Veliki Oltar, 15. 8. 2026
Der lang erwartete Tag ist endlich gekommen. Veliki Oltar ist ein Berg, für den ich mir ein fast idealisiertes Bild gemacht und ihn unter meine "ultimativen" (mittelfristigen

) bergsteigerischen Ziele gestellt habe. Ich erinnere mich, wie ich vor etwa drei Jahren zum Geburtstag das Buch Brezpotja von Habjan bekommen habe. Von Oltar wusste ich schon vorher, aber damals habe ich mir gesagt: da rauf muss ich. Aber - wenn ich weiß, dass ich dem gewachsen bin. Mit einem Kollegen, mit dem wir ähnliche Interessen teilen, hatten wir uns schon vor einiger Zeit darauf geeinigt, diese Tour für den richtigen Moment aufzuheben. Und heute war dieser Tag.
Der Bus ins Vrata-Tal kommt pünktlich am Ausgangspunkt an. Um 4.30 waren die Vrata bereits völlig voll. Der Bus um fünf füllte sich schnell; bis zur letzten Haltestelle in Mojstrana kamen einige gar nicht an die Reihe und mussten enttäuscht umkehren. Der 15. August eben... Nebenbei, die Information über die Parkplatzbelegung ist nicht ganz klar: auf dem Parkplatz in Plovdovem Rovt waren noch ca. zwei freie Plätze, und Črlovec war glaube ich völlig frei.
Wie auch immer, aus dem Bus, in dem wir wie Sardinen eingepfercht waren, sind in Plovdovem Rovt nur wir zwei und eine Gruppe von drei ausgestiegen, die zum Dovški Križ wollten. Alle anderen sind weitergefahren. Während der Tour habe ich heute mehrmals an das Personal auf der Kredarica gedacht...
Der erste Teil des Aufstiegs verlief ohne Besonderheiten. In völliger Einsamkeit steigen wir über Brinje auf, gegen halb neun beginnt die Hitze zu drücken. Und es war wirklich ein heißer Tag. Ich hatte fast vier Liter Flüssigkeit dabei, aber mir ging trotzdem bis zum Abstieg aus. Gegen Ende des heißen Abstiegs hat mich ein Kollege gerettet, der Hitze besser verträgt als ich, mit einem zusätzlichen Vorrat.
Auf den Jezerih weiden Schafe. Aber nicht ganz gewöhnliche Schafe; eher solche, als wären sie aus dem Zeichentrickfilm Bacek Jon entkommen.

Sie sind in die Rucksäcke gerannt, haben verschwitzte Beine abgeleckt und an den Riemen der Stöcke genagt. Man konnte sie nicht einmal vertreiben. Echtes organisiertes Schaf-Chaos!

Dann fröhlich weiter. Da die Hausaufgaben gründlich erledigt waren, gab es keine Probleme mit den Übergängen. Der Fels bis zum Sattel Grlo ist deutlich kompakter, als ich erwartet hatte. Natürlich muss man auf dem gesamten Weg auf beladenen Schutt achten. Als wir den Grat erreicht hatten, sind wir etwas zu hoch weitergegangen, was für mich vielleicht das ärgerlichste Detail der Tour war. Beim Rückweg haben wir uns tiefer gehalten, wo zugleich der richtige Übergang ist. Wenn man aufmerksam genug ist, sieht man den optimalen Quergang schön.
Der Gipfelanstieg ist kein Spaß. Er ist anspruchsvoll und erfordert ständige Konzentration, sowohl wegen des Geländes als auch der Orientierung. Es gibt genug Steinmänner und sie erleichtern das Vorankommen sehr. Ohne Steinmänner wäre es viel anspruchsvoller. Als es bei mir schon etwas zog, haben wir den Übergang zum Grat entdeckt. Zuerst bin ich die rechte Variante mit Umgehung kontrollieren gegangen, damit es beim Abstieg keine Überraschungen gibt. Als ich mich überzeugt hatte, dass dort alles klar ist, bin ich zurückgekehrt, dann sind wir zum großen Finale über die Spalte in der Wand unter dem Standplatz auf den Grat gestiegen. Eine außergewöhnliche Sache! Das Gipfelgrätchen ist so süß, dass es zu kurz war. Ich hätte es gerne um ein paar Dutzend Meter verlängert. Bald stehen wir auf dem Gipfel und gratulieren uns. Wir genießen den Moment lange und bewundern die Aussichten in einer makellosen 360-Grad-Panorama ohne eine einzige Wolke.
Der Abstieg verlief ohne Probleme. Langsam und vorsichtig. Der letzte Abstieg vom Grlo ging vielleicht sogar leichter bergab als der Aufstieg, weil wir bis dahin schon schön "eingestiegen" und an das Gelände gewöhnt waren. Die Schutthalden gingen wie im Flug vorbei, es folgte noch ein kurzer Besuch der Biwaks und ein schneller Abstieg ins Tal, wo wir fast auf die Minute unplanmäßig den Bus zurück erwischt haben. Manchmal kommt einfach der richtige Tag, an dem sich die Dinge von selbst ergeben.
Diesmal habe ich auch die richtige Abstiegsrichtung nach dem Ende der Schutthalden unter dem Bivak II herausgefunden. Wenn man vom Haupt-Schuttfeld links absteigt und den Wald quert, muss man am Ende des nächsten kurzen Schuttfelds rechts abbiegen, nicht links. Der Haken ist, dass auch links begangen ist und einen dann in eine verstopfte Rinne führt. Beim richtigen Abzweig rechts sieht es aus, als wäre Schutt von einer Sturzflut abgelagert, aber wenn man etwas genauer hinsieht, zeigt sich im Wald ein Steinmann.
Am Ende der Tour stellen wir mit Zufriedenheit fest, dass die Tour ein voller Treffer war und irgendwie genau richtig für das aktuelle Niveau an Erfahrung und psychophysischer Fitness. Begeistert und stolz!
P.S. Das Bier nach der Tour hat heute gepasst wie schon lange nicht...
Schöne bergsteigerische Grüße.