Internationaler Tag der Berge 2016: Bergsteigerkultur
9.12.2016
Sonntag, den 11. Dezember, feiern wir den Internationalen Tag der Berge, der seit 2003 begangen wird, als die Generalversammlung der Vereinten Nationen nach dem erfolgreichen Internationalen Jahr der Berge 2002 diesen Tag zu einem besonderen Tag für die Berge erklärte. Jedes Jahr ist er einer ausgewählten Thematik gewidmet, und in diesem Jahr rückt die Bergsteigerkultur durch die Linse der Feier der Vielfalt und Stärkung der Identität ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Alpenverein Slowenien bereitet traditionell eine Botschaft vor, in diesem Jahr verfasst vom Vizepräsidenten der PZS Miro Eržen, die sich auf die Bedeutung des Slowenischen Alpinmuseums, des Planinski vestnik und des Aljaž-Turms als Säulen der slowenischen Bergsteigerkultur konzentriert.
Der Alpenverein Slowenien und seine Mitglieder sind eng mit der kulturellen Dimension der Berggebiete in Slowenien und jenseits seiner Grenzen verbunden. Das Gebiet der Bergsteigerkultur war bereits bei der Gründung des Slowenischen Bergsteigervereins stark vertreten. Der Hauptzweck seiner Gründung war neben dem Besuch der Berge gerade die Erhaltung des „slowenischen Charakters der slowenischen Berge“, wozu die Erhaltung slowenischer Bergnamen und natürlich die Entdeckung und Betonung der Notwendigkeit zur Erhaltung spezifischer Gewohnheiten und Bräuche des Lebens der Bewohner in Bergregionen gehört, die aus den Überlebensbedürfnissen in der Bergwelt entstanden sind. All dies, neben erlebten literarischen Beiträgen über das Wandern in den Bergen, Reisebeschreibungen und anderen faszinierenden Beiträgen über die Schönheiten der Bergwelt, wurde auch in der 1895 gegründeten Zeitschrift Planinski vestnik veröffentlicht, die neben zahlreichen nationalbewussten und kulturellen Veranstaltungen der sichtbarste und glaubwürdigste Chronist und inhaltliche Begleiter der kulturellen Aktivitäten des SPD war. Gerade zu dieser Zeit wurde das Bergsteigen aufgrund seines breiten nationalbewussten und ethischen Einflusses auf die geistige Erfahrung der Natur nicht nur als sportlich-rekreative Tätigkeit, sondern auch als wichtiger Teil der slowenischen Identität und Kultur erkannt. Besonders hervorzuheben ist das Bergsteigen als wertvoller Teil der kulturellen Aktivitäten unserer Landsleute im Ausland, das ihnen in Zeiten der größten entnationalisierenden Drücke ein wichtiger Pfeiler bei der Erhaltung der slowenischen Identität war.
Obwohl die Meinungen zur sogenannten gemeinsamen Alpenkultur im Alpenraum geteilt sind, besteht zweifellos in dem Bewusstsein der Bewohner der Berggebiete ein gemeinsamer Nenner, der mehr oder weniger charakteristisch für das gesamte Gebiet ist und in hohem Maße auch in der Alpenkonvention erfasst ist, deren Unterzeichnerin auch Slowenien ist. Dazu gehören unzweifelhaft Bemühungen um den Erhalt der Alpen und der Besiedlung der Berggebiete, die Begrenzung des Verkehrs und die nachhaltige Entwicklung von Tourismus und Freizeit. Natürlich dürfen dabei die zahlreichen ethnologischen und sprachlichen Besonderheiten der Bevölkerung in den Alpen nicht übersehen werden, die diesen Raum bereichern und ihn in einer globalisierten Welt einzigartig erhalten. Das Bewusstsein seiner Bedeutung im kulturellen Bereich belegen die Aufnahme der Dolomiten unter den Schutz der UNESCO-Weltkulturerbe und die Bemühungen der Bewohner von Chamonix, das traditionelle Bergsteigen in diese weltweite Sammlung kultureller Wahrzeichen aufzunehmen.
Das slowenische Bergsteigen und Alpinismus hat neben wichtigen Beiträgen in den grundlegenden Tätigkeitsbereichen (Hütten, Wege, Kartenerstellung, Ausbildung, Alpinismus, Bergrettung, Wandern...) zahlreiche Werke in den Bereichen Literatur, Malerei, Film und nicht zuletzt den Aljaž-Turm auf dem Gipfel des Triglav – als eines der erkennbarsten Symbole der Slowenentums – in den slowenischen Kulturschatz eingebracht. Mit der hartnäckigen Herausgabe des Planinski vestnik und finanziellen, vor allem inhaltlichen Beiträgen zum Bau und Betrieb des Slowenischen Alpinmuseums bereichert es neben zahlreichen Aktivitäten, die in Vereinen durchgeführt werden, weiterhin die Kultur der Bewohner unter dem Triglav. Die Mehrzahl der Aktivitäten wird von Bergsteigern ehrenamtlich erledigt, was auf einzigartige Weise die Kultur des Umgangs der Bergsteiger mit dem Erbe vergangener Generationen widerspiegelt und als Leitfaden für die Arbeit junger Generationen dient. Mit dem Auftauchen zahlreicher Aktivitäten, die die Bergwelt lediglich als Arena für ihre Ausübung betrachten, wird die Kultur des Umgangs mit der Natur in Zukunft auf eine harte Probe gestellt. Den Triglav-Nationalpark mit seiner ursprünglichen Mission zu erhalten und dennoch eine naturgemäße Entwicklung der Bewohner darin zu ermöglichen, wird eine Herausforderung nicht nur für Bergsteiger, sondern auch für den Staat sein, der gegenüber dem Bergsteigen und seinen herausragendsten kulturellen Symbolen (Slowenisches Alpinmuseum, Planinski vestnik und Aljaž-Turm) keinen besonders verantwortungsvollen und respektvollen Umgang zeigt.
Miro Eržen, Vizepräsident des Alpenvereins Slowenien