Sehr geehrte Kollegen Wanderer und Bergliebhaber,
mich interessiert Ihre Meinung zum (im "Nachrichtenarchiv") genannten Gesetzentwurf zur Begrenzung der Fahrten mit Fahrzeugen in der natürlichen Umwelt?
Mit großer Freude habe ich die Nachricht aufgenommen, dass ein lange erwarteter Entwurf des Gesetzes über die Fahrt mit Fahrzeugen in der natürlichen Umwelt auf dem Weg ist. Die Tatsache ist, dass das Gesetz eine große Anzahl von Verstößern betrifft und schon deshalb ein sehr sensibles Thema ist. Daher scheint mir die Idee, einen Vergleich gemacht zu haben und uns an den Gesetzgebungen der Nachbarländer zu orientieren, prinzipiell in Ordnung, aber ich habe bestimmte Bedenken hinsichtlich des Erfolgs des neuen Gesetzes in der Praxis. Das Problem sehe ich vor allem im slowenischen „National-Sport“, das ist das Brechen von Vorschriften, das zusätzlich durch die vollständig unwirksame Aufsicht seitens der dafür zuständigen staatlichen Organe gefördert wird. Deshalb würde ich mir eine noch systematischere Regelung der Gesetzgebung wünschen, die die natürliche Umwelt vor der Zerstörung durch egoistische und umweltunbewusste Fahrer von Motorfahrzeugen in der natürlichen Umwelt schützen würde.
Ich schlage vor, dass die Gesetzgebung auch in den Bereich des Verkaufs und Marketings jener Motorfahrzeuge eingreifen sollte, deren Nutzung der vorgeschlagene Gesetzentwurf behandelt. Falls der Kauf nur für Zielgruppen von Nutzern erlaubt wäre, die berechtigt sind, Motorfahrzeuge in der natürlichen Umwelt zu nutzen (siehe Art. 4 des Gesetzentwurfs), würde sich die Anzahl von Schneemobilen, Cross-Motorrädern, Geländequads usw. erheblich verringern. Mit klaren Regeln zu Rechten am (Nicht-)Kauf würde sich sicherlich auch der Einfluss unbewusster zukünftiger Eigentümer auf die Zerstörung der natürlichen Umwelt verringern.
Dass es keineswegs um eine vernachlässigbare Anzahl von Fahrzeugen im Privatbesitz von „Adrenalin-Fans“ geht, ist schon daraus ersichtlich, dass man bei Kleinanzeigen, z.B. auf avto.net, einige Tausend Anzeigen für Schneemobile, Cross-Motorräder und Geländequads findet.
Der Mangel an geeigneter Gesetzgebung zeigt sich schon darin, dass etliche Anzeigen für Schneemobile an bekannten Orten unseres wunderschönen Pohorje aufgenommen wurden.
Mein zweiter Vorschlag wäre die obligatorische Registrierung und Versicherung von Fahrzeugen. Ich sehe keinen Grund, worin z.B. Schneemobile mit 100 oder 200 „PS“ und der Fähigkeit, Höchstgeschwindigkeiten über 200 km/h zu erreichen, von anderen Fahrzeugen (z.B. Mofas mit bis 45 km/h) abweichen, dass sie deshalb nicht registriert werden müssten. Damit wäre auch die Identifikation des Fahrers im Gelände möglich, da trotz Verbot der Fahrt mit „besonderen Motorfahrzeugen“ im Straßenverkehr (Art. 96 ZVCP) die Praxis so ist, dass im Winter einige verschneite Straßen als Poligon genutzt werden. Adrenalin-Begegnungen mit entgegenkommenden Schneemobilen kann man so jeden Winter erleben, z.B. auf dem oberen Teil der Straße Lovrenc na Pohorju – Pesek (Rogla).
Bei alledem stellt sich auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der vorgesehenen zukünftigen staatlichen Subventionen und Erleichterungen beim Kauf umweltfreundlicher Fahrzeuge, während andererseits die schlimmsten Verschmutzer mit Zweitaktmotoren und Lärmpegeln, die in der Automobiltechnik völlig undenkbar sind (120 dB Lärm gegen übliche 80 dB bei Pkw), legal verkauft werden. Und solche Technologie befindet sich in Fahrzeugen, die für die Fahrt in der natürlichen Umwelt bestimmt sind!
Ich glaube, dass in unserem schönen Slowenien endlich die Zeit kommt, in der wir aufhören, uns etwas vorzumachen, was richtig und was nicht ist, und dementsprechend einen angemessenen gesellschaftlichen Konsens schaffen. Wir müssen uns entscheiden, was wir für die Zukunft wollen: sind uns die „verrückten Adrenalin-Lust“ einer Handvoll arroganter moderner Emporkömmlinge wichtiger oder die unberührte Natur, die wir den Nachkommen übergeben könnten. In den gegenwärtigen Verhältnissen ist es nichts Ungewöhnliches, dass sich immer wieder heuchlerische Initiativen, unterstützt durch Lobbying der Händler, ergeben, im Sinne: wenn der Staat den Verkauf von Fahrzeugen erlaubt (und es ihm sehr gelegen kommt, Steuern einzuziehen), dann haben Käufer/Eigentümer der Fahrzeuge das Recht, diese (uneingeschränkt?) zu nutzen.
Gutgesinnte Menschen haben das schon in ihren Köpfen geklärt, und sonst ist zu bemerken, dass das Bewusstsein für Naturschutz in Slowenien steigt.
Grüße an alle Liebhaber gesunder Erholung und unberührter Natur,
Marijan