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Beschreibung: Ich weiß, dass es normal ist, wenn normale Leute normale Dinge tun. Die Wahrscheinlichkeit, sich beim Zähneputzen mit der Zahnbürste ein Auge auszustechen, ist ähnlich wie die, dass ein Terrorist, der vor Ihnen in der Tram nach Výtoň sitzt, während der Fahrt zur Arbeit eine Bombe an seinem Körper zündet. Aber es gibt auch ziemlich fast normale Leute, die ab und zu gerne Dinge anders, mehr und überhaupt machen. Und wenn zwei solche Spinner aufeinandertreffen, fügt sich alles zusammen, genau wie gestern. Mein Kumpel Roman aus Holic und ich hatten mal gemeinsam die Idee, dass es interessant wäre, alle Acht-Hunderter der Vysočina auf einen Streich zu durchqueren. Bei genauerer Kartenauswertung stellte sich jedoch heraus, dass der höchste Punkt der Českomoravská vrchovina eine gewisse Javořice (837 m) ist, die mehr als sechzig Kilometer Luftlinie vom „Rest“ aller Vysočina-Acht-Hunderter und Žďárské vrchy entfernt liegt. Und das ist blöd. Roman und ich haben aber nicht aufgegeben, und gestern nach dem Mittagsläuten auf dem Telč-Platz sind wir mit unseren Gravel-Bikes zuerst zur Javořice und dann hundert Kilometer nördlich zur Vysočina mit ordentlichen 1500 Höhenmetern aufgebrochen. Als Start- und Endpunkt der „Krone der Vysočina“ haben wir logischerweise Nové Město na Moravě gewählt, wo wir unsere Räder sicher abstellen mussten. Ich erinnerte mich vage, dass hier irgendwo der einzige tschechische Inhaber der Himalaya-Krone, Radek Jaroš, wohnt, und haben die Räder unauffällig in seine Scheune geworfen, als er nicht zu Hause war. Wir waren gerade beide halbnackt beim Umziehen von Fahrradklamotten in Wanderzeug, als uns Radeks Olga bei der Scheune erwischte und ohne mit der Wimper zu zucken fragte, was mir noch nie jemand gestellt hat: „Mögt ihr Steinpilze?“. So war das Abendessen gesichert, und bei Sonnenuntergang sind wir endlich zu den restlichen siebzehn Gipfeln aufgebrochen! 63 Kilometer mit 1800 Höhenmetern haben wir in vierzehn Stunden durch Abend, ganze Nacht, Morgendämmerung und heftigen Regenmorgen geschafft, der mich mehrere ekelhaft riesige blutige Blasen von zu engen Schuhen kostete. Obwohl Olga nicht mehr zu Hause sein sollte, erwischten wir sie unerwartet beim Weg zur Arbeit. Sie warf sofort ihre Arbeits Sachen weg und stellte uns eine weitere sehr einfache Frage: „Also Eier mit Speck oder ohne?“. Diese Nacht, in der ich 7000 kcal verbrannt und achtzehn schmerzhafte Aufstiege erlebt habe, vergesse ich nie. Und sobald meine Füße verheilt sind, werden die Erinnerungen nur schön sein. Danke Roman, dass du so ein Tier bist und mich am Ende so gehalten hast! Mein Organismus hat jetzt viel zum Nachdenken.
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Videolänge: 11:26
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