Auch ich hatte kürzlich einen Fall, wie wir Slowenen auch un-solidarisch sein können (nicht bereit zu helfen). Letzte Woche bin ich über Tominškova auf den Triglav gestiegen, Abstieg war über Prag geplant. Aber was, wenn Unglück nie ruht! Auf den Triglavski podi habe ich mir den Knöchel verletzt. Zuerst dachte ich, es sei nur eine Verstauchung, aber später stellte sich heraus, dass der Knöchel gebrochen war. Nach der Verletzung zog ich den Schuh aus, kühlte ihn zuerst mit Schnee, nahm dann eine elastische Binde aus dem Erste-Hilfe-Set und verband das Bein etwas fester in der Hoffnung, den Weg fortsetzen zu können. Nach ca. 100 Metern merkte ich, dass es einfach nicht geht!
Nun der Kern meines Schreibens! Während ich mich mit diesen 100 m abmühte, traf ich fünf slowenische Paare, die Richtung Kredarica unterwegs waren. Sie schauten mich schief an, nicht mal einen guten Tag bekam ich, obwohl ich sie gegrüßt habe. Später treffe ich eine Gruppe Österreicher oder Deutsche. Ihr Führer kam hinzu, stellte sich vor und bot Hilfe an! In holprigem Englisch einigten wir uns, dass ich bei Bedarf selbst die Retter rufe. Händedruck zum Dank und sie setzen den Weg fort, ich beobachte schon die Umgebung, wo der beste Platz für Rettung od. Hubschrauberzugang wäre. Als ich ihn finde (etwas größere Plattform), rufe ich auch die Retter, da ich sah, dass es keinen Sinn hat weiterzugehen. Schmerz und Bewusstsein, dass es keinen Sinn hat, die Situation für mich und auch nicht für die Retter zu verschlimmern.
Damit niemand denkt, was ich erwartet habe! Vielleicht nur ein Wort, dass mir jemand Hilfe anbietet, obwohl ich weiß (und ihr auch), dass mir niemand konkret helfen konnte. Aber das Gefühl, in solchen Momenten nicht allein zu sein, bedeutet viel. Auch ich habe früher geholfen und nicht weggeschaut. In solchen Momenten sieht man, wo unser Bergsport-Etikette ist. Die meisten streben heute danach, schneller ans Ziel zu kommen, vergessen dabei das Wesen des Bergsportens - Bewundern der Schönheiten unserer Berge, bergsteigerische Solidarität, die schon sehr selten ist.
Wahr ist, dass je länger man Bergsteiger ist, desto mehr Erfahrungen, desto mehr Gespür für die Natur und natürlich für Bergsteiger. Leider sieht man heute in unseren Bergen immer mehr frische Bergsteiger, die nicht die Bergschönheiten, die Freude am Erklimmen interessieren, sondern so schnell wie möglich ans Ziel zu kommen, in der neuesten Mode gekleidet zu sein und den Freunden Loblieder auf sich selbst singen zu können. Und diese Bergsteiger vergessen den Bergsteiger-Kodex. Schöner Gruß, Händedruck, Lachen, Begeisterung beim Erreichen des Ziels und am wichtigsten, Hilfe für Bergsteiger in Not. Manchmal reicht ein ermutigendes Wort, vielleicht ein Hilferuf, am meisten aber, dass Mensch den Menschen neben sich hat.
Bei dieser Gelegenheit, da ich gerade über diesen Vorfall schreibe, möchte ich der einsatzbereiten Polizeihubschrauber-Crew aus Brnik und den Rettern danken! Ich hoffe, ihr habt keine solchen Kontakte mit ihnen wie ich, aber trotzdem sind das Jungs, über die man nur das Beste sagen kann!!
Jungs DANKE!!!