Krajnc, Krišelj und Lindič in Patagonien...
9.03.2015
Krajnc, Krišelj und Lindič in Patagonien: Blockbuster Erstbesteigung und Cerro Torre über Adel
Luka Krajnc (AO PD Celje - Matica), Tadej Krišelj (AO PD Kamnik) und Luka Lindič (AO PD Celje - Matica), alle Mitglieder
des slowenischen Jugend-Alpinkaders (SMAR), das unter der Schirmherrschaft der Alpinkommission des
Alpenvereins Slowenien tätig ist, kletterten im Januar und Februar 2015 in Patagonien. Krajnc und Krišelj eröffneten in der Westwand
des Mojon Roja die Erstbesteigung der Felsroute Blockbuster, die sie im Blickzug durchstiegen. Die gesamte Dreiergruppe hat
später, bei Bedingungen günstiger für Schnee-Eis-Klettern, noch den Gratkammübergang der Adel-Gipfel absolviert und sich
über die Ragni-Route auf den Gipfel des Cerro Torre (3128 m), eines der markantesten patagonischen Gipfel, hochgearbeitet.
Trotz wechselhafter Wetterbedingungen, typisch für Patagonien, und ständiger Anpassung der Pläne konnten
die jungen slowenischen Alpinisten die Fenster klaren Wetters für Höchstleistungen nutzen. Luka Krajnc und Tadej Krišelj
kehrten nach zwei Jahren mit kühnen Plänen nach Patagonien zurück, wo sie im Januar 2013 die Erstbesteigungen The
Real Kekec am Fitz Roy und Dulce de Leche am El Mocho durchstiegen sowie die zweite Wiederholung des Südostgrats am Cerro
Torre nach Entfernung der Bohrhaken absolvierten. Im Osten des Cerro Torre stoppte sie diesmal ein Schneesturm, daher entschieden sie sich
für Klettern in der Westwand des Mojon Roja, die steiler und exponierter war als erwartet, die Qualität des Gesteins überraschte sie jedoch positiv. Am 20. Januar 2015 durchstiegen sie im Blickzug die 550
Meter lange Erstbesteigung Blockbuster, bewertet mit 6c, wobei die letzten 150 Meter zum Wandraum der
Route El Zorro folgten. „Die Wand erwies sich mit neunzehn Seillängen und 700 Metern sowie steilem Mittelhang als schwerer
und konstanter als erwartet. Das Klettern war ziemlich ernst mit den meisten Seillängen im oberen 6. Grad-Bereich,
die physischen Schwierigkeiten überschritten jedoch nie 6c. Die Route, die wir wegen ihrer Felscharakteristika
Blockbuster nannten, stiegen wir im Blickzug, in der Wand hinterließen wir nichts“, beschrieb Luka Krajnc den Aufstieg nach der Rückkehr
nach Slowenien.
Später stieß Luka Lindič zu Krajnc und Krišelj. Die Dreiergruppe versuchte im leichten Alpinkletterstil erneut in der
Ostwand des Cerro Torre und in der Schnee-Eis-Route Exocet am Standhardt, doch fallende Steine und Eis zwangen sie
beide Male zum Rückzug, dann machten sie sich Mitte Februar erneut ins Torre-Tal auf. Angesichts der
ungünstigen Bedingungen für freies Felsklettern entschieden sie sich zwischen dem 19. und 21. Februar 2015 für den Gratübergang
der Adel-Gipfel und Fortsetzung über die Ragni-Route zum Gipfel des Cerro Torre, eines der markantesten patagonischen Gipfel.
Der dreitägige Aufstieg mit Eisschneeabschnitten bis 90 Grad Neigung und 2000 Höhenmetern verdient die
alpinistische Bewertung AI5, M4. „Am ersten Tag des Aufstiegs starteten wir erst spät nachmittags und nutzten die kälteste Tageszeit für den sichersten Moment zum Aufstieg zum Trento-Sattel. Etwa hundert Höhenmeter unter dem Sattel richteten wir unter einem kleinen Serak ein Biwak ein. Nach vier Stunden Ruhe setzten wir den Weg zum Gipfel von Adel Sur fort und überquerten dann noch die Gipfel Adel Central und North bis zum Esperanca-Sattel. Die ganze Zeit suchten wir in atemberaubenden Ausblicken die günstigsten Übergänge zwischen gelegentlich riesigen Schneemasten und -pilzen. Bereits früh am Nachmittag setzten wir über die Ragni-Route bis zum Bereich El Elmo fort, wo wir mit Christine (Huber) und Caroline (North), die als erste Frauenseilschaft diese Route am Cerro Torre kletterten, an einem sehr bequemen Platz biwakierten. In der Nacht fielen weniger als fünf Zentimeter Schnee, morgens jedoch stiegen wir in exzellenten Eisbedingungen problemlos zum Gipfel auf und bis Mitternacht rappelten wir den Südostgrat zum Paciencia-Sattel ab, wo wir erneut in einer Eispalte biakierten.
Am nächsten Tag zufrieden mit der Zielwahl und der erledigten Tour stiegen wir nach El Chaltén ab“, schrieb Luka Lindič im Bericht.
„Die Jungs zeigten viel Reife, da sie im typisch unstabilen patagonischen Wetter einen passenden, noch recht anspruchsvollen Ziel fanden. Wir müssen uns bewusst sein, dass kein Aufstieg zum Cerro Torre einfach ist. Schade, dass das Wetter weitere ernsthafte Aufstiege verhinderte, aber sie können mit der neuen Route am Mojon Rojo und dem Gipfel des Cerro Torre sehr zufrieden sein“, kommentierte Miha Habjan, Leiter der Alpinkommission des PZS, die alpinistischen Erfolge in Patagonien.
„Die Saison bot keine längeren Perioden guten Wetters, und die Kletterer ertasteten nur die ersten Seillängen großer Ziele.
Glückwunsch den Jungs, die in solch unstabilem Wetter einen exzellenten Aufstieg über den Adel-Grat zum Torre-Gipfel schafften. In umgekehrter Richtung durchquerten die legendären Walter Bonatti und Carlo Mauri als Erste den Adel im fernen Jahr 1958,
als sie erkannten, dass der Cerro Torre für jene Zeit noch zu hart war“, bewertete der erfahrene Alpinist Silvo Karo den Aufstieg.