14.01.2022
Allgemeine Gefahrenstufe - Freitag, 14. 1. 2022
Die Gefahr beträgt Stufe 3 auf der europäischen fünfstufigen Skala - BEDEUTEND.
Hauptproblem: Windschnee, Nasser Schnee
Gefahrenmuster: Abkühlung nach warmem Wetter / Erwärmung nach Frost
Risikobewertung
Die Lawinengefahr liegt derzeit oberhalb von ca. 1800 m ü. M. MÄSSIG, Stufe 2, tiefer geringer, Stufe 1, wird sich aber tagsüber durch Erwärmung STEIGERN. Besonders gefährdet sind Südhänge, wo viel frischer Windschnee liegt, der sich bei stärkerer Belastung der Schneedecke lösen kann. Tagsüber erwarten wir, dass die Verankerung des Windschnees an der alten Schneeunterlage nachlässt, weshalb Spontanlawinen möglich sind. An ausgeprägten Südlagen, die weniger windexponiert waren, kann auch eine Nassschneelawine entstehen. Im Hochgebirge liegt Windschnee auch an Nordhängen, hat sich dort aber besser mit dem Untergrund verbunden. Auch steilere Rinnen mit größeren Windschneemengen sind gefährlich. Windexponierte Lagen sind stark ausgefegt, stellenweise bis zur alten, teils vereisten Unterlage, daher besteht dort Rutschgefahr.
Schneelage
In den Bergen setzt sich das trockene und meist klare Wetter fort. Die Schneelage ist sehr unterschiedlich. Bereits am Donnerstag tagsüber wurde es deutlich wärmer. An sonnigen Hängen unter ca. 1800 m schmolz die Schneedeckenoberfläche, nachts gefror sie. Es bildete sich Kruste. An Lagen, die nicht stark Sonne und Wind ausgesetzt sind, ist der Deckenaufbau noch locker. Durch starke Temperaturunterschiede in der Schneedecke kam es zu Reifbildung. Windexponierte Stellen oberhalb der Baumgrenze sind stark ausgefegt bis zur alten Schneeunterlage oder blank. Lokal vereist. Auch am Mittwoch und Donnerstag wehte im Hochgebirge mäßiger bis starker Nordwind, der gelegentlich noch Schneestaub transportierte. Viele Schollen, meist an Südhängen.
Erwartete Wetterentwicklung
Das trockene und stabile Wetter setzt sich fort. In tieferen Lagen markante Temperaturwende. Heute klar. Schwacher bis mäßiger Nordwind. Noch wärmer. Temperatur in 1500 m ca. 8, in 2500 m ca. 2 °C. Samstag meist klar, in Mittelgebirge einzelne niedrige Wolken. Schwacher Nordwind. Etwas kühler. Temperatur in 1500 m ca. 4, in 2500 m ca. 0 °C. Sonntag ebenfalls meist klar mit etwas hoher Zirrusbewölkung. Meist schwacher Westwind. Temperatur in 1500 m ca. 4, in 2500 m ca. -1 °C, nachmittags kühler. Montag vorübergehend bewölkt. Nordwind nimmt wieder zu, etwas kühler.
Entwicklungstendenz der Schneelage
Durch Erwärmung wandelt sich die Schneedecke an Südlagen etwas schneller um, dieser Prozess tritt vor allem unter ca. 2000 m ü. M. stärker auf. Nachts friert die Schneedecke noch ein und taut tagsüber auf. In tieferen Lagen taut auch Schnee ab. Durch Erwärmung wird der Schnee an Südhängen tagsüber etwas labiler, sodass an steilen Hängen mit Windschnee Plattenlawinen leichter ausgelöst werden können. Morgen mittags und nachmittags können sich an steilen Hängen auch spontan Verbundschneelawinen lösen. Durch Abkühlung stabilisiert sich die Schneedecke montags. An Nordlagen bleiben die Verhältnisse weitgehend unverändert. Nächster Lawinenbericht am Montag, 17.1.2022.
Nächste Ausgabe: Montag, 17. 1. 2022
Quelle: ARSO