Mit Wissen und Erfahrung in die Berge im Winter...
11.12.2019
Mit Wissen und Erfahrung in die Berge im Winter - aus erster fachlicher Hand und nicht aus sozialen Medien.
Dem Winterbesuch der Berge verleihen niedrigere Temperaturen, kürzere Tage, geschlossene Hütten und spezifische Schneebedingungen den Stempel, weshalb der Aufbruch in die Berge im Winter genaues Planen, Beschaffung von Informationen vor Ort, Berücksichtigung persönlicher Erfahrungen, geeignete Ausrüstung und Wissen über deren Anwendung erfordert. Daher gehen wir bedacht und verantwortungsvoll in die Berge, Wissen erwerben wir bei glaubwürdigen und fachlich qualifizierten Kräften und nicht in sozialen Medien, betonten der fachliche Mitarbeiter der PZS und Bergretter Matjaž Šerkezi sowie der Leiter der Kletterkommission der PZS und Instruktor der Bergsteigerausbildung Franc Gričar auf der Pressekonferenz des Slowenischen Alpenvereins (PZS) am 11. Dezember, am internationalen Tag der Berge, auf dem Krvavec.
Das slowenische Hochgebirge liegt unter dicker Schneedecke, tiefer unten sind die Bergwege rutschig durch Feuchtigkeit und Vereisung, stellte der fachliche Mitarbeiter des Planinska zveza Slovenije und Bergretter Matjaž Šerkezi die aktuellen Verhältnisse in den Bergen vor: „Das Lawinengefahrgrad ist Stufe zwei auf der europäischen Fünf-Stufen-Skala, speziell oberhalb 1800 Metern Seehöhe, problematisch ist vor allem aufgeweihter Schnee. Bergwege und Abseitswege sind in dieser Höhe vereist durch Inversion und niedrige Nachttemperaturen. Nördliche Hänge, Wände, Gräben, vor allem schattseitige Bereiche, sind verschneit, der Schnee ist hart, verdichtet und vereist. In tieferen Lagen, vor allem im Wald, stellt trockenes Laub eine Gefahr dar, das schon allein rutscht, darunter verbergen sich feuchte Wurzeln und Steine, stellenweise auch vereister Untergrund. Die Verhältnisse im Mittelgebirge und Hochgebirge sind derzeit sehr unterschiedlich. So erreicht man z. B. das Kamniško sedlo trocken zu Fuß, nur die letzten 200 Meter des Weges sind stellenweise vereist und diesem lässt sich sicher ausweichen, während in Luftlinie 100 Meter entfernt für den Weg zum Kokrsko sedlo Steigeisen und Eispickel nötig sind, da der Weg verschneit und mit verdichtetem Schnee und Eis bedeckt ist.“
Dem Winterbesuch der Berge eignen sich auch andere Besonderheiten, die Franc Gričar, Leiter der Kletterkommission der PZS und Instruktor der Bergsteigerausbildung, hervorhob: „Die Tage sind kurz, Hütten geschlossen, in den Bergen liegt Schnee mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und mehrmals starker Wind. Nebel reduziert oft die Sicht und führt unerfahrene Berggänger schnell vom Weg ab, die Landschaft wird überall gleich, Panik ergreift den Menschen und es kann schnell zu einem Unfall durch Sturz über einen Felsen oder Ausrutscher auf nassem Boden kommen. Einzelpersonen begeben sich zu oft ohne passende Ausrüstung in die Berge, vergessen Stirnlampen, Erste Hilfe, warme Kleidung, um dann von der Nacht überrascht zu werden oder den Weg durch schlechte Sicht zu verfehlen. Im Winter verändert sich auch das Landschaftsbild und es ist nicht sicher, dass wir es, wenn wir es aus Sommertagen kennen, auch im Winter erkennen. Ein im Sommer gut sichtbarer Bergweg – bedeckt mit Laub oder Schneedecke – ist schlecht sichtbar. Daher ist gutes Orientierungswissen sehr wichtig und vor allem, dass wir eine qualitativ hochwertige Bergkarte und Kompass mitführen. Natürlich ist auch die App LocusMap auf dem Smartphone hilfreich, sie sollte aber keine Ersatz für die gedruckte Karte sein.“
Für den Besuch der Berge im Winter benötigen wir vollständige Winterausrüstung – Eispickel, Steigeisen und Helm, beim Hochgebirgsbesuch auch Lawinen-Suchgerät-Set. Vor jeder Tour muss der Zustand der Ausrüstung, die Schneebedingungen im Zielgebiet und die Öffnung der Hütten geprüft werden. Neben der technischen Ausrüstung für den Wintergang in die Berge benötigen wir alle Ausrüstung wie für sommerliche trockene Bedingungen, zusätzlich gute Winterbergstiefel, Gamaschen zum Schutz vor Schneeeintritt in die Schuhe, qualitativ hochwertige Kleidung, die vor Wind, Kälte und Feuchtigkeit schützt und gute Isolierungseigenschaften hat. Sonnenschutz ist nötig, vergessen wir auch Reservekleidung nicht und die Tatsache, dass im Winter der Tag kürzer ist und die meisten Hütten geschlossen sind, weshalb wir mehr warme Flüssigkeit und Nahrung im Rucksack brauchen.
