sicherer in die Berge im Winter.