In Bergen ist meiner Meinung nach jeder für sich selbst verantwortlich. Das gilt definitiv nicht für Kinder. Strafrechtlich verantwortlich ist jeder für Fahrlässigkeit, vorsätzliche Verursachung von Verletzungen, Schäden. Deshalb ist immer ein Polizist der Bergpolizei-Einheit im Bereitschaftshubschrauber dabei, der beurteilt, ob der Unfall Merkmale einer Straftat hat.
Anders ist es mit unserer moralischen Verantwortung für unsere Mitwanderer, Kletterer, Berggänger, wenn in der Gruppe kein Profi-Führer ist. Meiner Meinung nach schaffen wir, die schon länger Berge besuchen, einen festen Kreis von Leuten, mit denen wir bestimmte Touren machen. Meist übernimmt instinktiv so eine Führungsrolle der Erfahrenste bzw. der, der die Tour am besten kennt. Ich gehe immer mit Leuten in die Berge, die ich gut kenne und denen ich vertraue, aber es muss umgekehrt auch so sein. Ich habe schon viele verschiedene PD-Gruppen, Kinderlager, gemeinsame Ausflüge begleitet (nicht geführt). In dem Fall lande ich immer irgendwie am Ende der Gruppe und versuche denen zu helfen, denen es am schwersten fällt (mit richtigem Tempo, Gespräch, Pausenverteilung...). Wenn ich aber mit Freunden, Rettern, Alpinisten gehe, weiß man immer, wer der Schwächste ist und passt sich an und hilft (manchmal bin ich das) und alle in so einer Gruppe handeln gleich. Ich gebe zu, am einfachsten ist allein gehen, natürlich wenn man sich seiner Fähigkeiten bewusst ist (Unfall unvorhersehbar) und in seiner Art genießt, in Ruhe und Natur. Ich gehe seit Kindheit in Berge (damals natürlich ohne Helm und Selbstsicherung und in Turnschuhen) und gebe zu, dass es ziemlich schwer ist, diesen Wahnsinn, Belagerung, Wettkampf zu sehen, besonders wenn mich mitten in der Nacht ein Rettungsruf weckt (und ich gehe gerne freiwillig). lp