Gestern (Freitag, 29. April) zur Velika Planina über Rigl, Abstieg über Kuklarje. Auto beim Knick etwas weiter vom Kraljev hrib abgestellt. Der Pfad ist ausgetreten und rundherum begrünt. Die geneigte Buche mit dem verblassten Schild "Čez Rigel" steht noch da, rechts davon zeigt ein Pfeil nach Kisovec. Von da an ist der Pfad weniger getreten, aber noch gut sichtbar. Als echter Jagdweg entlang der Rinne, durch die etliche Steine geflogen sind, steigt er über steile Wiesen zu einem schönen Aussichtspunkt auf. Von dort meist durch Wald zum Rand, wo ich zu meiner großen Überraschung auf Knafeljs Markierung mit 2/3-Zeichen stieß, was auch immer das bedeutet.
Na ja, vielleicht bedeutet es, dass man 2/3 des Weges geschafft hat, denn bis zu den ersten Hütten auf der Velika fehlten noch ca. 300 Höhenmeter. Wenn man die Hütten erreicht, kann das Herumirren über grasige Weiden Richtung Gradišče ein ganz interessantes Erlebnis sein. Besonders, wenn man Touristen beobachtet, die mit der prähistorischen Sitzliftanlage nur wenige Meter über einem bequem zum selben Ziel fahren.
Mir kam es vor, als hätte sich die Anzahl der Hütten seit meinem letzten Mal dort oben mindestens verdoppelt. Die meisten sind prächtig und tadellos eingerichtet, einige dem Touristenbusiness gewidmet. Die Umgebung wirkte so unpassend zur gerade begangenen Jagdroute und ihrer Ursprünglichkeit, dass ich schnell alles eingepackt habe und den Übergang über Kuklarje ins Dolski graben gesucht habe.
Vorbei an zwei Hütten und einem faulen Baum, der sich bequem auf einen flachen Stein gesetzt hat, bin ich irgendwie zur Kobilna dolina gesteuert. Etwas nach Gefühl, etwas nach Karte bin ich links bergab über den Zaun aus umgestürzten Bäumen den bewaldeten Rücken abgestiegen. Hatte Glück, einen kaum sichtbaren, verschwindenden Pfad zu treffen und ihm bis zu einem bequemen Sattel zu folgen, wo er rechts in die steilen Hänge der Kuklarjev abbog. Für den Abstieg von da an ist der Pfad nicht gerade optimal. Er hat aber eine gute Eigenschaft: Je steiler und anspruchsvoller, desto besser sichtbar. Trotz guter Nachverfolgbarkeit muss man in den Steilheiten, die er quert, ziemlich vorsichtig sein. Einige schöne Passagen unter Überhängen und über Scharten bei Steinpfeilern inmitten von Schutt lohnen die ganze Mühe. Makellose einsame Wildnis, ein bisschen ähnlich dem Übergang über den Najnar štant, füllt die Seele bis zum Anschlag und darüber hinaus.
Die Seilversicherung über den kritischen Traverse ist mehrmals gerissen, aber jemand hat sie sorgfältig mit einem ziemlich dicken Seil verbunden. Auch das ist schon alt, hält aber fürs Gleichgewicht ausreichend. Tiefer unten führt der Pfad durch leichteres Gelände am Schutt entlang und verliert sich gemäß obigem Prinzip der Sichtbarkeit mehrmals. Er stößt zur markierten Route durch das Dolski graben bei dem erkennbaren Felsen mit großem blauen Kreis eingraviert, aus Abstiegsrichtung gesehen.
Abstieg durch das Graben war nur noch Formsache. Ein Kilometer flache Straße zum Auto nach 1000 m Abstieg hat mir gutgetan. Und von einer der Kurven wurde ich zusätzlich mit Blick ins frühlingsgrüne Korošica-Tal belohnt. Der Punkt auf dem i zu einem herrlichen Tag!