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Neuigkeiten / Slowenische Alpinisten haben eine Erstbegehung...

Slowenische Alpinisten haben eine Erstbegehung...

10.11.2022
Slovenische Alpinisten haben eine Erstbegehungsriss auf dem Berg Pomlaca/Ngole East durchstiegen.

Slovenische Alpinisten Matija Volontar, Bor Levičnik und Žiga Oražem haben Ende Oktober im Himalaya einen 1100 Meter langen Erstbegehungsriss auf den 6180 Meter hohen Berg Pomlaca durchsteigen.

Erstbegehungsriss

Screaming Barfies, Pomlaca (Ngole East) (6180 m): AI5/70°-90°/IV-V, 1100 m

Matija Volontar, Bor Levičnik und Žiga Oražem, 23.-24. Oktober 2022




Das erste Ziel dieser herbstlichen Expedition, deren Mitglieder Matija Volontar, Bor Levičnik und Žiga Oražem waren, war der fast 7000 Meter hohe Tengi Ragi Tau (6938 m). Er liegt im nepalesischen Teil des Himalayas an der Grenze zwischen dem Rolwaling-Tal und dem Thame-Tal. Der Zugang zum Thame-Tal ist anfangs gemeinsam mit dem Pfad, der unter den Everest führt.


Die drei erfahrenen Kletterer, die bereits zusammen geklettert sind, sowohl zu Hause in den slowenischen Bergen als auch in Südamerika, und alle einst der Slowenischen Jugendalpinistenauswahl (SMAR) angehörten, bemerkten während der Akklimatisation eine weitere interessante Option: Pomlaca. Dies ist ein weniger bekannter 6180 m hoher Gipfel, der auch Ngole East genannt wird.

„Es ist ziemlich überraschend, einen so unerforschten Gipfel im beliebten Khumbu-Tal zu finden, aber der erste Grund ist, dass Pomlaca im Schatten viel größerer Gipfel liegt. Der zweite Grund ist, dass es schwer ist, den Weg zum Fuß des Berges zu finden. Fünf Stunden haben wir den Weg zwischen den Seracs gesucht. Aber der unbekannte Berg hat uns verzaubert und wir haben das Hauptziel aufgegeben, auf das wir uns Monate vorbereitet hatten, und den Fokus auf den neuen Berg verlagert“, sagte Expeditionsleiter Matija Volontar.


„Der Beginn unserer Reise nach Nepal begann mit Regen, Schlamm und nervösem Warten auf Wetterbesserung. Der Inlandsflug wurde storniert und so verlängerten wir den Weg ins Basislager um vier Tage. Im Basislager hörte nach 12 Tagen der Regen endlich auf und wir begannen mit der Akklimatisation. Zum ersten Mal hatten wir die Möglichkeit, die Berge zu betrachten, die das Thame-Tal umgeben, und bald erregte die Westwand des Sechstausenders Pomlaca unsere Aufmerksamkeit. Die Motivation für die völlig unberührte und klettertechnisch interessante Wand war größer als das geplante Ziel, so entschieden wir uns für einen Versuch“, ergänzte Bor Levičnik.

Außergewöhnlich schnelles Klettern zum Gipfel


Das gut akklimatisierte Team stieg in außergewöhnlich kurzer Zeit zum Gipfel auf. „Das erste Drittel der Wand ist ziemlich steil bzw. senkrecht, hauptsächlich kletterten wir auf verdichtetem Schnee, Eis und etwas Fels. Die Neigung lag die ganze Zeit zwischen 70° und 90°. Der mittlere Wandteil war etwas flacher, aber die Suche nach geeigneten Passagen hielt uns gut beschäftigt. Zum Überwinden des Gipfelgrats kletterten wir meist auf Fels, außer die letzten 50 Meter, wo das Gelände sich allmählich abflachte und uns zum Gipfel von Pomlaca 6180 m führte. Nach gut 8 Stunden Klettern betraten wir den Gipfel. Ein außergewöhnliches Gefühl! Wir wählten einen anderen Abstieg, der dem Grat nach Osten über mehr oder weniger exponierte schnee- und felsige Hänge folgt. Die Bedingungen in der Wand waren, außer einem kurzen Abschnitt in der Mitte, sehr gut, was uns schnelles Vorankommen und die Durchführung der Tour in zwei Tagen ermöglichte. Wir hatten uns auf eine Dreitage-Tour vorbereitet“, erklärte Volontar. Das Team kehrte dann in sein Basislager im Dorf Thyangbo zurück.


