Gestern habe ich mich an eine etwas anstrengendere Tour gemacht:
Plan war Mrzla gora, Rinke, Skuta, Rückkehr über Dolgi hrbet nach Mlinarsko sedlo und von dort Abstieg vorbei an Češka koča.
Mit ordentlich Wasser im Rucksack starte ich vom Parkplatz Jezersko - zuerst über die Ledinen zur Mrzla gora. Ich würde sagen, ein Bergsteiger findet kaum einen schöneren Fleck. Der Anfang ist etwas bröckelig, in der zweiten Hälfte sind die Kletterstellen stabil und der Aufstieg läuft gut. Die Aussicht vom Gipfel gehört zu den besten in den Grintovci (gehört der noch zur Grintovec-Gruppe?). Mit Freuden würde ich Zeit nehmen, sie richtig zu loben, aber besser keine zu große Werbung machen.
Dann zurück zum Jezersko sedlo, von wo ich zur Koroška Rinka aufsteige. Der Aufstieg ist mir nicht sehr sympathisch, da man meist in Mulden klettert und über stellenweise lästige bröckelige Passagen. Auch die wenigen Leute, die man dort trifft, sind echte Bergtypen. Die Aussicht unterwegs ist einzigartig und man beobachtet zufrieden, wie Velika Baba immer kleiner wird - bis sie fast unwichtig wirkt. Der Gipfel ist ein Spektakel: Von dort leuchten wirklich Skuta und Štajerska Rinka.
Hier merke ich langsam, dass ich die Tour vielleicht kürzen muss: Hitze und anfangs schwerer Rucksack haben gewirkt. Zeitlich und konditionell sieht es nicht so gut aus wie zu Hause auf dem bequemen Sessel, als ich naiv die Karte studiert habe. Deshalb entscheide ich mich, Kranjska Rinka auszulassen. Beim Abstieg zu Mali Podi gehe ich etwas quer, merke, dass Konzentration durch Sonne und Müdigkeit nachlässt. Deshalb spiele ich mit der Idee, Skuta zu umgehen; ich habe schon diese düsteren Gedanken, die Solohikern bekannt sind, und zwei schöne Ziele in der Tasche - wenn ich dort ende, ist es ein ordentlicher Ausflug.
Als ich aber die schöne Ostseite der Skuta sehe, erwacht der Drang, hochzumüssen, auch wenn ich umfalle. Ich denke: Wenn ich mich richtig stärke, die Zähne zusammenbeiße und westlich absteige, wo ich den Weg kenne, müsste es fast klappen. Ich peitsche mich mit dem lieben Motto - wenn ich so weit gekommen bin, mach ich weiter.
Vor dem Einstieg zögere ich kurz, dann los; beim Anbeißen in die Steilheit sind die Beine wie durch Zauber leichter und nach Stunde plus feiere ich den Gipfel. Geht noch. Keuchend genieße ich zufrieden die Ausblicke.
Bei der Pause setze ich mich absichtlich so, dass ich Dolgi hrbet nicht sehe, der der große Finale sein sollte. Das sagt schon alles. Oben sind Wasser und Lust an Abenteuern fast weg. Nach nüchterner Überlegung sehe ich ein, dass ich keine Lust mehr auf Anstrengung habe, also umgehe ich ihn. Ich gehe Richtung Mlinarsko sedlo, schaffe es aber, zu Veliki Podi abzudrehen, was eine schöne Verlängerung brachte. Warum zwei Minuten anhalten, Karte schauen und zurück zur richtigen Route, wenn man erschöpft eine „Abkürzung“ fast in die andere Richtung nimmt?
Moral sinkt sichtbar. Wasser schon lange alle. Glücklich finde ich eine schmelzende Schneefläche und entgehe so fast sicherem Tod. Na ja, zumindest Durst.
Abstieg von Mlinarsko sedlo zur Češka koča ist ziemlich öde, anstrengend, lang, unnötig und nochmal lang. Beine weich, Sohlen abgelaufen, Wille schwindet mit jedem Schritt.
Am Parkplatz etwas nach Dunkel, was bestätigt, dass ich Rinka und Dolgi hrbet richtig ausgelassen habe.
Hier danke ich allem Heiligen für die Idee, die Liege mitzunehmen. Darauf jammere ich kurz, dann fröhlich heim.
Schöne Tour. Nächstes Wochenende was Kürzeres.