Vor zwei Wochen, am Samstag 8.10.2022, bin ich auf Razor (2601 m) über den weniger bekannten und fast nie besuchten NW-Grat gestiegen. Der NW-Grat beginnt bei Škrbina und endet beim Turn pod Razorjem, von dort ist noch ein kurzer Aufstieg entlang der Verbindung zwischen NW- und NO-Grat, der so eine Art S-Grat sein soll. Nach dem Anschluss an den NO-Grat relativ leicht bis zum Gipfel von Razor. Abstieg über den Südrücken nach Vršič. Für den gesamten Grat von Škrbina bis Turn pod Razorjem habe ich 4 Stunden gebraucht. Vom Turn bis zum Gipfel Razor sind es eigentlich eineinhalb bis zwei Stunden, aber ich habe 3,5 Stunden gebraucht wegen der Suche nach Übergängen. Die einzige Beschreibung des Weges über den NW-Grat fand ich im Blog von Marijana und Marko, aber sie haben anscheinend alle größten Grat-Schwierigkeiten unten, rechts vom Grat selbst, umgangen.
Ich versuche, den gesamten Verlauf des NW-Grats zu geben, entschuldige mich aber für mögliche Fehler, da es fast unmöglich ist, den genauen Verlauf zu beschreiben, der sich über endlose Türme, Scharten und stellenweise über enge, unangenehme Gratkante zieht. Kein Wort über Klettern in gutem Fels hier, im Gegenteil. Der Fels ist ständig unangenehm bröckelig und jeder Griff verdächtig, daher sehr vorsichtig über den Grat.
Von Škrbina zum ersten Turm direkt durch die Rinne (III), oder über 20-m-Kamin rechts vom ersten Turm (IV). Ich habe die Kaminvariante gewählt, da die Rinne furchterregend bröckelig und viel exponierter ist. Nach dem Ausstieg aus dem Kamin direkt über den Grat (eng, bröckelig, exponiert) zum nächsten kleineren Turmchen im Grat, das man links über sehr bröckeliger (aber ungefährlicher), abwärts geneigter Querung umgeht. Am Ende der Querung über kurzen Kamin (II) auf leichten Gelände vor dem nächsten großen Turm. Dieser Turm wird über offensichtlicher 20 m hoher Rinne angegangen (IV, ein kurzer Zug IV+). Die Rinne mündet am Ende in eine nach rechts oben geneigte Rampe (II-III). Am Ende der Rampe sehen wir links über uns glatte Platten (einziger kompakter Teil der Route, III), über die wir wieder die Gratkante selbst erreichen. Wir queren auf die linke (krnička) Seite der sehr engen Kante, wo uns bald verdächtiger Fels, der kaum am Grat hält, den Weiterweg auf dieser Seite versperrt. Hier muss man den Grat reiten und auf die rechte (mlinarička) Seite des Grats queren (sehr heikel, III+ oder IV-). Für kurze Zeit wird der Grat relativ leicht, aber immer noch eng. Der leichte Teil endet schnell und die Kante wird wieder unangenehm eng. Sehr vorsichtig über diesen engen Teil (II-III). Wir folgen weiter der Kante zum nächsten Gipfel oder Turmchen (II-III), von dem man in enge und tiefe Scharte absteigen muss (III, sehr luftig und heikel). Aus der Scharte öffnet sich leicht rechts ein Weiterweg in Form eines Kamins, aber zum Einstieg ist es unmöglich zu gelangen. Der einzige mögliche Weiterweg ist über sehr heikle horizontale Querung in der offenen Wand (IV-) zum mittleren Teil des Kamins. Überraschenderweise ist der Kamin selbst recht leicht (II-III) und bringt uns wieder zur engen Gratkante. Der Kante folgen wir zur nächsten Scharte, in die wir wieder sehr vorsichtig absteigen. Der Turm oder Sporn vor uns ist überhängend und keine andere Option als ihn rechts über schrofer Querung zu umgehen. Die schrofe Querung bringt uns schnell auf leichten Gelände vor dem Mali Razor. Zum Gipfel des Mali Razor kann man rechts (mlinarička Seite) oder links (krnička Seite) gehen. Ich habe die linke Seite gewählt, die sich als schwerere Variante erwies. Über leichte Police links umgehen wir den Sporn vor dem Mali Razor, dann greifen wir den Mali Razor über den ersten Kamin links in der Wand an (III+ oder IV-). Nach dem Ende des schwierigeren Teils des Kamins fand ich eine Schlinge für Abseilen, vielleicht hat Hammond sie nach dem Abstieg vom Mali Razor genutzt, da er in seinem Bericht von Juli einen sehr schwierigen Zugang zum Mali Razor erwähnt. Von der Schlinge bis zum Gipfel Mali Razor noch leichterer Teil desselben Kamins. Nach 15 m stehen wir auf dem Mali Razor (2191 m). Sollte dieser Gipfel Mali Razor sein nach dem rapallischen Grenzstein.