Die Route nannten sie „Screaming Barfies“, was man ins Slowenische ungefähr übersetzen könnte als das Gefühl, das man in den Fingern bekommt, wenn nach Erstarrung durch Kälte das Blut wieder zu zirkulieren beginnt und es sehr weh tut. „Eine Route bekommt normalerweise ihren Namen nach einem Vorfall während des Kletterns selbst. Diesmal war während des Kletterens eine höllische Kälte, die Schreie beim Zurückkehren des Blutes in die Glieder verursachte.“

Neue Route durchstiegen, aber Gipfel bereits erstiegen



Obwohl die Jungs anfangs aufgrund von Gerüchten der Einheimischen dachten, sie hätten den Jungfraugipfel von Pomlaca erstiegen, was ihnen auch von den Chronisten nepalesischer Expeditionen (Himalayan Database) in Kathmandu bestätigt wurde, stellten sie später fest, dass dies nicht ganz stimmt. „Nach mehreren Stunden Durchsuchen des Webs und Kontaktieren verschiedener Leute habe ich endlich die Information bekommen, dass wir nicht die Ersten sind, die diesen Gipfel erstiegen haben. Ein französisches Team stand bereits 2005 oben. Es stimmt aber, dass wir die Ersten sind, die die Westwand durchstiegen haben“, fügte Expeditionsleiter Matija Volontar hinzu und schloss: „Am Anfang dachten wir, der Gipfel sei unbestiegen, aber nach umfangreicher Suche stellte sich das anders dar. Das ändert natürlich nichts. Die Hauptmotivation zum Klettern war die neue Route über die unbestiegene Wand. Ein neuer Gipfel wäre nur die Kirsche auf der Torte gewesen. Der Grund, warum die Himalaya Database-Vertreter zunächst die Jungfräulichkeit des Gipfels bestätigten, ist, dass sie unter falschen Suchbegriffen suchten und den Eintrag zum bestiegenen Gipfel in ihrer Datenbank nicht fanden.“

Eindrücke der Expeditionsmitglieder:


Bor Levičnik: „Ein Monat Himalaya bietet ein Erlebnis, das sich mir für sehr lange Zeit ins Gedächtnis eingeprägt hat. Zu den Erinnerungen zähle ich sowohl kleine Triumphe als auch Ausrutscher, mit denen ich mich regelmäßig auseinandersetzen musste. In diesem Land der Riesen hatte ich plötzlich jede Menge Zeit, mich meinen Gedanken zu widmen, was für jemanden, der im Alltag kaum Zeit hat, auf die Uhr zu schauen, ein ziemlicher Schock ist. Dort ist die kleinste Zeiteinheit ein Tag. In den Bergdörfern dreht sich das gesamte Leben um diese Denkweise und die Nervosität, an die wir gewöhnt sind, wird oft durch ein einfaches Lächeln, ein Schulterzucken und den Gedanken ersetzt: ‚Ach Weißer, es eilt nirgendwo hin.‘“

Matija Volontar: „Ich freue mich, dass bei der Entscheidung zur Zieländerung die Unsicherheit darüber gesiegt hat. Das hat uns ermöglicht, alle möglichen Vorurteile abzulegen und einfach den Einsatz zu genießen. Vielleicht klappt es, vielleicht nicht. Am Ende hat unser Sprung ins Unbekannte sich gelohnt. Und das stark. Wir haben eine Erstbegehung über die Jungfrauwand in guten Bedingungen durchgestiegen. Noch immer kann ich nicht ganz fassen, wie viele Dinge zusammenpassen mussten, damit uns das gelang.“



Žiga Oražem: „Nicht alles ging so, wie wir es uns vorgestellt hatten, aber wir haben uns angepasst, die ursprünglichen Pläne geändert und es geschafft. Auf dem Weg hatten wir ein paar Meinungsverschiedenheiten, die wir erfolgreich überwunden haben.“
         
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