Nein, da ich herausgefordert wurde ... na ja, Intellektueller, das ist so ein missbrauchtes Wort. Sagen wir, da ich einen Uni-Abschluss in Geisteswissenschaften habe, könnte ich in gewissem Sinne schon sein. Beruflich befasse ich mich aber nicht mal annähernd mit Meinungsleitung.
Was deine Aussagen aus dem vorherigen Post angeht, na ja - da gibt's viel, womit man einverstanden sein kann. Ich hab aber bemerkt, dass du in letzter Zeit deine Positionen ziemlich verschärft hast und anfängst, ein vollständiges Anhalten des Lebens zu propagieren (damit du mir nicht sagst, ich rede Unsinn - dein Post vom 21.11.). Daran komm ich nicht vorbei, dass du, während du behauptest, alles stoppen zu müssen, immer noch fleißig Berichte von deinen Familienwanderungen postest. Ja, stimmt - nach aktuellen Maßnahmen ist das nicht verboten. Aber wenn du sagst, das sei die einzige Option gerade, könntest du konsequent sein und dich selbst dran halten. Tun tu's offensichtlich nicht.
Ich stimme aber gar nicht mit deinem pauschalen Spucken aufs Volk überein. Leute sind halt Gauss-Kurve, und das hat noch keiner geändert (und seien wir ehrlich, Massenversuche, Volk zu verändern, hatten historisch meist tragische Folgen). Und bei Anti-Corona-Maßnahmen ist's wie bei allen anderen - du hast kleinen Anteil Leute, die sie bis aufs I-Tüpfelchen einhalten, kleinen Anteil, die sie komplett ignorieren, und die große Mehrheit dazwischen. Klar, mit richtigem Ansatz kann man Compliance verbessern, aber erstens nur bis zu einem gewissen Grad, und zweitens ist das immer Sache der Behörden, nicht der Leute.
Und noch was: du unterschätzt definitiv die Nebenwirkungen der Maßnahmen zur Wirtschaftsstoppung und Arbeitslosigkeit. Empirisch ist festgestellt, dass längere Phasen von Arbeitslosigkeit und Armut bleibende Folgen für Menschen haben, die sich auch zeigen, wenn die Lage sich irgendwann beruhigt. Sie zeigen sich in langfristig schlechterer materieller Lage, schlechterer Gesundheit, sogar höherer Sterblichkeit. Kurz, du unterschätzt vielleicht diesen Effekt auch aufs Sterben von Leuten.
Und noch was - ich kann den Eindruck nicht loswerden, dass wenn dieser Virus vor 30 oder 40 Jahren aufgetaucht wäre, als wir keine PCR-Tests hatten, man einfach von einer "komischen Grippe" geredet hätte, bei der gefährdete Gruppen etwas mehr sterben, Leben ginge mehr oder weniger normal weiter, Maßnahmen beschränkten sich auf Einschränkungen bei Massenveranstaltungen und vielleicht Schulschließungen, dann wär's vorbei und wir lebten weiter. Und leider sehe ich gerade keine bessere Option - gefährdete Gruppen so gut wie möglich schützen, vernünftige Einschränkungen einführen, die vor allem Massenübertragungssituationen betreffen, und abwarten, bis es vorbeigeht oder Impfstoff kommt. Ich sehe schlicht keine Möglichkeit, dass ein restriktiverer Ansatz effektiver sein könnte, wenn man alle Nebenwirkungen berücksichtigt.