Vom Mali Razor umgehen wir die nächsten zwei kleineren Spitzen über enger Police links und befinden uns wieder kurz im leichteren Bereich auf der Kante selbst. Wenn zwei große Steinblöcke uns blockieren, umgehen wir sie über sympathischem Brückchen rechts und davon über gebrochener Rampe leicht absteigen und wieder über anderer Rampe zurück zum Grat aufsteigen (II). Am Grat sehen wir Weiterverlauf über größeren Grat-Turm, den wir über markantem Kamin in der Wandmitte angreifen (IV). Aber ich darf nicht vergessen, dass uns vom diesem Grat-Turm kurzer, sehr gebrochener Abstieg in kleine Scharte trennt, die wir rückwärts klettern (II-III). Der Kamin ist ca. 40 m lang. Erste 20 m sind solide IV, dann legt er sich (II-III) und endet in kurzer Rinne (IV-). Weiterverlauf öffnet sich als offensichtlicher 15-m-Kamin (II-III) rechts von uns, der uns zum Gipfel dieses markanten Grat-Turms bringt. Von dort über leichtem Gelände wieder zur nächsten Scharte leicht abwärts. Aus der Scharte steigen wir ca. 10-15 m durch extrem gebrochenes Kar nach Mlinarica ab, bevor wir in senkrechten Kamin (IV-) zurück zum Grat eintreten. Übergang aus dem Kar in den Kamin ist technisch schwierigster Teil der Route (IV+ oder sogar V-, aber ein Zug ohne Exposition, ähnlich wie erster Zug des Prevčev-Turms im Grat Goličica - Planja). Der Kamin mündet oben in leichte Rinne. Diese bringt uns in schartenartiges Kesselchen zwischen drei Türmen um uns. Von dort zwei Varianten zur nächsten Scharte. Marijana & Marko gingen links über extrem, astronomisch exponierte und bröckeliger Querung (III+). Die Querung hat mir nach zwei Versuchen nicht geschmeckt, und ich entschied mich für rechte Variante, die gleich schwer wäre (III+ oder IV-), aber viel weniger exponiert und bröckelig. Aus der Scharte wieder kurzer Abstieg und in offensichtliche Rinne links (zum Grat). Die Rinne ist recht leicht und man kann hier ausruhen. Die Rinne mündet am Ende in kurzen Kamin (II-III), der uns in Labyrinth unter zahlreichen Grat-Türmen bringt. Hier suchen wir einfachste Übergänge (noch leichter Gelände) und nach Slalom zwischen Türmen, Turmchen und Hörnern sind wir wieder auf der Gratkante selbst. Wir sehen die letzten zwei größeren Türme im NW-Grat. Vom ersten trennt uns relativ leichter Abstieg in Scharte. Aus der Scharte leicht rechts und erreichen Grat wieder über sehr steile 15-m-Rinne (IV). Vom Gipfel dieses Turms folgen wir dem Grat (stellenweise sehr exponiert und eng, II-III), bevor vor uns letzter Turm im NW-Grat von Razor steht. Dieser Turm kann rechts umgangen werden (Marijana & Marko), oder direkt geklettert (ich) über unglaublich bröckeliger Rinne, die III-IV sein soll, mit einem überhängenden Detail mittig in der Rinne in Form kleiner Fels, der aus der Rinne ragt, IV+ (sehr vorsichtig, da alles, wirklich alles runterfliegt).
