Internationaler Tag der Berge: Nachhaltiger Bergtourismus
10.12.2021
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 11. Dezember 2003 den Internationalen Tag der Berge ausgerufen, und seither begehen wir ihn weltweit. Der Alpenverein Slowenien bereitet jedes Jahr eine Botschaft zu diesem Tag vor, deren Thema in diesem Jahr nachhaltiger Bergtourismus ist; ihr Autor ist der Vizepräsident des PZS Martin Šolar.
Berge. Sind Berge nur ein rauer, aber überaus anziehender Teil unseres Planeten, oder sind sie Teil der Bergwelt, deren Bedeutung vielfältig ist? Fragen Sie sich je, was Ihnen Berge bedeuten? Wissen Sie, dass die Bergwelt 22 Prozent der gesamten Landoberfläche der Erde bedeckt, und in Slowenien sogar 40 Prozent? Die Bedeutung der Berge ist nicht nur ihre Rolle als Ziel und Motiv für Eroberer der nutzlosen Welt, sondern viel weiter gefasst und außergewöhnlich. Berge an sich, Menschen, die in Bergen leben, Vorteile und Produkte aus der Bergwelt, Wasser, Nahrung, Berglandwirtschaft und letztlich auch die Bedeutung der Berge für den Bergtourismus bzw. den Alpinismus im weitesten Sinne. Und gerade in letzterem findet die breite Öffentlichkeit die häufigste gedankliche Verbindung zu Bergen.
So ist es in der entwickelten westlichen Welt, im Kern der Entwicklung des Bergsteigens in den Alpen, so ist es auch bei uns in Slowenien. Immer mehr Menschen ziehen in die Natur, in die Hügel, in die Berge. Nicht nur sogenannte organisierte Bergsteiger, Mitglieder des Alpenvereins Slowenien, sondern auch viele andere. Von diesen anderen gibt es bei uns mindestens fünfmal so viele, da wir schätzen, dass mehr als dreihunderttausend Slowenen regelmäßig in die Berge gehen. Ist das in Ordnung? Berge stehen für Slowenen für einen gesunden Geist in einem gesunden Körper sowie nationale Identifikation durch den Aufstieg auf den höchsten slowenischen Berg. In den Bergen begegnen wir immer mehr Menschen, jedes slowenische Dorf baut seinen Tourismus auf Wandern, Bergsteigen, Alpinismus auf – nennen wir den Besuch der Berge, wie wir wollen. Sind die Berge auf eine solche Belagerung vorbereitet, sind wir Bergbesucher auf die Berge vorbereitet? Das sind die Schlüsselfragen im Zusammenhang mit dem diesjährigen hochaktuellen Thema des Internationalen Tags der Berge: Nachhaltiger Bergtourismus.
Berge stellen im Allgemeinen einen offenen natürlichen Raum dar, der trotz allem im Vergleich zu Großstädten, Vergnügungszentren und Einkaufszentren weniger bevölkert bzw. weniger besucht ist. Aufgrund von COVID hat sich der Bergbesuch stark erhöht, was einerseits positiv ist, da viele die oben genannten Treffpunkte durch Natur und Berge ersetzt haben. Gleichzeitig fragen wir uns angesichts dieser Tatsache, ob die Berge auf einen solchen Zuwachs vorbereitet sind und ob die Menschen, die gestern erst mit dem Berggehen begonnen haben, darauf vorbereitet sind. Was tun? Wie die Prinzipien der Vorsicht, Nachhaltigkeit und Verantwortung ins Herz des Bergtourismus pflanzen? Dieses Ziel ist äußerst wichtig, und wir müssen es verfolgen. Es ist nicht einfach, es hat seinen Preis, doch unsere Handlungen zur Erhaltung der Bergwelt und zugleich zur Sicherstellung echter Berg-Erlebnisse sind eine Investition in eine paradiesische Bergwelt für künftige Generationen. Mit der richtigen Haltung zur Natur in der Bergwelt werden wir sie erhalten, die biologische Vielfalt ist die Quelle unseres Überlebens. Mit nachhaltigem und gezieltem Bergtourismus werden wir auch kulturelle und spirituelle Werte sowie die Lebenswerte der Menschen, die in den Bergen leben, respektieren. Wahrer Bergtourismus fördert natürliche Wertschöpfungsketten für Nahrung und lokale Produkte im Allgemeinen.
Denken Sie an diese Dinge, wenn Sie vor oder nach der Arbeit in den Hang eilen, zur Hütte oder auf den Gipfel und sofort wieder schnell zurück? Denken Sie daran, wenn Sie über Maßnahmen der nachhaltigen Mobilität murren, weil Sie auf dem Weg in die Berge so weit wie möglich hinfahren wollen? Können Sie den Adrenalinkick des Hastens und Tobens in den Bergen, den Fitnessstudios und Stadien immer mehr ersetzen, durch die Ruhe des Blicks auf einen plätschernden Alpenfluss austauschen, Seele und Körper erholen und auf eingefangene Momente der Zeitlosigkeit in unseren wundervollen Bergen warten? Gehen wir respektvoll, vorbereitet und sicher in die Berge. Nehmen wir uns Zeit für Berg-Erlebnisse!
Martin Šolar, Vizepräsident des Alpenvereins Slowenien