Pervertierung irgendeiner Belohnung
Dragan Petrovec, Dnevnik, 8.11.21
Wer je eine volle Güllegrube gereinigt hat, weiß, wie es aussieht, wenn man den Deckel öffnet. Das stinkendste und dickste ist oben. Ich rede nicht aus dem Hut, denn ich habe diese ländliche Erfahrung. Ähnlich hat die Epidemie Perversionen an die Oberfläche gespült, deren Gestank sich über das ganze Land erhebt.
Schon der Anfang von Janšas Kampf für die öffentliche Gesundheit hat die wahren Farben gezeigt. Zuerst Bereicherung für Auserwählte, dann Schutz, falls überhaupt. Es folgte die Entfernung aller, die ein solches Konzept behindern würden. Wenn später Whistleblower auftauchen, folgen einschüchternde Strafverfahren, später Geldangebote für Schweigen. Sie haben uns ins Gesicht gelogen über die Tauglichkeit der angeschafften Geräte, die natürlich ungenutzt in Krankenhauslagern lagen. Wenn sie auch die ungehorsame Leitung dort austauschen, werden die Ventilatoren plötzlich makellos, obwohl sie sie nicht benutzen.
Strenge Maßnahmen gelten für das Volk, nicht für Politiker, die sich in sonst für die Öffentlichkeit geschlossenen Lokalen vollfressen. Dann erfinden sie eine Formel zur Rettung von Počivalšek, Business für Business, und verkünden, dass Geschäftsmeetings in Gaststätten nie verboten waren.
Weil von diesem Gestank zu viel für eine Kolumne ist, fahre ich nur mit dem Gesundheitswesen fort.
Sorgfältig ausgewählte Ärzte bekommen Erklärungsmonopol. Dazwischen sind angebliche Experten, die ihre eigenen Maßnahmen nicht erklären können bzw. nicht kennen. Und selbst wenn es scheint, dass Ärzte, die ihren Job verstehen, die Schicksale der Maßnahmen in der Hand haben, zeigt sich, dass die Regierung Entscheidungen nach eigenem Gutdünken trifft, oft gänzlich entgegen den Positionen der Expertengruppe.
Dann ist vor Tagen ein ziemlich verzweifelter Eintrag von Dr. Ihan in Delo erschienen, der sich fragt, warum wir Slowenen Teil einer unglücklichen Region sind, die mit selbstmörderischer Gleichgültigkeit gegenüber der Epidemie zum Ziel staunender Blicke der gesamten entwickelten Welt wird. Er ruft Soziologen, Psychologen und andere Meister des menschlichen Geistes zu Hilfe, die erklären sollen, wie unser kollektiver Verstand gelähmt wurde.
Wir brauchen keinen besonderen Meister zur Klärung. Dr. Ihan schaue einfach um sich in seiner eigenen Zunft. Die ärztliche erinnert mich am meisten an die kirchliche. Ich erinnere mich nirgends an solche Kontraste. Auf der einen Seite Missionare, Mutter Teresa, Pedro Opeka, viele Ähnliche, Caritas und Papst Franziskus als ideologischer Führer dieses Teils der Kirche. Auf der anderen Vatikanisches Gold, Goričan, kardinallisches Scharlachrot, Bankenbetrug und Ausschweifungen mit unzähligen Kindesmissbräuchen. Wahrscheinlich muss man nicht besonders beweisen, auf welche Seite die Waage tief kippt.
Ähnlich sehe ich das Gesundheitswesen. Unten sind opferbereite Ärzte, die bei der Epidemie ausbrennen, ebenso medizinisches Personal, ohne das die Ärzte selbst nichts könnten, Schwestern, die es nicht mehr gibt, weil sie sich buchstäblich das Leben retten, indem sie woandershin fliehen, wo man noch atmen kann. Es reicht, den Eintrag von DMS Marija Špelič zu lesen (Wer hat den Schwestern die Flügel gebrochen, Objektiv, 30. Oktober) über das Sklavensystem, das die medizinischen Eliten eingerichtet haben. Hausärzte, deren Norm ein paar Minuten pro Patient ist, sind seit Jahrzehnten der am meisten vernachlässigte Zweig, doch der erste, der mit uns in Kontakt steht, wenn wir Hilfe brauchen. Wer würde sich noch für die Facharztausbildung in Hausmedizin entscheiden, diese abgedrängte und unterschätzte Richtung, deren Bedeutung wir erst jetzt zu erkennen beginnen, wenn es für vieles zu spät ist.
Gibt es etwas Pervertierteres, das die Behörden ihnen bieten können, als ein paar Groschen pro Patient, wenn sie ihn zum Impfen überreden? Dass sie versuchen zu reparieren, was dieselbe Behörde mit ihren Lügen und Betrügereien vergeudet hat, das ist der letzte Rest Vertrauen. Dass sie versucht, sich selbst und ihr Gesicht, das sie schon lange nicht mehr hat, auf den Schultern der Hausärzte zu retten.
Oben sind andere Arten von Ärzten. Diejenigen, die Gehalt und Zulagen bekommen, aber gar nicht zur Arbeit gehen. Die Kontrolle in der Orthopädischen Klinik UKC Ljubljana hat gezeigt, dass Orthopäden drei- bis viertausend Euro mehr als vor der Epidemie verdient haben, obwohl laut UKC niemand auf Covid-Stationen gearbeitet hat. Ihre Anwesenheit wurde auch aufgezeichnet, wenn sie gar nicht im Dienst waren. Oben sind auch die, die neben der Hauptbeschäftigung vertraglich in vier, fünf Institutionen gleichzeitig sind. Ärzte, denen es völlig akzeptabel erscheint, dass ein verbranntes Kind vierzig Minuten ohne Hilfe vor dem Krankenhaus wartet. Ein Arzt in der Rolle eines Ministers, der einen systemischen Betrug mit dem Janssen-Impfstoff einführt. Und zuletzt Politiker und Ärzte, die unter der Maske der Humanität diesen gleichen umstrittenen Impfstoff an Afrikaner spenden. Dort sterben die Leute eben anders als bei uns. Besonders Kinder.
Dr. Ihan fragt sich, ob es die mit dem Kommunismus oder der postkommunistischen Transition gelernte Misstrauen in die wohlmeinenden Absichten der Behörden ist.
Wer in der jetzigen Behörde etwas anderes als ihren eigenen Posten, Macht und Geld als wohlmeinend sieht, ist blind oder fanatischer Gläubiger. Beide Diagnosen sind eigentlich gleich. Die staunenden Blicke der entwickelten Welt, die Dr. Ihan bemerkt, rühren nicht nur von dem schlechten epidemiologischen Bild her. Niemand vor Janša hat mehr staunende, genauer entsetzte Blicke wegen seines kriminellen Verhaltens zu Hause und gegenüber europäischen Politikern bekommen.
Wie könnte die Gesundheitspolitik unter seinem Taktstock von allem abweichen, was er zu Hause und im Ausland tut, und wo soll auf diesem Brandmal Vertrauen keimen?