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Neuigkeiten / Wenn der Berg kein Zufluchtsort mehr ist

Wenn der Berg kein Zufluchtsort mehr ist

10.01.2026
Über Einbrüche, Strafen und Kommerzialisierung des „neuen“ Bergraums

Die Bergwelt wurde mit dem Aufkommen des „Tourismus“ lange als Raum verstanden, in dem der Mensch zumindest für ein paar Stunden die Alltagssorgen ablegt. Wo die Luft dünner wird, die Gedanken klarer, und wo es scheint, als wäre die Welt noch von ruhigeren, menschlicheren Gesetzen geordnet. Doch in den letzten Jahren begegnen wir in den Bergen immer häufiger einer Realität, die einst den Städten vorbehalten war: Einbrüche, Diebstähle (auch legale), Strafen, Kommerzialisierung und das Gefühl, dass die Idylle langsam der Logik der „modernen Ära“ weicht.

Ein Einbruch, der mehr zerstört als Diebstahl
Das Beispiel, das Algorithmen aus der italienischen Scarena vorschlagen, ist nur eines von vielen. Die Kletterin Giulia Groppi fand nach einem Tag an der wundervollen Wand ihr Auto zerstört: eingeschlagene Türen, durchwühlte Innenräume, zerstörte Sitze, verschwunden die Tasche mit Dokumenten, Brille, Mundschutz für …, Kamera und Kleidung. Gesamtschaden: rund 2000 Euro. Doch der größte Verlust waren nicht die Euro — sondern das Sicherheitsgefühl, das sie in der Natur hatte.
Solche Fälle passieren auch bei uns. Klettergärten, Tourenstartpunkte, Parkplätze an Forststraßen — sie werden immer häufiger Ziel von Dieben, die wissen, dass Bergsteiger und Kletterer stundenlang abwesend sind. Der Schaden durch Einbruch ist oft größer als der Wert des Gestohlenen, doch das Gefühl der Ohnmacht ist der größte Mȃnjək.

Auf der anderen Seite: Strafen für Parken, wo „nicht erlaubt“
Das Paradoxon der modernen Bergwelt ist, dass ein Bergsteiger, der am Rand einer Schotterstraße parkt, eine Strafe erhält, die niedriger ist als der Schaden durch einen Einbruch. Ein Polizist oder Jagd- oder Forstinspektor (aus stark unterbesetzten Institutionen) schreibt einen Bußgeldbescheid, weil das Auto ein paar (Zenti)meter außerhalb des markierten Bereichs steht — während Diebe unkontrolliert agieren.
Bergsteiger befinden sich so in einer ungewöhnlichen Lage: Parkt man „richtig“, riskiert man Einbruch; „falsch“, Strafe. In beiden Fällen zahlst du.

Die dritte Geschichte: Kommerzialisierung von Parkplätzen
Und dann gibt es noch die dritte Schicht: Kommerzialisierung des Zugangs. In manchen Bergregionen — immer häufiger in kleinen „großen Dörfern“ — entstehen Parkplätze wie aus dem Nichts. Bezahlt, eingezäunt, überwacht. Mal unter der Schirmherrschaft der Lokalgemeinde, mal von Einzelpersonen, die zugleich Alpinisten, Retter, Bürgermeister, Unternehmer, Tourismusarbeiter usw. sind.
Grundsätzlich ist ein geordneter Parkplatz willkommen. Doch wenn jeder Zugang zur Natur zu einem Geschäftsmodell wird, fragt man sich: Ist das noch gemeinsamer Raum oder Infrastruktur, für die man zahlen muss, um überhaupt den Weg betreten zu können?

Ist die Idylle vorbei?
Die Frage, die immer mehr Menschen nicht stellen, ist nicht romantisch, sondern sehr praktisch: Werden wir uns auch in den Bergen an Anarchie, Kriminalität, Kommerzialisierung und totalen Respektmangel gewöhnen müssen, die den Rest der Welt erfasst haben?

Vielleicht ist die Antwort weniger dramatisch, aber nicht weniger ernst. Die Bergwelt mit Infrastruktur ist nicht mehr isoliert von gesellschaftlichen Prozessen. Auch hier treffen Interessen, Geld, Kontrolle, Kontrollmangel, Kriminalität und Bürokratie aufeinander. Auch hier zeigen sich die Risse der modernen Gesellschaft.
Doch zugleich bleibt die Bergwelt ein Raum, in dem die Gemeinschaft noch etwas verändern kann.
Kletterer, Bergsteiger, Lokalgemeinden und Retter gehören oft zu den am stärksten vernetzten Gruppen.
Gerade diese Vernetzung kann Gegengewicht zur Anarchie sein.
Es geht nicht um Moralisieren, sondern um Realität. Parkplätze an Startpunkten sollten sicher sein, nicht nur bezahlt; Polizei und Lokalgemeinden sollten Einbrüche als ernstes Problem behandeln, Bergsteiger wachsam, aber nicht ängstlich sein. Institutionen, die auch aus Staatsmitteln gespeist werden, sollten sicherstellen, dass der Bergraum zugänglich bleibt, nicht ausschließlich kommerzialisiert. Am Anfang jedes Wanderwegs (an öffentlicher Straße) muss ein Parkplatz (angemessen den Bedürfnissen) oder Haltestelle des ÖPNV sein, was Verwalter (und Förderer) ignorieren, obwohl sie nicht nur Brosamen vom Staat bekommen.

Die Idylle ist vielleicht nicht mehr selbstverständlich. Aber das bedeutet nicht, dass sie verloren ist.
Berge waren immer ein Raum, in dem man Verantwortung lernt — für sich, andere und den genutzten Raum. Vielleicht ist jetzt die Zeit, bevor wir wirklich vom „Prostituieren dieses Raums“ schreiben und reden, diese Verantwortung auf Themen auszudehnen, die wir früher nicht mit Bergen verbanden: Sicherheit, Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Zugänglichkeit.

Quelle: https://gore-ljudje.net/novosti/ko-gora-ni-vec-zatocisce/
         
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