Nach Erreichen des letzten Gipfels oder Turms beenden wir endlich alle Schwierigkeiten des NW-Grats von Razor. Vor uns zeigt sich mächtiger Turn pod Razorjem, von dem uns noch Abstieg über unangenehmen schroffen Gelände trennt. Turn pod Razorjem umgehen wir links über sehr bröckligen, aber leichten Polizzen. Wenn Turn ca. 20 m hinter uns ist, kehren wir zum Grat in schartiges Lochchen zurück. Die Beschreibung von Marijana und Marko war mir hier nicht ganz klar und ich verlor viel Zeit mit Suche nach richtigem Weiterweg. Am Ende machte ich rampenartiges Kraxeln ca. 30 m rechts, das in einen Kamin mündete (III). Logische Fortsetzung direkt über mir nach Ausstieg aus Kamin sah ich nicht. einzige Option war weit links als leichter 5-m-Kamin. Kurzer Abstieg über exponierten und bröckligen Fels trennte mich davon, dann lange Querung (ca. 30 m) links (sehr exponiert, bröckelig und heikel, III). Endlich unter dem 5-m, wirklich leichten Kamin (II), nach dem ich endlich aus allen Schwierigkeiten raus war und auf leichtem Schutt landete, der mich im schrägen Aufstieg zum weiten Bereich des NO-Grats von Razor brachte.
Zum Gipfel noch ca. eine halbe Stunde eigentlich, aber ich brauchte 45 Minuten, da ich sehr müde war. Der NO-Grat von Razor sollte nicht schwerer als II sein, aber ich fand Detail das III wäre, vielleicht sogar III+, wahrscheinlich nicht beste Linie gewählt. Schwereres Detail war kurz, Rest meist fast gehbar. An manchen Stellen kleine oder größere Schneeflecken, aber trotz harter Basis keine Steigeisen und Eispickel nötig. Nach anstrengendem Gehen und Klettern über Schutt fand ich mich relativ schnell vor dem eigentlichen Gipfel von Razor. Zwei Vorspitzen kamen mir entgegen, bevor ich endlich nach 9 Stunden 20 Minuten vom Start an Vršič stand.
Auf dem Gipfel habe ich gute halbe Stunde genossen, trotz später Nachmittagsstunde, da es unglaublich schön und warm war, Ausblicke zum Schreien. Razor ist für mich der schönste Berg im slowenischen Gebiet und das war mein vierter Aufstieg.
Leider keine Zeit mehr und nach Mahlzeit und Trinken langsam Abstieg nach Vršič begonnen. Abstieg ging schnell bis zum Kopf der Mlinarica, von dort zog es sich hin, besonders die unangenehmen 200 m Aufstieg bevor man Schulter erreicht von wo man endlich Vršič sieht. Gesamtabstieg 2 Stunden 45 Minuten und ohne Kopfstoßen, trotz langsamer Nachtankunft, um 19:10 wieder am Auto.
Bevor ich lange Fahrt nach Zagreb antrete, kurzer Stopp in Gostilna Jožica pri Gozdu Martuljku und Kürbissuppe und gegrillte Pfifferlinge gegessen
P.S. Entschuldige schlechteres Slowenisch. Hoffe ihr versteht meistes von dem was ich geschrieben habe. Wenn etwas unklar, oder Frage, fühlt euch frei für jede Scheißfrage, Kommentar oder Vorschlag.