Triglav ist unser - neue historische Entdeckungen von Dušan Škodič
15.11.2023
Triglav ist unser, das neue Buch des unermüdlichen Forschers der Bergsteigergeschichte Dušan Škodič, zum diesjährigen 130. Jubiläum der Gründung des Slovenskega planinskega društva (SPD), Vorgängers des Planinska zveza Slovenije (PZS), beleuchtet auf Basis unerwartet entdeckter Archive neu die Anfänge des organisierten Bergsteigens und Alpinismus in Slowenien. Es bietet eine anschauliche Beschreibung der SPD-Aktivitäten, im Hintergrund derer nationale Reibungen immer offensichtlicher und grober wurden, und der Autor verwebt geschickt die Geschichte des Symbols der Slowenentums Triglav hinein. Im Zentrum des zweiten Teils des Buches steht der Alpinismus mit einer Reihe bisher unbekannter Anekdoten über Klodwig Tschad, die Drenovci und andere sowie über die Julische Alpen, die gefürchtete Wand und die Planung einer Zahnradbahn auf den Triglav. Škodič spricht über das Buch im neuesten PZS-Podcast V steni, stellt es am 22. November auf der Slowenischen Buchmesse in Ljubljana vor, am 11. Dezember aber beim Hauptereignis des Festivals Brati gore in Kamnik.
„Der Hauptgrund für die Aufhellung der Anfänge des organisierten Bergsteigens und Alpinismus auf unserem Boden war einfach. Die deutsche Gefahr, die einst drohte, unsere Berge zu germanisieren, besteht seit über hundert Jahren nicht mehr, unsere Bergsteigergeschichte wird aber praktisch seit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie geschönt und gereinigt dargestellt“, betont der Buchautor Dušan Škodič, gut bekannt bei Liebhabern der Bergsteigerliteratur, da bei Planinska založba bereits vier seiner Werke erschienen sind: die ausverkaufte Sammlung historischer Geschichten Ljudje v gorah, die Sammlung bergsteigerischer Humoresken Smeh z gora, der bergsteigerisch-historische Führer Meja na razvodnici und das neueste Buch Triglav ist unser. „Der Zweck dieses Buches, das die slowenische Nation in Verbindung mit unseren Bergen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs behandelt, ist kein Versuch, die Bergsteigergeschichte zu verändern oder Verdienste von Menschen zu rehabilitieren, die aus dem Gedächtnis verschwunden sind, weil sie Angehörige eines feindlichen Volkes wurden. Damit möchte ich die Risse in der Zeit füllen, damit alles einen echten Sinn erhält.
Aus Škodičs Buch Triglav ist unser, das von Andrej Mašera herausgegeben wurde, spiegelt sich die Realität des Lebens in der damaligen viel民族igen Monarchie wider. Nach ihrem Zerfall entstanden neue Staaten, die Zeit der Anfänge des Bergsteigens und Alpinismus wurde aber von bewusster Vergessenheit bedeckt, die nur schwarz-weiße Kapitel bewahrte. „Das Buch Triglav ist unser erzählen historische Archive, die noch vor Kurzem unbekannt waren. Seine Geschichte ist menschlich blutig unter der Haut und viel interessanter als die, die wir kannten. Sie wurde von echten Menschen geschaffen, mit ihren guten und schlechten Eigenschaften. Vor allem ist sie logisch und ohne graue Lücken“, sagt Škodič und fügt hinzu: „Wann, wenn nicht jetzt zum hohen Jubiläum, ist endlich die Zeit, ihr ins Auge zu blicken? Schon wegen unserer bergsteigerischen und alpinistischen Vorfahren, die eine aktive Rolle darin spielten und die Slowenen unter die wichtigen Alpenvölker stellten ...“
Die unerwartete Entdeckung eines umfangreichen verlorenen Archivs in Innsbruck 2021 ermöglichte es, die Risse in der Zeit zu füllen und die Vielschichtigkeit der Geschichte unseres Bergsteigens und Alpinismus zu beleuchten, da das gesamte alte Archiv aus der SPD-Zeit 1958 bei einem Brand zerstört wurde, als die Räume der PZS abbrannten. „Am erschütterndsten war die Tatsache, dass der SPD zu Beginn fast drei Jahre lang eine Zweigstelle des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins DÖAV war. Hätte das jemand einst laut gesagt, wäre es wegen des nationalen Kampfes um unsere Berge fast blasphemisch gewesen. Doch sowohl die Beitritts- als auch Austrittsdokumente, die die SPD-Führung nach Österreich schickte, belegen es, da sie die Unterschriften führender Funktionäre tragen. Das war eine Information, die unsere Vorfahren vor mehr als hundert Jahren ihren Nachfolgern vollständig verschwiegen haben ... Ebenso vergessen waren die alpinistischen Erfolge der Alpinisten auf Krain, die mit ihrem bedeutendsten Vertreter, dem Laibacher Tschad, schon vor dem Ersten Weltkrieg zur europäischen Spitze gehörten“, spricht Škodič über die wichtigen Entdeckungen.
