Hochgelegene Hütten geschlossen, unterwegs mit geprüften...
22.10.2021
Hochgelegene Hütten geschlossen, unterwegs mit geprüften Informationen, nicht inspiriert von sozialen Medien.
Die diesjährige Sommerversion in den Alpenhütten war gut, nicht so sehr an Übernachtungen, sondern an Tagesbesuchern. Dazu trug die massivere Besuche der Hochgebirge und Mittelgebirge bei, mit denen wir Slowenen in der Covid-19-Zeit den Kontakt zur Natur suchten, gleichzeitig war in den Bergen wieder eine größere Anzahl Ausländer. Im Oktober haben die Alpenhütten im Hochgebirge ihre Türen geschlossen, die niedrigeren sind auf herbstlich-winterliche Betriebszeiten umgestiegen, woran sich auch die herbstlichen Bergbesuche anzupassen haben und mehr Aufmerksamkeit der Tourenplanung zu widmen ist sowie zuverlässige und geprüfte Informationen zu suchen, anstatt blind den Beiträgen in sozialen Medien zu folgen.
„Die Sommerversion in den Alpenhütten war gut, unter den allgemeinen Koronabedingungen sogar sehr gut. Der erste Teil des Jahres war extrem ungünstig wegen des Betriebsverbots und späterer begrenzter Betriebsmöglichkeiten der Hütten. Mit der Öffnung der Gaststätten sind auch die Besucher in die Alpenhütten zurückgekehrt. Im Sommer war der Besuch der Hütten auch im Mittelgebirge relativ gut, wo normalerweise sommerliche Flaute herrscht, da zu dieser Zeit vor allem Hochgebirgshütten belagert werden. Übernachtungen waren zwar um ein Viertel weniger als im Rekordjahr 2019, aber dennoch zufriedenstellend auch wegen des wiederum größeren Anteils ausländischer Gäste. Der größere Umfang war mindestens im Hochgebirge durch Anti-Korona-Maßnahmen begrenzt“, gibt die Bewertung der diesjährigen Saison der fachliche Mitarbeiter des Alpenvereins Slowenien (PZS) Dušan Prašnikar, der auch auf viel Müll hinweist: „Obwohl es etwas besser ist als im Vorjahr, ist Müll immer noch ein sehr drängendes Problem, besonders im Mittelgebirge, wo der Zuwachs des Teils der Besucher, die sich nicht an die Regel halten, den Müll mit in die Tal zu nehmen, am auffälligsten war.“
Der Alpenverein Slowenien bemüht sich, die Auswirkungen auf die Umwelt bei erhöhtem Bergbesuch auch durch Partnerschaft im europäischen Projekt LIFE SustainHuts zu mindern, das auf Senkung der CO2-Emissionen in der natürlichen Umwelt durch Einführung neuer und origineller Energie-Lösungen auf Basis erneuerbarer Quellen ausgerichtet ist. „Im Rahmen des auslaufenden Projekts LIFE SustainHuts hat sich in der Praxis bewährt, dass auch in Alpenhütten mit grünen Technologien erfolgreich zum Minderung der Umweltauswirkungen beigetragen werden kann. Eingebunden waren Pogačnikov dom na Kriških podih (PD Radovljica) und Dom Valentina Staniča pod Triglavom (PD Javornik - Koroška Bela). Eine Schlüsselrolle bei Einführung und Test neuer Technologien spielten die slowenischen Partner, die Fakultät für Maschinenbau der Universität Ljubljana und das Entwicklungs-Zentrum für Wasserstofftechnologien. Das Projekt ist eine erfolgreiche anwendungsnahe Geschichte, da es den Preis der Zeitung Finance für energieeffizientes Projekt erhalten hat“, erklärt Prašnikar.
Hochgelegene Alpenhütten haben ihre Türen geschlossen, aber mit Ausnahmen. In den Julijskih Alpah ist dauerhaft geöffnet Dom na Komni, von den höher gelegenen werden im Winter am Wochenende geöffnet Orožnova koča na planini Za Liscem, Krekova koča na Ratitovcu und Blejska koča na Lipanci, Dom Zorka Jelinčiča na Črni prsti nur noch die letzten Wochenenden im Oktober. Von den Gipfelhütten wird ab 1. Dezember dauerhaft geöffnet Erjavčeva koča, niedrigere am Wochenende. Im Winter ist dauerhaft geöffnet Planinski dom Tamar. Triglavski dom na Kredarici ist zwar geschlossen, aber Meteorologen sorgen für Unterschlupf und Übernachtung.
In den Kamniško-Savinjskih Alpah sind von den höheren dauerhaft geöffnet Črnuški dom und Domžalski dom na Mali planini, die meisten anderen am Wochenende. Am Wochenende wird geöffnet Koča na Kriški gori (außer 22.-24. Oktober), an schönen Wochenenden für Grundversorgung Kamniška koča na Kamniškem sedlu. Auf Okrešlju bleibt das Schutzhäuschen bis Ende Oktober dauerhaft geöffnet, danach am Wochenende. An schönen Wochenenden und auf Anfrage wird ab November auch geöffnet Koča na Klemenči jami pod Ojstrico.
