Auch das Zurückkehren immer zum selben Ort hat seinen Charme, daher bin ich heute, wie vor zwei Tagen, wieder nach Tamar aufgebrochen. Die Spur zum Koterscharte war noch vom letzten Mal ziemlich gut erhalten bis ca. 1500 m. Von da an haben zwei Tourer wahrscheinlich gestern weiter gemacht, aber heute verlor sich der Weg zwischen kleineren Schneeverwehungen, die der Wind über die Hänge treibt. Zuerst hab ich allein gepiste, dann hat mich ein verteufelt schneller Einheimischer überholt, die letzten 100 oder 200 Höhenmeter zum Ziel - kleiner Kopf am Rand der Scharte - haben zwei freundliche Begleiter nach kaum erkennbarer Spur der Vorgänger gezogen, die wir auf dem Weg getroffen haben.
Die Abfahrt von oben bei ca. 2210 m war wahrscheinlich die beste dieses Winters! Obwohl auf sonnigen Lagen der Koterscharte der Schnee ganz leicht schon angegangen ist und beim Aufstieg hier und da sogar Stecher entstanden sind, hat das die endlose Skifreude kein bisschen gestört! In schattigen Lagen war er völlig trocken und skidynamisch fast makellos, nur im unteren Teil der Rinne bei ca. 1800 m gab es ein 100 m langes Gebiet mit weicherer Kruste. Dann wieder juchhuuu runter fast bis zum Wald, wo die Hautspur genau richtig geneigt ist, dass mit wenigen Ausnahmen die Abfahrt zur Hütte in Tamar langsam fließt.
Wirklich außergewöhnlicher Tag, selten erlebt man bei 1100 m Höhenunterschied Schnee fast gleich gut fahrbar vom Gipfel bis ins Tal.
Aber Lawinengefahr erwähnen: Sonne, die heute bei hohen Temperaturen in Höhen sehr stark war, hat erste Lawinchen von Vevnica, vor allem von Strug um halb neun geweckt, gerade als wir vorbeigingen. Nichts Schlimmes, da Schnee hauptsächlich nur an Kanten abging. Später hörten wir Dröhnen öfter, auch Lawinen wurden häufiger. Kurz nach elf haben wir atemlos eine besonders große beobachtet, deren Schneewolke sich über die halbe Talbreite erstreckte. Etwas weiter vorn vom Lawinenkegel, aber nur knapp 100 m entfernt, sahen wir vier Tourenskifahrer, die gut davongekommen sind. Beim Rückweg fand ich auf dem Lawinenkegel ein totes Gams, das die Schneemacht von wer-weiß-welcher Höhe gestoßen hat.
Auf Koterscharte und in Rinne Mali kot, unter Šite und Travnik nichts abgegangen. Als wir auf Koterscharte waren, ging es aber in Jalovčev ozebnik bis zur Felswand beim Einstieg. Wegen Lawinenschutt könnte Fahren im Ozebnik, bis es sich beruhigt, ziemlich ärgerlich sein. Um Mittag, beim Rückweg unter Strug, nahm die Intensität des Abgangs ab. Timing der ganzen Tour heute entscheidend, morgen wohl ganz anders!