Mit dem Finger auf der Karte suchte ich nach dem nächsten Ziel... Irgendwo ins Hochgebirge, aber nicht zu hoch, weil ich keine Schneeausrüstung schleppen will, irgendwo wo ich noch nicht war, mit nahen Anstieg damit ich morgens bis zur normalen Zeit schlafen kann, vielleicht etwas leichtes Kraxeln, aber nichts mehr.. Celovškar Spitze? Also entschieden und hingegangen.
Als Ausgangspunkt wähle ich die Tinčkova Hütte, weil ich auch da noch nicht war und zufrieden stelle fest, dass die Straße tadellos ist und für jeden zugänglich (alte Beiträge warnen vor dem damaligen schlechten Zustand). Oben und entlang des Weges viele Parkplätze, aber da ich zuletzt kam war alles voll, ich quetschte mich kaum irgendwo rein.
Auf der Karte ist ein Pfad eingezeichnet, den verliere ich aber bald und gehe dann ein bisschen auf eigene Faust durch den Wald bergauf. Da der Wald gut begehbar ist vermisse ich ihn nicht, im oberen Teil treffen wir wieder zusammen. Bald öffnen sich Ausblicke und beim Anschluss an den markierten Weg von Zelenica/Završnica bin ich schnell am Fuß. Stellenweise Schneeflecken, aber sehr begrenzt.
Zuerst über Schutt hoch und am Sattel schnell nach Österreich schauen, dann hoch. Der Weg ist nicht schwer, aber voller Schutt und genau so steil, dass Vorsicht geboten ist. Gerade als ich Höhengewinn mache reißt plötzlich die Schnur, mit der ich das Telefon am Rucksack hatte, und es fliegt ins Geröll hinunter, ohne dass ich genau sehe wohin. Zum Verzweifeln. Ich fluche Telefon und alles, dann doch vorsichtig runter und nach ca. 15 Minuten triumphal 20 m tiefer unversehrt gefunden, nicht mal Kratzer (Info: CrossCall Trekker, stoßfest, empirisch bestätigt). Wegen des ganzen Herummanövrierens sehe ich den Weg nicht mehr und gehe (wieder) eigenständig zum Gipfel, wo kurz vorm Gipfel dumm glotze weil nicht weiter. Vor der Nase senkrechte Wand, links zu exponiert für mich... dann schau ich endlich über eine Scharte nach österreichischer Seite und finde die Fortsetzung. Kurz vorm Gipfel (zugegeben) ziehe ich mich an der Blitzleitung die letzten Meter hoch und nehme siegreich den Gipfel ein. Eigentlich beide, slowenischen und österreichischen, nur paar Meter auseinander. Stempelbuch in so schlechtem Zustand dass Eintrag unmöglich. Neugierig schaue ich mir den Nachbarn Krkotnik an, aber bei all dem Schutt unsicher über Abseilsicherheit in die Scharte, denke an alle daheim die auf mich warten und meinen sicheren Rückkehr wünschen und lasse ihn lieber für ein andermal oder jemand anderen.
Beim Rückweg stelle ich fest dass der Pfad fast alle paar Meter mit Steinmännern markiert ist (was hab ich vorher geguckt), repariere sie und füge jedem Stein zu, dann langsam und sicher zurück ins Tal.
Für den ganzen Weg ca. 7.30 Std., GPS sagt ehrlich nur ca. 5.30 Std. Bewegung (rauf runter), Rest Naturgenuss, Brotzeit und Suche nach dem verfluchten Telefon im Fels.