„Bei der Vorbereitung auf eine Tour müssen wir uns fragen, ob unser Wissen und unsere Erfahrungen der Schwierigkeit der gewählten Tour entsprechen. Immer mehr Berggänger gehen mit passender Ausrüstung in die Berge, wissen sie aber nicht zu bedienen od. bedienen sie falsch. Steigeisen an den Füßen und Wanderstöcke in den Händen, Eispickel in den Händen ohne Handschuhe, weite Hosen, Kopf ohne Helm bedeckt, Gurte über den Knien hängend, Sicherung am Seil mit falschem Knoten oder zwei Berggänger ohne Sicherung verbunden, Lawinensucher oben auf der Kleidung oder im Rucksack, mit Mikrosteigeisen auf den Gipfel des Grintovca ... all das sind tödliche und gefährliche Kombinationen, derer sich Unerfahrene nicht bewusst sind. Beim Ausrutschen oder Fallen sind die ersten Sekunden entscheidend und selbst die geschicktesten Alpinisten meistern sie schwer, geschweige denn jemand, der das Bremsen mit dem Eispickel noch nie versucht hat und keine Handschuhe anhat. Im Nu verliert er Haut und Muskeln an der Hand, lässt den Eispickel fallen und rutscht unkontrolliert den Hang hinunter wie ein voller Rucksack,“ ergänzte Šerkezi und beleuchtete auch den gefährlichen Populismus sozialer Medien: „Im letzten Jahr war auffällig, dass der Populismus sozialer Medien Individuen geweckt hat, die die Prävention in den Bergen für Werbezwecke ausnutzen und so bestimmte Produkte und Ausrüstung bewerben. Meist sind ihre Ratschläge Umbearbeitungen von PZS- und GRZS-Nachrichten, aber aus dem Kontext gerissen und falsch dargestellt, da sie meist von Influencern ohne Bergsteigerwissen oder deren Erfahrung basiert nur auf wenigen Touren oder Kursen sichereren Gehens präsentiert werden. Ebenso tauchen Individuen auf, die über ihre Kompetenzen und ihr Wissen in die Berge führen, was besonders gefährlich ist. Aus diesem Grund müssen wir vorsichtig sein, wenn wir einen Bergführer engagieren oder energiegeladene Beiträge von Individuen in sozialen Medien folgen.“
Zur technischen Ausrüstung, die wir für sichereren Hochgebirgsbesuch im Winter brauchen, gehören Steigeisen, Eispickel und Helm. „Für den Hochgebirgsbesuch ist die einzig richtige Wahl 10- oder 12-Zacken-Bergsteigersteigeisen. Verschiedene Mikrosteigeisen, Ketten und andere Gummivarianten, die in den letzten Jahren ein echter Modehit sind, gehören in die Stadt und auf flachere Gelände, da sie keine Vorderzacken haben und nicht für ernstere Bergsteigertouren geeignet sind, leider haben sie letztes Jahr auch zum Tod einer Bergsteigerin auf dem Grintovec beigetragen,“ betonte Šerkezi nochmals und zeigte die Gefahr von Mikrosteigeisen bei Verwendung auf ungeeignetem Gelände, da sie auf Steigung von den Schuhen abrutschen können, was zu Ausrutscher führt. Der Instruktor der Bergsteigerausbildung Gričar zeigte die richtige Verwendung von Steigeisen und Eispickel, wobei wichtig ist, dass sobald Steigeisen an den Füßen sind, die Stöcke durch den Eispickel ersetzt werden – nur so können wir uns im Fall eines Sturzes erfolgreich stoppen, den Kopf schützt der Helm: „In den Bergen ist geeignete Ausrüstung essenziell, die man auch richtig bedienen muss, für die Sicherung, der eigenen und anderer Tourenteilnehmer, sind auch passende Erfahrungen nötig, die nur durch Kilometer in den Bergen erworben werden. Zu Wintertouren gehen wir anfangs unter dem wachsamen Auge qualifizierter Führer in Bergsteigervereinen oder Bergführern, Wissen kann man auch auf verschiedenen Winterkursen für Bewegungen in der Bergwelt erwerben. Erfahrene Berggänger prüfen vor dem Aufbruch immer Lawinenlage, Wettervorhersage, Wegzustand, Hüttenöffnung ... Das ist eine wichtige Datenquelle. Qualitativ hochwertige und geprüfte Tourinformationen erhält man auf der Website des Planinska zveza Slovenije oder in gedruckten Führern und Bergkarten der PZS.“
