Janja Garnbret Weltmeisterin im Bouldern
15.09.2018
Nachdem Janja Garnbret in Innsbruck bereits Vizeweltmeisterin im Lead geworden war, holte die slowenische Sportkletter-Heldin am 14. September auch die so sehnlichst gewünschte Weltkrone im Bouldern. Mit exzellenten Ergebnissen in beiden Disziplinen und einem soliden Resultat im Speed sicherte sich die 19-jährige Kärntnerin auch ein Ticket für die Premiere der olympischen Kombination, die am Sonntag auf dem Programm steht, und schrieb sich gleichzeitig in die Geschichte als erste Frau, die sich mit dem Titel Weltmeisterin in beiden Disziplinen rühmen kann, da sie im Lead bereits vor zwei Jahren in Paris siegte.
Janja Garnbret (Šaleški AO), der am 8. September der zweite Titel in Folge als Weltmeisterin im Lead-Wettkampfklettern um elf Sekunden entging, holte sich knapp eine Woche später die Weltmedaille im Bouldern und erfüllte so ihre Träume: „Meine Ziele gingen schrittweise. Zuerst wollte ich Weltmeisterin im Lead werden, als mir das gelang, wollte ich es auch im Bouldern. Ich war wirklich fokussiert und wollte diesen Sieg wirklich, weil ich wusste, dass er erreichbar ist. Nach dem Lead war ich nicht so enttäuscht über das Ergebnis wie über das, was passiert ist, aber ich wartete auf die Boulder, auf die ich das ganze Jahr hingearbeitet und hart trainiert habe. Das war mein Lebensziel, das ich jetzt erreicht habe. Wirklich unglaublich.“ Dominant bereits in Qualifikation und Halbfinale zeigte die 19-jährige Kärntnerin bei ihrer ersten Weltmeisterschaft im Bouldern auch im sehr anspruchsvollen Finale, dass sie eine Klasse für sich ist, vergaß ihre Schulterverletzung und sicherte sich den Sieg bereits vor dem letzten Boulderproblem. „Ich wusste schon vorher, dass ich gewonnen hatte, aber ich sagte mir, dass ich den letzten Boulder wirklich versuchen würde, aber es ging nicht, weil ich die ganze Zeit im Kopf hatte, dass ich Weltmeisterin bin und nichts mehr brauche. Ich weiß nicht, ob ich je so emotional vor Publikum war, das war wirklich ein unglaublicher Moment“, strahlte die neue Weltmeisterin im Bouldern, die wegen der Matura diesen Jahr den Boulder-Weltcup verkürzt mit zwei Siegen und einem zweiten Platz (von sieben Wettkämpfen) auf dem vierten Gesamtrang beendete, letztes Jahr Zweite. Silber freute sich die Japanerin Akiyo Noguchi, Dritte bei den letzten zwei Weltmeisterschaften, Bronze die Boulder-Europameisterin Staša Gejo aus Serbien.
Garnbret sicherte sich mit außergewöhnlichen Ergebnissen im Bouldern und Lead sowie dem 47. Platz im Speed – mit einer Zeit von 10,624 Sekunden stellte sie ihren persönlichen Rekord auf – den Eintritt ins Finale der Kombination aller drei Disziplinen, das erstmals in Österreich im olympischen Format ausgetragen wird. Am Sonntag messen sich die sechs Besten nach Produkt der Platzierungen in allen drei Disziplinen um den Höhepunkt der Weltmeisterschaft im Sportklettern, wie es auch bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sein wird. „Lead und Boulder waren mein Vorteil, die Kombination ist nicht mein Hauptziel, aber ich sehe, dass ich mich um die goldene Olympiamedaille bewerben kann. Mein aktuelles erste Platz in der Kombination bedeutet mir viel und ist ein guter Indikator für die Olympischen Spiele, natürlich wird es am Sonntag interessant sein, das Rennen in diesem Format zu sehen. Mein Ziel, unter die Top sechs Kletterinnen zu kommen, ist erreicht, jetzt kann ich nur noch genießen“, lachte eine der vielseitigsten Kletterinnen der Welt, die sich in die Geschichte einschrieb als erste Frau mit eroberten Boulder- und Lead-Titel, den sie als zweitjüngste Weltmeisterin der Geschichte vor zwei Jahren in Paris holte: „Es ist mir noch nicht in den Sinn gekommen, dass ich mit 19 schon zum zweiten Mal Weltmeisterin bin, ich denke, das kommt noch und erst in ein paar Tagen werde ich realisieren, was ich erreicht habe. Das ist wirklich eine unglaubliche Leistung, die ich immer im Herzen tragen werde.“
„Unser Ziel war, eine Hauptmedaille nach Hause zu bringen. Im Lead ist trotz Exzellenz nicht alles nach Plan gelaufen, im Bouldern hat Janja die Dinge aber schon in Qualifikation und Halbfinale in Ordnung gebracht und im Finale erneut bewiesen, dass sie bei ausreichend harten Aufgaben die Beste der Welt ist“, war stolz Gorazd Hren, Janjas Trainer und Chef der slowenischen Sportkletter-Nationalmannschaft, dessen rechte Hände die Trainer Luka Fonda und Urh Čehovin sind, während Physiotherapeut Peter Hribar eine wichtige Rolle spielte.
Im Halbfinale gab auch Katja Kadić (PK Škofja Loka) alles und holte sich bei ihrer ersten Weltmeisterschaft den 12. Platz. „An der Wand habe ich mich nicht am besten gefühlt, aber für meine erste WM ist der 12. Platz ganz solide. Natürlich wollte ich mehr, aber man muss warten – glücklicherweise kommt die Gelegenheit schon nächstes Jahr“, fasste die 23-jährige Laibacherin ihre Eindrücke zusammen, diesjährig Fünfte im Gesamtweltcup Boulder, die in Innsbruck in allen drei Disziplinen antrat.
Heute warten die Boulder-(Halb)Finale auch auf die Männer, unter den slowenischen Vertretern treten Jernej Kruder (ŠPO PD Celje Matica), Führender nach Qualifikation, und Gregor Vezonik (AK Ravne) mit dem 11. Qualifikationsergebnis ein.
Bei der Weltmeisterschaft im Bouldern vertraten die slowenischen Farben noch Mia Krampl (AO PD Kranj) auf Platz 33, Mina Markovič (ŠPK Plus) auf 37., Urška Repušič (ŠPO APD Kozjak) und Domen Škofic (ŠPO PD Radovljica) auf 39., Vita Lukan (ŠPO PD Radovljica) war 51., Anže Peharc (AO PD Kranj) 53., Tjaša Slemenšek (Šaleški AO) 63., Zan Sudar (AK Ravne) 68. und Luka Potočar (ŠPO PD Radovljica) 81.