In den Karavankah werden Hütten im Winter meist am Wochenende geöffnet (wie z.B. Roblekov dom na Begunjščici, Dom na Peci, Dom na Uršlji gori, Planinski dom na Zelenici - diese während der Schulferien auch werktags), einige niedrigere Hütten dauerhaft (Dom Pristava v Javorniškem Rovtu, Koča na Ljubelju außer Montag und Dienstag, Planinski dom na Boču und Rudijev dom pod Donačko goro außer Montag, Poštarski dom pod Plešivcem außer Dienstag). Ab 1. Dezember dauerhaft geöffnet Valvasorjev dom pod Stolom, bis dahin am Wochenende. Aktuelle Daten zur Hüttenöffnung sind auf der PZS-Seite koce.pzs.si aktuell veröffentlicht.
„Das Hochgebirge ist schon mit Schnee bedeckt und zum Gehen darauf braucht man geeignete Winterausrüstung und enorme Erfahrung. Der Untergrund auf Alpenwegen ist vereist, tagsüber wird der Schnee weich und durchdringbar. Solcher Untergrund ist besonders gefährlich beim Abstieg, besonders wenn schneller abgestiegen wird, da der Untergrund sich unerwartet einbrechen kann und schwere Knieverletzungen verursacht. Diese Möglichkeit steigt, wenn Schnee einzelne wärmere Felsen bedeckt, der Schnee darum schmilzt und ein tiefes Loch entsteht, das von oben bedeckt ist und eine Art Falle darstellt. In niedrigeren Lagen sind Alpenwege mit gefallenem Laub bedeckt, darunter feuchte Wurzeln und Felsen, die bei unvorsichtigem Gehen Sturz und Verletzungen verursachen können“, beschreibt die aktuellen Verhältnisse in den Bergen der fachliche Mitarbeiter des Alpenvereins Slowenien und Instruktor des Bergrettungsverbands Slowenien Matjaž Šerkezi.
Bei Hüttenschließung ist auch der Sicherheitsaspekt beim Bergbesuch im Herbst zu beachten und noch mehr Aufmerksamkeit der Tourenplanung zu widmen. Da viele Alpenhütten im Herbst- und Winterzeit den Berggängern keine warme Mahlzeit, Nachfüllung von Flüssigkeiten und Dach überm Kopf bieten, müssen sie im Rucksack neben der grundlegenden Alpenausrüstung zusätzliche warme Kleidung, Wind- und Regenschutz, Alufolie oder große schwarze Tüte zum Schutz vor Unterkühlung sowie mehr warme alkoholfreie Flüssigkeit und Nahrung haben. Im Herbst sind auch die Tage kürzer und Dunkelheit erwischt uns schon zwischen 18 und 19 Uhr. Pflicht ist die Stirnlampe, volle Batterien nicht vergessen.
„Jeden Aufbruch in die Berge muss man sorgfältig planen, alle notwendige Ausrüstung haben und sie auch bedienen können. Informationen von geprüften Portalen holen, wie die Webseite des Alpenvereins Slowenien, in gedruckten Führern und Karten, mündlich bei Fachleuten - Bergführer, Bergretter, Alpinguides ... Die Tour immer an eigene Fähigkeiten und Erfahrungen anpassen. Ziel sei nicht der Gipfel, sondern sichere Heimkehr. Aus diesem Grund müssen wir rechtzeitig umkehren können“, legt Šerkezi den Bergbesuchern ans Herz.
Der Bergretter warnt vor dem Anstieg der Bergbesucher, die von sozialen Medien inspiriert ohne passende Ausrüstung und Vorbereitung aufbrechen: „Im letzten Jahr begegnen und retten wir in slowenischen Bergen immer häufiger Einzelpersonen, Paare oder Gruppen, die ohne Vorplanung in die Berge gehen und den Weg fortsetzen trotz wohlgemeinter Warnungen von Berggängern, dass sie keine passende Ausrüstung und Schuhe haben. Diese Vorfälle sind oft Folge sozialer Medien und verzerrter subjektiver Informationen, die Individuen posten. Letzten Winter kursierten auf sozialen Medien mehrere Videos mit riesigen Aufrufen und Likes und völlig falscher und gefährlicher Darstellung des Gehens in den Bergen und der Nutzung von Hilfsmitteln wie Eispickel und Steigeisen. Besonders zu betonen ist, dass bei Vorbereitung auf Bergaufbruch die Infos zu prüfen sind, vor allem wissend, dass nicht jeder, der etwas erklärt, fachlich qualifiziert ist. Geprüfte Infos zum Zustand der Alpenwege auf der Webseite des Alpenvereins Slowenien. Hilfreich bei Planung ist die Web-App maPZS, wo alle Alpenwege digital mit Höhenprofil, Startpunkten und qualitativ hochwertigen Kartengrundlagen zu finden sind. Infos auch aus gedruckten Führern, in keinem Rucksack darf ein neuerer Alpenkarte fehlen. Bei Daten aus sozialen Medien gilt große Vorsicht, da subjektive Einschätzung. Als Beispiel wieder der Bivak unter Skuta, von wo Kamnik-Bergretter fast wöchentlich einen Instagram-Berggänger ins Tal begleitet haben. Zu wissen ist, dass der Weg zum Bivak anspruchsvoll, unmarkiert ist, stellenweise Hände beim Aufstieg nötig. Solcher Weg für Erfahrene. Gerade jetzt, wo in den Bergen erster Schnee gefallen ist und dessen Menge mit kürzeren Tagen nur zunimmt.“