Bei der Erarbeitung dieses Buches hat sich Škodič in zahlreiche historische Quellen vertieft und unter anderem den Lebensweg und die Bedeutung des deutschen Alpinisten Klodwig Tschad untersucht, über den wir bislang wenig wussten, der aber vor dem 1. Weltkrieg wahrscheinlich der beste Alpinist bei uns war. Interesse weckt auch das Kapitel über den Bergführer Janez Košir, den ersten Slowenen, der dokumentiert bereits 1908 die Deutsche Route in der Nordwand des Triglav erstieg, begleitet von den bekannten österreichischen Alpinisten Franz Zimmer und Gustav Jahn. Einen besonderen Platz im Buch nimmt auch die großartige Planung der Eisenbahnlinie von Bohinjska Bistrica bis ins Voje-Tal und weiter einer Zahnradbahn auf den Triglav ein.
Zum wertvollen Archiv gelangten gleichzeitig und in Zusammenarbeit mit Marija Mojca Peternel, Germanistin am Department für Geschichte der Philosophischen Fakultät in Ljubljana, auch Rezensentin des Buches. Die neuen Erkenntnisse sind auch für das deutschsprachige Umfeld äußerst aktuell, da Škodičs wissenschaftlicher Artikel heuer auf Deutsch in beneidenswerter Auflage erschienen ist: „Der Artikel behandelte die deutschen Zweigstellen des DÖAV auf unserem Boden, nationale Zwistigkeiten um die Berge und alle Kulissengespräche und freche Unterstellungen, die auch in die Zeitungen jener Zeit gelangten, noch mehr aber verborgen blieben. Die Monarchie zusammen mit den deutschen Zweigstellen beendete der Erste Weltkrieg, dieses Kapitel aber hat später in Deutschland und Österreich niemand mehr behandelt. Das Schicksal der deutschen Zweigstellen auf Krain interessierte sie genau dort, woher sie die verlorenen Archive weiterleiteten. Der Archivar in Innsbruck, der die ganze Zeit freundlich half, schlug dem Chefredakteur vor, den Text ins Deutsche zu übersetzen und im Jahrbuch Berg 2024 zu veröffentlichen, das vom Deutsch-Österreichischen Alpenverein und dem Südtiroler Alpenverein gemeinsam herausgegeben wird. Das Jahrbuch wird jährlich in über 20.000 Exemplaren verkauft, was für unser Sprachgebiet wissenschaftliche Science-Fiction ist.“
Vandots Erzählung vom heldenhaften Kekec könnte auch eine übertragene Geschichte des jungen SPD sein. Die Ähnlichkeit ist fast zu groß, um rein erfunden zu sein, stellt Škodič im anschaulichen Vorwort fest, das für das Buch einen bedeutsamen Titel und auch eine leicht provokative Umschlaggestaltung wählte. Das Foto eines Mädchens, das fröhlich über den Aljaž-Turm tapst, entstand 1919, einige Monate nach dem Zerfall der Monarchie. Der beschädigte und zerfallende Turm spiegelt den realen Zustand des damaligen Bergsteigens wider und war in jenem Moment noch weit entfernt vom slowenischen Nationalsymbol. „Der kurze und knackige Titel, der zugleich das Motto des gesamten Buches ist, birgt das Paradoxon der Vorgeschichte unseres organisierten Bergsteigens und Alpinismus vor dem Zerfall der Monarchie. Im Fall der Slowenen und Deutschen, die um unsere Berge kämpften, war das Bild nicht schwarz-weiß. Natürlich hob der Nationalismus alles auf eine ganz andere Ebene, und Handlungen wurden immer frecher. Im Buch stelle ich die Kulissenstreitigkeiten und gegenseitigen Unterstellungen dar, die in vertraulichen Dokumenten erhalten blieben. Gleichzeitig ist unbestritten, dass beide, Slowenen wie einheimische Deutsche, die meist slowenischer Herkunft waren, das Land Krain, seine Berge und den Triglav von ganzem Herzen als ihr Eigen betrachteten.“
Dušan Škodič, der am 2. Dezember 2023 Festredner bei der Verleihung der höchsten Auszeichnungen des Planinska zveza Slovenije in Ljubno sein wird, und seine bergsteigerische Forschung könnt ihr im neuesten PZS-Podcast V steni gründlich kennenlernen. Vor das Mikrofon lud ihn PZS-Vizepräsident Miha Habjan.
Am Mittwoch, 22. November 2023 um 12 Uhr begleitet Škodič das Buch zu den Lesern auf der Slowenischen Buchmesse in Ljubljana. Auf der Autorenbühne auf dem Gospodarsko razstavišče wird mit ihm Manca Ogrin sprechen.
Triglav ist unser steht im Mittelpunkt des 130. Jubiläums des Planinska zveza Slovenije beim Hauptereignis des Festivals der Alpenkonvention Brati gore 2023. Am Internationalen Bergtag, 11. Dezember 2023 um 18 Uhr, wird in der Bibliothek France Balantič in Kamnik Matjaž Šerkezi mit Dušan Škodič und PZS-Präsident Jože Rovan sprechen. Das Event organisieren PZS und das Ministerium für natürliche Ressourcen und Raumordnung der Republik Slowenien gemeinsam.