Dass Winterberge trotz ihrer Schönheit gefährlich sind, legt Bergbesuchern auch Gorazd Gorišek ans Herz, Autor des in diesem Jahr erschienenen Führers In die verschneiten Berge. „Allen Nutzern des Buches lege ich ans Herz, dass Winterberge, obgleich schön und mächtig, auch gefährlich sind. Der Bergführer lädt vor allem ein und warnt weniger. Dafür dient fachliche Literatur, noch mehr empfehle ich Kurse für sicheres Bewegen in Winterbedingungen und Lawinenschutz. Spart nicht Zeit und Geld für Schulungen. In den Bergen seid ihr sicherer und Erlebnisse vollständiger. Viel Erfolg auf verschneiten Gipfeln!“ betont der erfahrene Bergsteiger, der hauptsächlich leichtere Mittelgebirgsgipfel vorstellt, für Bergsteiger-Gourmets aber auch einige anspruchsvollere Hochgebirgstouren, insgesamt 55 Ziele in den Julischen Alpen, Karawanken, Kamnik-Savinja-Alpen, Primorska, Notranjska, Posavje und Zillertaler Alpen.
Ebenso ist das Lawinen-Dreiergespann obligatorischer Teil der technischen Ausrüstung jedes Bergsteigers, erläuterte Gričar: „Der LVS dient der groben und die Sonde der feinen Ortung des Unfallopfers, die Lawinenschaufel dem schnellen und effektiven Ausgraben, da die Überlebenschance in einer Lawine in den ersten 15 Minuten nach dem Verschüttetsein am höchsten ist. Das Lawinen-Dreiergespann muss immer komplett verwendet werden, da nur das Ganze effektives Suchen des Verschütteten in einer Lawine ermöglicht, wofür wiederum Wissen und Erfahrung nötig sind.“ Jeder, der im Winter in den Bergen ist, sollte den Bidirektionstest des LVS beherrschen, das Suchen des Verschütteten mit LVS und das Ausgraben beherrschen. Am häufigsten sind Skipieler gefährdet, die beim Pulverjagen manchmal die Gefahr des weißen Todes vergessen, um weniger Unfälle in den Bergen zu haben, lohnt es sich, die Empfehlungen des Verbands der Bergsteigerorganisationen des alpinen Bogens (CAA) für sicheres Skitourengehen zu beachten, auf die sich auch die PZS aktiv auf die im Winter in den Bergen vorhandenen Risiken einstellen will. Fachleute empfehlen, gesund und körperlich fit in die Berge zu gehen, die Tour genau zu planen, alle nötige Ausrüstung richtig zu verwenden, sich mit Schneebedingungen vertraut zu machen und Lawinenrisiko einzuschätzen, auf der Tour auf Orientierung und Pausen achten, Abstand zwischen Gruppenmitgliedern halten, Stürze vermeiden, in kleinen Gruppen und nicht allein Ski fahren, gleichzeitig die Natur respektieren.
Bergretter greifen Jahr für Jahr häufiger ein. Bis zum 10. Dezember 2019 führten sie 587 Rettungsaktionen durch (im Vergleich zu 537 im Vorjahr ganztags), davon 41 mit tödlichem Ausgang (31 im Vorjahr). Dass unter den Einsätzen der Bergretter sehr wenige Vorfälle bei organisierten Bergsteigaktivitäten sind, kann ein Aufruf an Bergbesucher sein, sich einem der 292 Bergsteigervereine und -clubs anzuschließen, schloss Šerkezi ab und stellte Neuigkeiten zur Mitgliedschaft in der Bergsteigerorganisation vor: „Die Mitgliedsbeitrag erhöht sich im Jahr 2020 leicht aufgrund des neuen Versicherungsvertrags und steigender Lebenshaltungskosten, was auch bessere Versicherungssummen für die Deckung von Rettungskosten im Ausland bedeutet, da wir 2019 mehreren Personen im Ausland in Not geholfen haben. Bei der Kfz-Versicherung zögern wir nie, bei der eigenen Versicherung sind wir ohne Überlegung bereit zu sparen. Der Eurobeitrag zum Bergsteigerfonds bleibt als Zeichen der Solidarität für Hilfe bei Hüttensanierungen erhalten, Neuheit ist, dass bei Mitgliedschaft in mehreren PZS-Vereinen nicht mehr zwei volle Beiträge gezahlt werden müssen.“