Nach fast einem Jahr seit dem Tag, als ich den Grat der Bavški Pihavci durchquert habe, parke ich wieder in Bavšica. Ich schnalle den schweren Rucksack um und gehe kurz vor sechs los. Etwas oberhalb des Weilers Logje, wo der Weg den felsigen Rutsch kreuzt, biege ich links bergan ein. Ich suche einen Steig, von dem ich nicht weiß, ob er noch existiert. Mehrmals fange ich ihn, aber bald verschwindet er wieder. Deshalb fahre ich auf eigene Faust Richtung Slapce-Abschnitt. Unter den Wänden links quer durch zugewachsene Hänge. Gehen auf rutschigem Gras ist ganz anstrengend. Wenn es oben aufgeht, wieder bergan. Ich klettere zum unteren Rand der Velika Rupa. Dort entdecke ich eine gangbare Mulde, über die ich zum Kobila-Grat aufsteige. Sie führt mich zu Vrh Krnice, wo ich um neun die Ausblicke genieße. Nach Pause rüste ich für die Fortsetzung. Der erste Teil bis Briceljka ist pure Freude, herrlich "luftiges" Gratgehen. Unter dem Oblice-Gipfel überrascht mich ein Seil, das beim ersten Mal nicht da war. Dafür fehlt Prusik dort, wo er wirklich willkommen ist - Abstieg vom Turm über glatten Bauch. Ich verbinde zwei meiner Prusiks und bin schon drüben. Auf Briceljka Zeit für erste Mahlzeit und Vorblick. Um elf ab zur Kerbe unter Morežev Stražar. Ich folge der Beschreibung von Marjana und Marko und finde die Übergänge gut auch dort, wo der Grat abbricht. Unter dem Stražar quer rechts und steil hoch, dann im luftigsten Teil der Tour klettere ich zur Kerbe und über die Bühne auf Koritnica-Seite in leichteres Gelände. Auch auf den Stražar-Gipfel, wo ich einen Steinmann baue. Weiter zum Morež gut und jenseits öffnen sich die Passagen am und auf dem Grat von allein. Bald am "Abzweig" zu Votli vrh. Ich finde den richtigen Übergang, klettere zur Kerbe und dann zum Gipfel. Der Abstieg zur Kerbe schien mir der schwerste Teil, da man beim Abstieg konkret klettert. Folgt Rückkehr zum Grat und Weiter zu Mali Bedinji vrh, von dort direkt zur Konjska škrbina und hoch zum Bedinji vrh. Beim Abstieg überraschen mich menschliche Stimmen und bald sehe ich ein Team, das von gegenüber heraufkommt. Die Fortsetzung ist etwas leichter, aber immer noch nicht einfach, da die Beine von allen Auf- und Ab müde sind. Letztes Detail der Tour: Abstieg vom Bavh, da der Grat noch scharf ist, aber auch hier gute Übergänge. Plešivec um drei zufrieden und erschöpft. Abstieg durch Bala ist wirklich angenehm, besonders tiefer im Wald ist der Weg wirklich schön. Aber auch hier haben Lawinen Schaden angerichtet. Auf dem Weg liegen umgefallene Bäume an mehreren Stellen, aber kein ernstes Durchschlagen durch Äste nötig. Tour nach guten elf Stunden zufrieden mit Mega-Grat in der Tasche.
Technisch erscheint mir die Überquerung eine Stufe leichter als die benachbarten Pihavci, physisch aber sehr anspruchsvoll, da der Grat wirklich lang ist und die zweite Hälfte ziemlich bewegt, sodass sich ordentlich Höhenmeter ansammeln. Auf jeden Fall wunderschöne Überquerung, die sich lohnt zu wiederholen.