Internationaler Tag der Berge 2014
10.12.2014
Internationaler Tag der Berge 2014 mit Schwerpunkt Berglandwirtschaft.
Der Internationale Tag der Berge, den wir jedes Jahr am 11. Dezember feiern, ist bereits
traditionell einem ausgewählten Thema gewidmet. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Berg-
landwirtschaft. Die internationale Bergsportgemeinschaft ist sich zweifellos der
wichtigen Beiträge der Hochgebirgsbauern mit all ihren
Tätigkeiten bewusst, die sie täglich als Holzfäller, Jäger und Hirten ausübten, bei der
Pioniererkundung der Berge, oft auch beim Führen von Erstbesteigern
zu den Gipfeln, und natürlich auch beim Bau von Hütten und Wegen. Das waren Zeiten, in denen Bergbauernhöfe mit der Grund-
tätigkeit überlebten, und zusätzliche Einkommensquelle war für sie der Wald, auf den die Bauern wie auf eine goldene Reserve schauten für Zeiten,
in denen sie Wirtschaftsgebäude erneuerten oder die Familie von einer Naturkatastrophe getroffen wurde. Das Leben und die Arbeit der Bewohner
von Bergbauernhöfen war also harmonisch lange bevor wir diesen Begriff in verschiedene Strategien schrieben.
Der gesamte Agrarsektor in den Alpenländern steht unter Druck des globalen Preis- und Angebotswettbewerbs, trotzdem
haben in einigen Alpenländern die Berglandwirtschaft durch geplante Agrarpolitik und Zusammenarbeit
der Landwirtschafts- und Tourismusministerien erfolgreich in eine Schutzmarke einzelner Länder umgewandelt. Denken wir
vor allem an Österreich, die Schweiz oder Bayern, die wir uns ohne Almen nicht vorstellen können und die mit ihrem Angebot
ein echter Magnet für Wanderer, Tourenradfahrer usw. sind. Dabei sorgt die Berglandwirtschaft für die Pflege der Landschaft, die
ein wichtiger Faktor des touristischen Angebots ist.
Natürlich zwingt der unerbittliche Preiswettbewerb Hochgebirgsbauernhöfe zur Nutzung neuer Technologien, die teilweise
auch von der Europäischen Union subventioniert werden und Einfluss auf die Umwelt haben. Durch frühe Mahd und andere Maßnahmen nimmt die biologische Vielfalt
der Bergwiesen mit allen Konsequenzen ab, mit denen wir uns auseinandersetzen werden oder uns bereits
auseinandersetzen.
Viele Höfe im Hochgebirge sind trotz komplizierter Verfahren bereits auf den Weg zusätzlicher touristischer
Angebote gegangen, eine der größeren Nutzergruppen davon sind wir Bergsportler. Zweifellos ist das ein schwerer und anspruchsvoller Weg, auf dem
oft nur die Besten ausharren, und wenn wir manchmal kritisch auf die Forderungen nach Bau neuer
Forststraßen blicken, die oft im Interesse von Waldbesitzern liegen, die ihre Parzellen noch nie gesehen haben und nur auf
Kapitalgewinne aus sind, dann denken wir im Geist ihres Talwohnsinns nur, dass diese Menschen dort oben auch
überleben müssen. Dass deswegen nicht notwendig ist, dass Bergsportler wegen alledem mit dem Auto fast bis zum Gipfel fahren, ist bereits eine Frage
unserer Haltung und unserer Kultur zum Umwelt. Belege dafür müssen wir nicht weit suchen, nur ein wenig über die Grenze schauen.
Bergsportler sehen die Berglandwirtschaft als Partner, mit dem wir viele Berührungspunkte haben, sowohl im Bereich
der Bergwege als auch der Versorgung von Berghütten mit heimischen Produkten, weshalb ein ständiger Dialog notwendig ist.
Viele Bergwege verlaufen tatsächlich über oder neben landwirtschaftlichen Flächen und das Zusammenleben von Bergsportler und Bauer ist regelhaft
unproblematisch, aber bei neuen Aktivitäten in der Bergwelt müssen auch die Beziehungen zur
landwirtschaftlichen Tätigkeit angemessen geregelt werden, damit es nicht zu unliebsamen Missverständnissen kommt. Dabei wünschen wir uns natürlich, dass Bergbauernhöfe
in einem Umfeld arbeiten, das ihnen mehr Zeit für die Grundtätigkeit lässt, und nicht nur das Manövrieren zwischen ständig
wechselnden Vorschriften. Sonst könnte es passieren, dass wir in Zukunft niemanden mehr zum Reden haben, und unsere
Wege zu den Gipfeln durch verlassene Heuwiesen, leere Weiden und verlassene Dörfer führen.
Miro Eržen,
Vizepräsident der Planinska zveza Slovenije und Leiter des Slovenskega planinskega muzeja