| suhy17. 11. 2024 00:10:32 |
Ja, da oben scheint man offensichtlich nicht allzu häufig hinaufzugehen. Der Blick auf die umliegenden Gipfel ist herrlich, das linke Auge hat's bemerkt, rechtes bestätigt, aber der Weg zum Blick und zurück ist ziemlich beschwerlich und unangenehm. Aber es hat sich gelohnt. Um halb zehn macht sich der Forscher der nutzlosen Welt also von der Siedlung Pod Košuto auf den Weg über frisch gepflügte, aber fürs Laufen furchtbar ungeeignete Holzschleppspuren den steilen Hang hinauf. In der Annahme, der ruhigen septachordalen Subdominantharmonie aus Stille, Windrauschen und Vogelgezwitscher zu lauschen, dringt statt melodischem Wohlklang der scharfe Klang von Motorsägen in die Trommelfelle, Ambosse und Hämmer, hallend aus den umliegenden Dickichten. Ein ehrlicher Berggänger würde verstehen, dass ohne die ohrenbetäubende Kakophonie, die die Luftmassen unter Košuta füllt, kein Brot für viele ehrliche und fleißige Seelen in diesen waldreichen Gegenden gäbe. Aber bald stellt sich heraus, dass die Motoren nicht für das Leiden des Berggängers Ohres verantwortlich sind. Es ist Samstag, der Tag der Ruhe für die ehrlich Schuftenden seit Urzeiten. Und in den Dickichten sollte Stille herrschen. Woher also dieser Lärm, der ins an städtisches Gewimmel gewöhntes Ohr schneidet, grübelt der Berggänger. Obendrein, wenn man den eigenen Ohren traut, kommt der Lärm nicht aus dem Tal, wie ein Wanderer auf 1400 m erwarten würde, sondern wird hoch oben gehört. Fichten mit Motorrädern auf dieser Höhe messen ist seltsam, da Schleppspuren zum Talholztransport lange nicht gesehen wurden. Der Hang ist so senkrecht, dass der Mann sogar Steigeisen an Schulschuhe geschnallt hat, damit kein Unglück passiert beim Seitwärtsabrutschen. Da mit eigenem Verstand nicht ans Ende kommt, geht er schicksalsergeben den kaum sichtbaren Pfad zum Gipfel weiter. Als weitere hundert Höhenmeter unter Füßen sind und er auf kleiner Lichtung ist, erblickt er plötzlich zwei Milchzahnjungen - nicht mehr als sechzehn oder siebzehn Lenze - sitzend im Gras in bunten Klamotten, mit Knieschützern und Ellbogenschützern, Helmen auf dem Kopf. Und Sache klar dem Mann gleich, warum vor ihnen zwei Enduros ruhen im Gras, um überhitzte Motoren abzukühlen und Atem zu holen. Ja, das war der unerträgliche Lärm, denn die Jungs quälten sich mit ihren Enduros den Hang hoch, wo sich nur Gämsen und Steinböcke heimisch fühlen. Auch auf Frage, ob's weitergeht, sagten sie noch nicht fertig. Scheint, neben Wanderern, Kletterern, Tourenski, Mountainbikern, Läufern kriegen wir neue Sorte Berggänger, die auf Enduros zu Gipfeln reiten. Nun, zum absoluten Gipfel kamen sie nicht, aber beim Gesehenen und besonders stark Gehörtem könnten lokale Sheriffs, Bürgermeister, Ranger, Inspektoren, Supervisoren und andere mit zu viel Macht im Kopf über Rechtmäßigkeit von Absperrungen, Parkgebühren, Eintritten, Verboten etc. nachdenken, mit denen im Namen kvasi-Naturschutzes immer mehr das Leben ehrlicher Bergvolks verbittern, während Motorrad- und Quad-Wildlinge sich uneingeschränkt auf Pfaden, Schleppspuren, Dickichten, Weiden austoben. Vom Gipfel spaziert der Mann noch paar hundert Meter Gratrand nach Veliki vrh, als's links rechts zu luftig wird, klug umkehrt, zurück zum Gipfel und abseilt ins Tal auf Steigeisen. Neugieriger Natur, Umweg pathless zu Pl. Šija, Alm nur noch namengebend, da nur Dickicht steht, keine Spur von Alm.
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