Aber damals gab es weniger Unfälle. Nicht wegen der Ausrüstung, sondern weil uns die Eltern auf das Berggehen vorbereitet haben! Damals haben in den Schulen auch Pionier-Bergsteiger und Bergsteigerschule angefangen.
Und heute? Ins BTC und die snobistischste Ausrüstung besorgen und ab.....
Aber missversteht mich nicht. Gute Ausrüstung ist nötig, die nicht behindert und in der man sich wohlfühlt. Viel wichtiger ist aber die Bergenerziehung, damit der Mensch weiß, wie man in den Bergen geht!
Diese Debatte ist nicht so einfach. Grundsätzlich muss man etwas wissen: In diesen paar Jahrzehnten hat sich die Gesellschaft (na ja, nicht vollständig, nicht überall und nicht nur zu dieser Zeit) von überwiegend ländlich (oder zumindest mit lebendigen Bindungen ans Land) zu überwiegend städtisch verändert. Folge davon ist auch, dass Menschen schon von Kindheit an viel weniger an Bewegung in der Natur gewöhnt sind, viel schlechteres Gefühl für Bewegung auf anspruchsvollem Gelände haben. Und das merkt man auch in den Bergen. Schauen wir uns ein schönes Beispiel an, wie heute Wege bewertet werden, die vor Jahrzehnten entstanden sind. Ich wage zu behaupten, dass jenes Schneefeld auf der Hanzova vor fünfzig Jahren nicht einmal der Erwähnung wert war. Die Leute wussten sich auf steilem Schnee zu bewegen. Heute ist das ein Problem geworden. Die Leute sind einerseits viel besser trainiert und klettern viel besser (denkt nur an das, wozu Sportkletterer fähig sind), andererseits haben sie viel schlechteres Gefühl für bröckeligen Untergrund, steiles Gras, anspruchsvolle ungesicherte Abschnitte. Deshalb hören wir heute so oft, dass auf anspruchsvollen Wegen die technisch schwierigen Abschnitte regulär "die leichtesten" sind, mehr Probleme gibt's dazwischen auf irgendeinem leichten, aber heiklen Stück. Letztlich sind Symptome davon auch Klettersteige - der heutige Mensch will in seiner Bergwahrnehmung größtenteils die technische Schwierigkeit steigern und gleichzeitig sicher sein. Jener ursprüngliche Kontakt zur ungesicherten Welt, die auch gefährlich sein kann, obwohl leichter, wird immer weniger. Nun - ihr könnt behaupten (ich schließe mich da teilweise an), dass der Ansatz von vor fünfzig Jahren besser war. Aber das ändert nichts daran, dass sich die Zeiten geändert haben und jene Zeiten nicht wiederkommen. Deshalb weiß ich nicht, ob es berechtigt ist zu behaupten, dass man uns damals besser auf die Berge vorbereitet hat. Einfach war uns die anspruchsvolle Welt vertrauter. Um jene Zeiten kann man bedauern, aber - jetzt haben wir, was wir haben, und in die Berge gehen wir immer noch gerne, auch wenn vielleicht ein bisschen anders.