26.06.2014. Schon länger lockten mich die Friauler Dolomiten. Wenige besuchen sie, obwohl sie die nächsten italienischen Dolomiten für uns sind. Diese Gegend habe ich das erste Mal diesen Winter besucht, als ich mit Skiern zum Monte Ferraro (2258 m) gefahren bin. Damals habe ich beschlossen, zurückzukehren.
Von Ljubljana zum Ausgangspunkt bei der Hütte Pordenone (1269 m) im Cimoliana-Tal sind es weniger als drei Stunden Fahrt (Lj.-Fernetiči-Videm-Spilimbergo-Maniago-Cimolais). Vom Parkplatz unter der Hütte gehe ich auf Weg Nr. 353, der durch das Val-Montanaia-Tal führt. Kurz geht der Weg durch Wald, dann bin ich bald auf einem weiten Schuttfeld, wo Markierungen gelegentlich verschwinden. Trotzdem ist klar, dass man einfach das Tal hoch muss. Im mittleren Teil des Schutts zeigt sich erstmals der „Turm“, Campanile di val Montanaia, ein äußerst interessanter Turm, der als Wahrzeichen der ganzen Gegend gilt (der einfachste Klettersteig darauf ist IV+/IV). Der markierte Weg wird oben wieder nachvollziehbar, direkt unter dem „Turm“, der rechts umgangen wird. Nach anderthalb Stunden Marsch erreiche ich das Bivacco Perugini (2060 m), das auf einer grasigen Ebene steht. Die Einzigartigkeit und Schönheit dieses Platzes könnte ich kaum beschreiben, daher sage ich nur, dass sich dieser Weg „lohnt“, selbst wenn man nur bis zum Bivacco als Ziel nimmt. Von dort gehe ich Richtung Westwände; erst ein wenig Abstieg, dann bald wieder hoch auf Weg Nr. 357 zum Forcela-Segnata-Scharte (und weiter zur Padova-Hütte). Ca. 100 Meter unter der Scharte verlasse ich den markierten Weg und biege in die linke Rinne ein. Die einige Dutzend Meter lange Rinne endet mit einem kurzen Kamin rechts (5 m, II). Nachdem ich ihn geklettert habe, bin ich auf einer kleinen Scharte, von der ich ca. 10 Meter absteige. Hier sehe ich den ersten Steinmann, der bestätigt, dass ich richtig bin. Dann biege ich nicht rechts ab, sondern quere das Schuttfeld (Schneefeld) und steige ca. 100 Meter hoch zur nächsten Scharte. Dabei sehe ich rechts schon die lange Bank, die die Gipfelstruktur umläuft. Von der Scharte biege ich links ab und klettere über einen exponierten Übergang zur langen Bank (nach ca. 50 Metern auf der Bank bemerke ich eine enge und dunkle Rinne, über die ich mit Seil absteigen werde). Die Fortsetzung auf der exponierten langen Bank ist ein einzigartiges Erlebnis, die Schönheit der Felsstrukturen ist außergewöhnlich. Darunter ragt die dreiturmige Punta Pia hervor, die um die Ecke kommt. In ihre Richtung gehe ich noch 150-200 m, dann verlasse ich die Bank und klettere eine exponierte Wand (10 m, II; oben Standplatz zweifelhafter Qualität). Die Exposition lässt etwas nach, ist aber noch groß; ich bin auf engen Bänken; auf Steinmänner und logische Übergänge achten. Es folgen die schwierigsten 5 Meter Aufstieg, über einen undeutlichen Kamin (II+/III; unter dem Kamin kleine Terrasse mit Steinmann). So erreiche ich den zerklüfteten Gipfelteil des Berges. Ich steige etwas rechts zu einer kleinen Scharte; bis zum Gipfel trennen mich noch ca. 12 m exponierte Wand (II, oben Standplatz zum Abseilen). Oben nach gut dreieinhalb Stunden. Stolz und glücklich sitze ich etwas und genieße die Aussicht. Vom Gipfel abseilen mit Seil (12 m). An der genannten Scharte, direkt unter der Gipfelwand, betrete ich die Schutt-Rinne (links, Richtung Tal mit „Turm“); bald komme ich zum ersten Sprung, wo der zweite Seilabstieg folgt (20 m, Standplatz etwas unbequeme Position; Achtung auf fallende Steine). Ich fahre mit dem Abstieg durch die immer engere Rinne fort und sehe bald den nächsten Standplatz (25 m, enger Kamin); ich komme auf die lange Bank, die ich vormittags gegangen bin. Von dort absteigen über Aufstiegsweg und abschließen mit kaltem Bier in der Pordenone-Hütte. Fazit: In diese wilde Welt kehre ich zurück
Warnung: Aufstieg nur für erfahrene und angemessen ausgerüstete Bergsteiger geeignet. Sicherung empfohlen.