Wie Tone schon schrieb, sind wir samstags früh aufgebrochen, um den Grat von Goličica bis Planja zu traversieren. Bis zum Gipfel Goličica brauchten wir 3 volle Stunden. Für Tone und die anderen drei zog sich der Anstieg wie Hühnerdärme hin, hauptsächlich weil mein Geh-Tempo deutlich langsamer war als sie leisten können.
Oben haben wir uns eingeseilt und das erste Stand gesucht. Direkt vom Gipfel sind wir in die erste rechte Rinne abgebogen und deren rechter Seite gefolgt. Als es nicht mehr ging, querte man links über steiles Geröll und Gebüsch. Die Rampe ca. 20 Meter runter und darunter auf das erste Stand an starkem Buschwerk gestoßen. Anže hat dort gleich zwei 60m-Seile für den Abseil vorgelegt. Anže zuerst, dann ich und Tone, nachdem Lea und Nejc uns kontrolliert haben. Von Goličica bis zum Fuß Germlajt drei aufeinanderfolgende Abseilungen je ca. 40 Meter. Alle drei kosteten eineinhalb Stunden. Aus der Rinne stiegen wir dann Gras neben dem Felsgrat zum grünen Germlajt in einer halben Stunde hoch. Der Berg hat eine völlig grasbewachsene Südwand in 30 Grad Neigung und ziemlich eben. Am Grat fällt er senkrecht zur Seitentale Mlinarice ab. Germlajt-Gipfel ist felsig, dann setzt der Grat mit drei, vier grünen Gipfeln fort.
Auch in die Mulde zu den Kanceljni abgeseilt. Erstes Stand rechts unter dem zweiten Gipfelchen, in der Wandmitte ca. 30m tiefer noch eins. Mit 60m-Seilen konnten wir in einem Zug bis unten. Dann folgte Abstieg rechts abwärts durch die Rinne. Nach ca. 50 Metern kam ich zu einer Stelle, wo ich unbeladen wahrscheinlich 'mit vollen Hosen' abgestiegen wäre. Mit Sohn Anže an Sicherung ging es problemlos. Diese zwei gesicherten Stellen zusammen nahmen eineinhalb Stunden gut in Anspruch. Von da an war kein vernünftiger Übergang sichtbar. Tone erinnerte sich leider an nichts von vor sieben Jahren, als er den Grat mit Dragot querte. Hier kam Nejc mit seinem Handy ins Spiel. Er hatte alle Fotos von Filip Culjak aus 2020 geladen. Er stellte fest, dass Bilder 28, 29 und 30 genau von unserem Standort gemacht wurden. Respekt dafür. Vorsichtig kletterten wir die schmale Bank links um die Schulter des Veliki stolp Kanceljnov und weiter zum schwierigsten Teil des Aufstiegs. Das ist die Rinne auf Tones Bild Nr. 43. Kletterei bis dahin soll 2.-3. Grad sein, diese Rinne 4. Das stimmt wahrscheinlich, da ich bis zur Rinne unbeladen problemlos hochkam. Mitten drin 'fror' ich etwas ein. Angeleint kletterte ich diesen Teil mit etwas mehr Mühe ohne Hilfe weiter. Die Rinne endete am Grat, wo sofort ein 20m steiler Abstieg folgte. Mit viel Vorsicht hätten wir uns alle unbeladen abseilen können, aber da das Seil zur Hand war, sicherten wir. Zwanzig Minuten später standen wir schon oben an den Kanceljni.
Es war halb fünf, vor uns noch die härteste Nuss - Prevčev-Turm (Tone nennt ihn Grdoba). Kanceljni sind mit ihm durch einen schmalen 10m langen Grat verbunden. Direkt dahinter kamen wir zu einem Punkt, von dem aus nichts mehr geht. Anže schlug direkt durch die senkrechte Wand vor, was mir gar nicht behagte. Glücklicherweise sah Nejc wieder den richtigen Weg. Rechts führte eine horizontale, kaum sichtbare Bank, über der Nejc auch zwei Haken fürs Einclippen entdeckte. Nejc baute am ersten Haken ein Stand, Anže stieg mit zwei Seilen die schmale senkrechte Rinne 5-10m hoch und weiter auf etwas leichterem Hang bis er bequemer sichern konnte. Ich kletterte hinterher. Nach Mihelič soll der Weg 4+ bis 5- sein. Hier aber ohne Hilfe des Sohnes und ohne einen Griff des Sets wäre ich wahrscheinlich nicht hochgekommen. Vollkommen erschöpft saß ich ein paar Minuten, dann über den Gipfelgrat hoch. Nach mir Nejc mit zwei neuen Seilen, am Ende Tone und Lea. Dann folgte der Abseil in die Hruška. Dafür braucht man zwei 60m-Seile, sonst muss man in der Wand noch ein Stand bauen. Wir sahen keines vorgebaut. Da die Zeit knapp wurde, sind Lea und ich direkt nach dem Abseil weiter Richtung Planja, da wir wussten, dass die anderen drei uns einholen können. Während unseres Aufstiegs kam Nebel runter. Oben an der kleinen Planja warteten wir auf die anderen drei, dann zusammen abgestiegen über Geröll ins Joch zwischen den Planjas. Kein einfacher Weg zur Großen. Man kann in die erste Rinne und ein paar Meter höher rechts in die zweite queren, oder direkt in die zweite, wo über einem verklemmten Block man am selben Punkt ankommt. Von da noch gute zehn Meter bröseliges Kraxeln und man ist oben. Als wir oben standen, lichtete sich der Nebel und die letzten Samstagsstrahlen beleuchteten uns. Noch ein paar Fotos gemacht und zur Pogačnik-Hütte geeilt. 21:40 waren wir da.
Die ganze Tour dauerte 15 Stunden. Abseilungen 5 Stunden, zwei gesicherte Aufstiege eineinhalb Stunden und Pausen an Gipfeln eineinhalb Stunden gut. Wie Tone schrieb, müssen wir unseren jungen Begleitern schön danken, ohne sie hätten wir diesen Coup sicher nicht geschafft. Anže hat alle Wege vorgestiegen und uns gesichert und alle Stände eingerichtet, Nejc war fehlerfreier Navigator und Abbauer, Lea hat penibel geprüft, ob Tone und ich sicher eingeseilt waren. Sie hat sich um uns gekümmert wie um ihre Väter. Danke an alle drei.
Mihelič schrieb in Slovenske stene, dass das unser anspruchsvollster Grat ist. Ich stimme voll zu. Anspruchsvollster und wildester. Der schönste für mich bleibt der Grat der Bavški Pihavci.