| suhy11. 08. 2022 02:28:12 |
Über die Bosova-Rinne wird so viel und begeistert geredet, dass sich sogar ein vollständiger alpinistischer Analphabet endlich überzeugen ließ, einmal hineinzubeißen. Mut allein reicht natürlich nicht für glänzende Klettererfolge, es braucht auch etwas grundlegendes Wissen über die drei für sicheres Bewegen nach oben auf unvermeidlichen Sicherungspunkten, falls der Kletterer keinen harten Aufprall am Grund der Schlucht will, dazu starke geistige Standhaftigkeit und übervolle Maß körperlicher Kräfte, Geschicklichkeit und Zähigkeit. Und versteht sich Helm, der darf bei der Kletterausrüstung nicht fehlen, denn eine ehrliche Seele weiß nie, wann von oben ein unnützlicher Brocken herunterrollen könnte. Der Mann liest all die Schriften, die viele Kenner dieser Gegenden unter Brana großzügig zur Verfügung gestellt haben und im Internet zu finden sind, aus Luftbildern zeichnet er sich die Route, die er durch die Rinne nehmen wird, und fädelt sie in einen handlichen Satellitenkompass ein, damit die kosmische Mechanik, die hoch am Himmel um Mutter Erde kreist, ihn sicher findet, falls er irgendwo Unbekanntes verirrt und den Bergrettungsmannschaften topografisch eine Menge Mühe erspart, den irregegangenen Unglücklichen ausfindig zu machen. Nach all dem startet der Mann von Jermanci, wohin die Straße für Zweispur-Fahrzeuge schön geglättet ist, im leichten Trab frühmorgens Richtung Pastirci und einige Minuten davor zieht er die Schnalle an, driftet links ab und keucht den Schuttkegel hoch zum ersten Sprung in der Bosova-Rinne. Das Klettern in der Rinne ist wirklich leichtfüßig, als würde man Champions Janja G. an einer Kletterwand beobachten. Der Höhenmesser zeichnet ohne Unterlass atemberaubende Ergebnisse auf. Irgendwo in der Rinne Mitte stößt der Mann auf – frei nach Demenz - Andrej, Marjeta und Andraž, die dieselben Neigungen haben, Kaptana und Brana zu erobern. Nur sie haben die Rinne schon mehrmals vermessen, der Mann ist trotz seines beneidenswerten EMS ein Pionier darin. Sie gehen zusammen weiter, denn in der Eintracht liegt die Kraft. Das bedeutet natürlich, dass alle Orientierungsprobleme, die den Mann tags zuvor gequält haben, als er verschiedene Beschreibungen vieler Autoren durchging, wo, wann, wohin, wieviel, wozu, wie, warum, womit..., beim Kampf mit den Wänden des Kaptana, unwiderruflich verdampft sind. Stolz, die Rinne bezwungen und Kaptana erobert zu haben, trennt sich der Mann von der freundlichen Dreiergruppe, trottet zur Brana und am Kamniško sedlo in angenehmer Sonne vor der Hütte bindet er seine Seele mit Hopfen-Saft. Als die Osmose dafür sorgt, dass der Spiritus aus dem Bier ins Kreislaufsystem sickert, taucht plötzlich links gegenüber der Brana eine kolossale Felsmasse auf, die hoch in den Himmel ragt. OMG, WTF was ist das jetzt? Schnell durchsucht er sein Terabyte-Speicher und entdeckt darin 128-Bit-Keilschrift, dass es nichts anderes als die uralte Planjava sein kann. Der frisch in die Blutbahn gesickerte Spiritus, der den Geist leicht vernebelt, verleiht den unteren Rumpfteilen trotz globaler Energiekrise noch ein paar bescheidene GWh Energie und der Torso des frischgebackenen Alpinisten jagt bereits im nächsten Augenblick mit unglaublicher Geschwindigkeit den markierten Weg in die Felswand. Und es vergeht nicht viel Zeit, da steht er triumphal auf dem Gipfel. Ja, sagt er stolz in unendliche Fernen starrend, die Kamnische Alpen sind wirklich ein wundervoller Brocken Heimatboden, Schatztruhe natürlicher Wunder, himmlischer Ausblicke, Beispiel ursprünglicher unberührter Fauna und Flora. Ist es auch im Repov kot so, stellt sich der Mann philosophisch die Frage. Während er unter dem Srebrno sedlo kämpft und auf spärlichem Geröll auf steilen Felsen taumelt, stellt er zufrieden fest, dass auch der Repov kot ein Juwel der KSA ist. Und so soll es ewig bleiben. https://www.gpsvisualizer.com/display/20220810174039-28228-map.html
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