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Neuigkeiten / Nach 40 Jahren erfolgloser Aufstiege...

Nach 40 Jahren erfolgloser Aufstiege...

18.08.2018
Nach 40 Jahren erfolgloser Aufstiege Česen, Stražar und Livingstone erstmals auf dem Latok 1 vom Norden.



Der Karakorum-Siebentausender war in den letzten vier Jahrzehnten ein unerfülltes Ziel für mehr als 25 Alpinistenexpeditionen aus aller Welt, den slowenischen Alpinisten Aleš Česen und Luka Stražar sowie dem Briten Tom Livingstone gelang es Anfang August, die Erstbegehung einer 2400 Meter hohen Route im Nordwand des Latok 1 zu meistern und am 9. August 2018 den 7145 Meter hohen Gipfel zu erreichen, wodurch sie sich mit dem zweiten Aufstieg auf diesen pakistanischen Siebentausender und dem ersten erfolgreichen Aufstieg von der Nordseite in die Geschichte einschrieben.



„Zwischen dem 14. und 22. Juli führten wir zwei Aklimatisationsaufstiege (bis 6300 m) auf umliegenden Gipfeln nördlich über dem Choktoi-Gletscher durch. Danach erwischte uns eine längere Phase instabilen Wetters. In der Nacht des 5. August betraten wir den Nordcouloir des Latok 1. Bis 6500 Metern kletterten wir im Bereich des Nordcouloirs, dann bogen wir rechts zum Sattel zwischen Latok 1 und Latok 2 (6700 m) ab. Am fünften Tag des Kletterens erreichten wir den Gipfel des Latok 1 (7145 m). Dies war der zweite Aufstieg auf den Gipfel, der erste von der Nordseite über den Choktoi-Gletscher, trotz einer farbenfrohen 40-jährigen Geschichte erfolgloser Versuche von der Nordseite. In den folgenden zwei Tagen anstrengender und nächtlicher Abstiegs erreichten wir sicher den Fuß des Berges“, schilderte Aleš Česen (Alpski gorniški klub), Leiter der alpinistischen Expedition Choktoi 2018, die auch vom Alpenverein Sloweniens kofinanziert wurde, die Details des Aufstiegs nach der Rückkehr ins Tal aus Pakistan. Luka Stražar (Akademski AO) ergänzte einige technische Details: „Der Großteil des Kletterens war in steilem Eis und Schnee, unterbrochen von mehr oder weniger steilen, aber kurzen Felsbarrieren. Technisch war fast kein Abschnitt der Route extrem schwierig. Die Hauptprobleme waren die Länge der Route, undurchsichtige Übergänge und wie man alles zu einem sicheren Ganzen verbindet. Die Schneebedingungen in der Wand waren keineswegs ideal, aber übermäßiges Jammern darüber würde trotzdem völlig unberechtigt erscheinen.“ Die beiden Slowenen und der Brite Tom Livingstone erreichten den Gipfel des Latok 1 am 9. August 2018, die 2400 Meter lange Erstbegehung, die sie mit ED+ bewerteten – eine erhöhte höchste Stufe der französischen Sechstufen-Skala –, nannten sie Česen-Livingstone-Stražar.



Der Karakorum-Siebentausender, interessant wegen seiner technischen Schwierigkeit und ästhetischen Anziehungskraft, beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie und vereitelt die Pläne von Alpinisten aus aller Welt, doch das slowenisch-britische Team fand eine Route, die den ersten Aufstieg auf den Latok 1 von der Nordseite ermöglichte: „Wie bei jedem Aufstieg in den größten Bergen legten wir auch diesmal den intensivsten Fokus auf den Sicherheitsaspekt. In unserer Zeit unter dem Berg untersuchten wir zahlreiche Lawinenrinnen und abstürzende Seracs. Dementsprechend legten wir unsere Aufstiegsroute im oberen Teil etwas nach rechts zum Westsattel fest. Dies erschien uns die schnellste und sicherste Linie unter den gegebenen Bedingungen. Aus denselben Gründen folgten wir beim Abstieg der Aufstiegsroute genau, obwohl dies an vielen Stellen technisch wesentlich anspruchsvoller war als eine direktere Abstiegsroute zu wählen.“



Den Gipfel des Latok 1 eroberte vor der slowenisch-britischen Expedition nur die japanische Expedition unter Leitung von Naoki Takada im Jahr 1979, die über die Südwand kam. 1978 versuchte über den Nordgrat erstmals eine amerikanische Expedition der erfahrensten Alpinisten jener Zeit (Jim Donini, Michael Kennedy, Jeff Lowe, George Lowe) den Latok 1 zu begehen, musste aber nach 20 Tagen Klettern 150 Meter unter dem Gipfel wegen Krankheit eines Mitglieds umkehren. In den folgenden vier Jahrzehnten war der Latok 1 Ziel von mehr als 25 Expeditionen von Spitzenalpinisten, 2015 versuchten im Nordcouloir auch die slowenischen Alpinisten Luka Lindič und Luka Krajnc, mussten aber wegen starker Schneefälle bei ca. 6200 Metern umkehren.



Dem Team Česen-Livingstone-Stražar gelang es nach 40 Jahren erfolgloser Versuche, den nordischen Fluch des Latok 1 zu brechen, was, wie sie erklären, „eine Kombination aus mehreren Faktoren ist. Dass man für die begangene Route topfit sein musste, steht außer Frage, aber allein mit Muskeln in einer solchen Wand endet man schnell sehr kläglich. Es musste viel Erfahrung und Gespür für die Suche nach der besten Route im Labyrinth von Schneerinnen, riesigen Schneemützen und Felsbarrieren investiert werden. Drittens war einiges taktisches Denken nötig, zu welchem Tageszeit man welchen Wandabschnitt klettern soll. So kletterten wir viel nachts, was z. B. die Orientierungskomponente des Aufstiegs erheblich erschwert. Am Ende braucht es natürlich auch etwas Glück mit den Bedingungen und vor allem dem Wetter. Irgendwie haben wir das alles zu einem Ganzen vereint und gehofft, bis ganz zum Gipfel zu kommen.“



Im Juli dieses Jahres endete der Versuch der russischen Expedition auf den Latok 1 tragisch, da Sergey Glazunov tödlich verunglückte und Alexandra Gukova nach mehreren Tagen in der Wand in einer dramatischen Hubschrauberaktion gerettet wurde, der auch die slowenischen Alpinisten und der Brite beiwohnten. „Die Rettungsaktion wurde von unserem Basislager hauptsächlich von der dort anwesenden zweiten russischen Expedition unter Victor Koval koordiniert. Wir boten Unterstützung mit etwas fehlender Rettungsausrüstung und waren Vermittler für Wetterinformationen, wenn nötig. Als Gukova gerettet war, halfen wir dem Hubschrauberteam auf dem Gletscher, in das Drama selbst haben wir uns unnötigerweise nicht eingemischt. Da unser Ansatz zur Route völlig anders war als bei der unglücklichen russischen Expedition, versuchten wir den Einfluss der dramatischen Ereignisse auf ein Minimum zu reduzieren. Solch eine Tragödie lässt einen natürlich nie völlig unberührt“, berichtete Česen noch aus Pakistan.
         
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