@keber1:
Was du im ersten Absatz geschrieben hast, sag das keinem ernsthaften Ökonomen...
Gerade die reichsten Länder Europas basieren auf kleinem Gewerbe privater Initiative. Österreich, Schweiz, Niederlande,... Sie haben auch große Unternehmen und Projekte, aber nicht so sehr, dass die Wirtschaft in großem Maße davon abhängt. Und gerade arme Länder stützen sich nur auf große Projekte (typisch z.B. sozialistische od. die meisten postsowjetischen Länder)
In diesem Sinne ist Belgien ein sehr lehrreiches Beispiel. Im 19. Jh. und bis zum 2. WK war Wallonien reicher. Die Wirtschaft wurde von riesigen Schwerindustrie-Komplexen, Bergbau, Kohlebergbau,... angetrieben, d.h. GROßE Projekte. Sie blickten verächtlich auf die Flamen (die halb so industriell entwickelt waren) als arme Tieflandbauern. Nun, nach dem 2. WK drehte es sich um. Die Industrielle Revolution verlor an Fahrt, die postindustrielle Gesellschaft begann. Schwerindustrie, Kohle,... verloren zunehmend Sinn zugunsten ökologischerer Quellen, Dienstleistungen, Tourismus,... Die Flamen, die nicht so belastet waren von der industriellen Erbschaft, ergriffen schnell die Chance und nutzten gerade mit kleinem Gewerbe privater Initiative die goldenen 50er und 60er und überholten das verkrustete Wallonien, das alles auf große klobige Projekte setzte, die in der postindustriellen Gesellschaft einer nach dem anderen scheiterten. Deshalb konnten sie sich nicht so schnell umstellen wie die Flamen, die quasi von vorne begannen. Heute wissen wir, dass Flandern viel reicher ist als Wallonien, das sich erst vor ca. 10-15 Jahren zu erholen begann.
Und warum über Belgien reden, wir haben ein Äquivalent bei uns, nur in viel kleinerem Maßstab: Zasavje-Revier, einst Stolz der Wirtschaft heute Kollaps mit Haufen Arbeitsloser. Und in Europa: Ruhrgebiet (die Deutschen haben es teilweise wieder mit kleinen Projekten saniert, sogar Tourismus mit Besuchen geschlossener Fabriken, Minen, Industrimuseen,...), französische Regionen Nord und Lothringen, englische Midlands,...
Und was würde Zasavje heute retten? Genau das: Förderung kleinen Gewerbes, private Initiative, Dienstleistungen, Tourismus,... Gleiches Velenje und Šoštanj. Unsere machen so 'nen TEŠ. Gott behüte, statt das in schnellere Bau von Kraftwerken an der Save zu stecken.
Aber ich stimme dem zweiten Absatz zu: Dieses und jenes schützen,... musst du nicht weiß wie viele Papiere und Umwelt- und Raumordnungs genehmigungen besorgen,... Ja, genau das schreckt kleine Unternehmer und auch ausländische Investoren ab.
Interessant, wie dieses Bohinj 2864-Projekt so schnell alle Genehmigungen bekommen hat. Es wurde gerade erst richtig darüber geredet. Jemand oben sagte, das einzige Problem sind noch zwei Eigentümer (nebenbei: Wenn in Österreich etwas Wichtiges gebaut wird, enteignen sie zuerst alle Eigentümer in dem Gebiet(!), damit der Bau sofort starten kann und dann verhandeln sie über Entschädigung vor Gericht).
Interessant, dass hier sofort für alle Papiere gesorgt wurde, ein kleiner Privatmann kann sich aber 5-10 Jahre mit Bürokratie *ärgern* und es ist fraglich, ob er Erfolg hat.