Frühmorgens kurz nach fünf war ich schon in Krma und parkte neben Ruths Transporter. Letztes Jahr hat sie mich am Weihnachtsmorgen unter Vrh snežne konte fotografiert. Ich hoffte, heute auch ein gutes Foto zu bekommen. Ich folgte ihren Skispuren, hier und da zeigten sich auch Hundeabdrücke. Wie immer war ich zu Fuß, daher überholten mich fünf mit Tourenski oberhalb Prgarca. Stellenweise war es sehr brettig, daher entschied ich mich für die winter-winter (verwehte) Variante direkt unter Rž, nicht den Graben, wo die Skifahrer gingen. Es kam mir etwas komisch vor, dass ich Ruth noch nirgends gesehen hatte, sie war sonst sehr schnell. Später sah ich von ferne wieder Skifahrer, die mitten im Graben anhielten. Ich war sicher, sie machten Pause. Erst als ich den Graben von oben Richtung Kredarica quere, hörte ich den Helikopter und sah, wie er in starken Windböen zu landen versuchte, wurde mir klar, dass etwas Schlimmes passiert war. Da aber schon fünf dort waren, ging ich weiter. Der Wind war stellenweise wirklich stark und trug riesige Schneemengen.
Auf Kredarica erfuhr ich, dass sie eine tote Bergsteigerin gefunden haben. Da ich morgens Ruths Transporter in Krma gesehen hatte und sie nicht nach Kredarica kam, gab es fast keine andere Möglichkeit als dass es sie war.
Auf der ersten Hang unter Kredarica bin ich wieder eingestiegen, aber der Schnee war ziemlich schwer und ging nicht so schnell wie letztes Mal. Schon hier hätte ich merken sollen, dass etwas nicht stimmt, aber ich bin zur nächsten, viel steileren gegangen.
Lange überlegt, ob ich das poste oder für mich behalte. Man lernt aus Fehlern, besser ihr lernt aus meinen als euren. Nämlich, irgendwo im Drittel des Hangs hat mich eine Plattenlawine mitgerissen. Ging nicht zu schnell, als ich stoppte hatte ich Kopf, Oberkörper und Arme draußen. Beine natürlich nicht bewegen können, unverletzt. Sofort angefangen mich auszugraben, erst mit Händen, dann Schneeschuhstöcke (Krpljice), die ich aus dem Schnee zog. Hände nie in Stöckeinschläge. Langsam Rucksack abgenommen um zu sitzen und erst ein Bein freizulegen um Ski abzunehmen, zweites Bein mit Ski rausgezogen. Wie lange es dauerte weiss ich nicht. Hab eine ordentliche Lektion gekriegt und Gott gedankt, dass ich überlebt habe und es teilen kann.
Bin weiter gefahren. An der Stelle wo sie Ruth gefunden haben war schon alles verweht.
Die ganze Abfahrt hab ich an sie gedacht. Werde ihre Bergbeiträge vermissen.